Konzertbericht

Rock Harz Open Air 2008 - Freitag, 18.07.2008

Die brasilianischen Thrasher TORTURE SQUAD kennt man im Harz noch nicht so genau und so war die kleine Menschenmenge vor der großen Bühne wohl eher der Neugierde als einer gewissen Erwartungshaltung geschuldet. Und die, die da waren, werden es garantiert nicht bereut haben, denn TORTURE SQUAD sind Meister ihres Fachs, technisch unglaublich tight und haben ordentlich die Matte kreisen lassen. Der Fokus des 30 minütigen Sets lag dabei ganz klar auf dem neuen Album „Hellbound“. Auch wenn die Jungs auf der Bühne etwas verloren wirkten, kann man hier von einem erfolgreichen und energischen Gastspiel sprechen. Wer noch nicht die Gelegenheit dazu hatte, sollte unbedingt mal die Scheibe antesten. (lk)

Im Laufe des frühen Nachmittags waren dann an jeder Bierbude Fans mit Piratenhüten und weiteren Freibeuter-Untensilien anzutreffen, die sparsam darauf reagierten, wenn man sie darauf aufmerksam machte, dass Running Wild nicht zugegen sind. Klar, die Schotten ALESTORM, die mit ihrem Debüt „Captain Morgan’s Revenge“ auf sich aufmerksam gemacht hatten waren am Start und konnten sich über großen Zulauf bei der kleinen Bühne freuen. Die Truppe um Sänger / Keyboarder Christopher Bowes entpuppte sich als sympathischer Haufen mit guten Entertainerfähigkeiten und wurde ordentlich abgefeiert. Wer mit Folk, Keyboards und einer Portion Selbstironie nichts anfangen konnte, hat aber zu diesem Zeitpunkt verständlicherweise einen großen Bogen um die kleine Bühne gemacht. ALESTORM verlangen eben auch nach ein wenig Selbstüberwindung.(lk)

Die unsäglichen TYR leben davon, dass sie von den Faröer-Inseln kommen, also von ihrem Exotenbonus. Anders ist es einfach nicht zu erklären, warum die Band zu beliebt ist. Denn an der Musik kann es nicht liegen. Klar, die Jungs beweisen, dass sie spielen können, aber ihr so genannter Viking Metal protzt nur so mit Langeweile statt mit Progressivitär und was da als Stimme verkauft wird, geht auch bequem so patenter Eierschneider durch. Zudem langweilt die quasi nicht vorhandene Bühnepräsenz der blassen Nordmänner ungemein – und dass sie dann noch mit Klischee-Texten a la Manowar („Hail To The Hammer“) daherkommen, tut ein übriges. Den Gipfel aber erklimmen TYR mit der unsägliche Coverversion wilden Rovers. Anner der Nordseeküste in Metall? Da schlage ich doch lieber die TYR zu (memme).

Dagegen waren BELOVED ENEMY eine geradezu erholsame Überraschung. Nun sieht die Band,um es mal politisch-gesellschaftlich inkorrekt zu sagen – extrem tuntig aus. Weil der Metaller ans ich nun aber nicht reaktionär und sogar weltoffen ist, schaut und hört er sich die industriellen Gothen trotzdem an und siehe da: Die Jungs rocken durchaus – was auch daran liegt, dass sie auch Street-Rock und –Roll einbetten. "Fuck Me Back To Life"? Na das nun nicht, aber immerhin war das Amusement beim geliebten Feind größer als bei den vorherigen Skandinaviern… (memme)

