Konzertbericht

In Flames, Pain, Soilwork - Köln, Live Music Hall, 10.10.2002

Wir schreiben den 10. Oktober 2002, und in Köln zieht der Winter ein. Da trifft es sich gut, dass eine amtliche Packung Ikea-Metal in unseren Breitengraden vorbei schaut, um uns mit Elchtod vom Fass ordentlich einzuheizen.

Unmittelbar nach der Tagesschau betreten die Senkrechtstarter SOILWORK den Ort des Geschehens, um mit der Obergranate "Follow The Hollow" das Konzert ebenso wie ihren aktuellen Release "Natural Born Chaos" zu eröffnen. Der Sound ist noch etwas suboptimal, doch schon beim dritten Stück, dem ebenso grandiosen "As We Speak" knallt das Sixpack ausgesprochen amtlich aus den Rohren, zumal inzwischen auch die Keyboards zu vernehmen sind. Zwar haben die Jungs erwartungsgemäß leichte Probleme, die sehr detailverliebt ausgearbeiteten, mehrstimmigen Refrainpassagen live darzubieten, doch unterm Strich sammelt die Bad Punkte. Weiter geht´s mit "Millionflame" vom "The Chainheartmachine"-Album und dem Titeltrack der aktuellen Scheibe sowie "Structure Devine" von "A Predator´s Portrait". Sänger Sped macht wie die gesamte Crew einen guten Eindruck, setzt den aggressiven, oft wütenden Gesang aber zudem noch optisch gut um - obwohl er für sein Aussehen ja eigentlich nichts kann... Basser Ola hingegen stapft unaufhörlich und genauso begeistert wie sichtlich angedrogt über die Bühne, während er dabei aussieht, wie eine Mischung aus Oliver Korittke, ´nem Joint und einem Waldschrat. Mit den formidablen "The Flameout" und "The Bringer" beschließen zwei aktuelle Songs den ausgesprochen gelungenen und mit 40 Minuten viel zu kurzen Auftritt, bevor abrupt einsetzende Hintergrundmusik aufkommende Zugabe-Rufe unmissverständlich im Keim erstickt. Mir persönlich fehlte zwar der "Black Star Deceiver", aber in dieser Form haben SOILWORK definitiv Zukunft. Da will ich den kleinen Fauxpas mal verzeihen...

Tja, und dann kommen PAIN... Was soll ich sagen, ich fand´s etwas enttäuschend. Die Vorfreude auf den Auftritt von Peter "Hypocrisy" Tägtgren und seinen Jungs war groß, aber wie sich herausstellte, funktionieren die Songs live nicht so gut, wie auf Platte. Vielleicht lag es auch an der Konstellation, dass man die doch eher gemäßigten PAINer (in meinen Augen) unglücklicherweise zwischen zwei Todesmörtelcombos platziert hatte. Die auf CD gnadenlos fett produzierten Tanztempelhymnen kommen live jedenfalls ziemlich dünnhäutig, teils poppig und gelegentlich sogar langweilig rüber. Während Herr Tägtgren zu Beginn noch unter tosendem Applaus auf die Bühne steigt, wird der Großteil des Publikums im Verlauf des Sets doch merklich ruhiger. Da können auch so Granaten wie der Opener "It´s Only Them " "Injected Paradise" oder das grandiose Beatles-Cover "Eleanor Rigby" nicht mehr helfen. Spätestens bei "Suicide Machine" ist zudem nicht mehr zu überhören, dass es um die stimmliche Verfassung des Protagonisten heute offenbar nicht zum Besten bestellt ist, was ohnehin eher belanglosen Rocknummern wie "Just Hate Me" schließlich den Todesstoß versetzt. Die Single "Shut Your Mouth" (zu der es einen köstlichen Videoclip gibt), stimmt die anwesende Fanschar abschließend dennoch versöhnlich, und so ist man allgemein zwar nicht gerade überwältigt aber auch nicht unbedingt unzufrieden.

Als mit IN FLAMES schließlich der Headliner die Bühne betritt, geraten die Leute völlig aus dem Häuschen. Während des minutenlangen Intros hat man genug Zeit, die coole Bühnendeko zu inspizieren, und spätestens bei der coolen Lightshow merkt man, was sich die Jungs inzwischen für einen Status erarbeitet haben. Nachteil: Erst beim dritten Song wird Sänger Anders ausnahmsweise von vorne angestrahlt. Während der gesamten Show kann man das Malermeister-Quintett (man tritt wieder mal komplett weiß auf) nur von hinten beleuchtet begutachten, was zur Folge hat, dass das werte Publikum konstant geblendet wird. Zweifelhaft... Wenig zu meckern gibt es dagegen wie gewohnt an der Live-Performance der Band, obwohl sie gelegentlich, z.B. bei "Ordinary Story", doch etwas arg routiniert wirkt. Anscheinend ist zwischenzeitlich auch für das Publikum ein bisschen zu sehr Gewohnheit Trumpf, denn Anders lässt sich zu der Aussage hinreißen, man sei "damn quiet for a German Metal audience". Fortan geht´s besser, nicht zuletzt weil sich ein Gig anschließt, der von der aktuellen Single "Cloud Connected" über nicht mehr ganz taufrische Titel wie "Clayman" bis hin zu ollen Kamellen der Marke "Food For The Gods" oder dem abgefeierten "Artifacts Of The Black Rain" alles bietet, was Rang und Namen hat. Dass IN FLAMES heute Abend nicht zwingend durch Spontaneität oder Spritzigkeit überzeugen, mag an der Erkältung von Sänger Anders liegen. Die Songs kommen allerdings brachial wie eh und je durch die Boxen gescheppert. Egal ob "Reroute To Remain", "Gyroscope" oder das bravoröse, die ganze Halle in ein hüpfendes Inferno verwandelndes "Only For The Weak". Bei IN FLAMES sucht man Schwachpunkte meist vergebens. Mit der Ansage "This Is Colony the End of the Road" und einer Ladung glitzernder Alu-Schnippsel verlassen die Krachmacher nach knapp 80 Minuten die Bühne und sorgen ganz nebenbei für einen enormen Umsatz am (an ein Textil-Großlager erinnernden) Merchandise-Stand. Kein Wunder bei so vielen zufriedenen Gesichtern...

(heavy)

 
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