"Immer, wenn wir hier sind, bringen wir das beschissene Wetter mit", recht hatte er, der BRAINSTORMs Andi. Wie 2005, als die Schwaben zum ersten Mal beim Rock Harz gastierten, meinte es der Wettergott alles andere als gut mit Band und Publikum. Vor der Bühne war relativ wenig los, wofür sich einige in den Arsch beißen durften, da die ohne Todde, dafür mit Tom Naumann (Ex-PRIMAL FEAR) agierenden Schwaben eine echte Klasseshow boten und vollkommen zu Recht zu den Highlights des Festivals zählten. Andi B. Franck war in jeder Hinsicht in Topform. Der Mann versteht es, das Publikum zu animieren und dann auch gesanglich auf absolutem Spitzenniveau die Menge in seinen Bann zu ziehen. Der bunte Querschnitt durch die Karriere der schwäbischen US Metaller – "Fire walk With", "Falling Spiral Down", "Inside The Monster", "Ckeckmate In Red" oder "Shiva’s Tears" etc. kam prächtig an. Schade, dass schon nach 45 Minutent Schuss gewesen ist, definitiv zu wenig Spielzeit für so eine tolle Band ! (lk)

Heidewitzka, liebe Rock-Harz-Hexe. Die Angst des Old-School-Metallers vor Metalcore ist bekanntlich größer als die des Tormanns vorm Elfmeter, aber NEAERA, diese unsäglich Ansammlung von Konsonanten, belehrt auch den Scheubeklapptesten eines Besseren. Denn die Band – klein, schlecht angezogen und überhaupt, rockt die Wiese wie Steinschlag die Windschutzscheibe. NEAERA sind die vielleicht nicht die beste Band des gesamten Festivals, aber auf jeden Fall einer der härtesten- das beweisen Mosh-Pit-Polonäse und Todeswand aber auch anerkennendes Bangen von Metallern jeglicher Couleur. „Need For Pain“? Ich weiß nicht, aber das Titelstück ihrer aktuellen Scheibe „Armamentarium“ lehrt einen schon das Fürchten. Coole Kapelle. (memme)

Eine der letzte Auftritte KNORKATORs bekommt Förste zu sehen, die Band löst sich auf – lohnt sich wohl nicht mehr der ganze Zirkus. „Ich hasse Musik“ bekommt somit eine ganz andere Bedeutung – die charismatischen Berliner um Stumpen und Alf Ator machen den meisten Spaß, wenn man richtig zu schaut. Trotz Starkregen scheut sich der Fronter nicht, sich auszuziehen und seine bunte Badehose zu zeigen – oder macht er es doch wegen die vielen Tattoos? Der Typ rennt,zappelt, macht irre Grimassen und verzückt die Besucher mit KONRkA-Geld und allem möglichen, auch einen Flipchart verzichtet er diesmal. Naja, was soll auch der Unterricht des Nachwuchses, wenn sie die Lehrväter ehedem zurückziehen. Schade drum und Auf Wiedersehen! (memme)

Nach Auftritten im Vorprogramm von Typ O Negative und bei Raab müssen DOWN BELOW dennoch mit der kleinen Bühne vorlieb nehmen. Genauso eine Überraschung wie der durchaus unhaltsame Auftritt der Jungens – Jungens? Moral-Ethische Inkorrektness Part 2: Die sehen ja noch tuntiger aus als BELEOVED ENEMY. Wer sich aber trotz androgynesker Ausstrahlung des Fronters an den Sound gewöhnt, kann durchaus professionelle Gothic-Rock-Unterhaltung heraushören. Das war vor TYPe O und in Fernsehen drin noch nicht so... (memme)

Alter, ATROCITY, Werk 80. Wenn der Opener „The Great Commandment“ vielleicht noch als metallisierte Version taugt, so tut es es die ganze Setliste nicht. Zumal das rockstarige Gehabe von Krull, der überaus windige Sound nicht rocken, da kann auch der viele Nebel nichts dran ändern. Und ich schwöre: Am Alkoholpegel liegt es nicht, dass viele nicht in Stimmung kommen. (memme)

SAXON, eigentlich eine Bank. So auch im Harz, zumindest, was die Songauswahl betrifft. Aber irgendwie scheint Kollege Biff heute extrem unlustig, zumindest bei ihm wirkt vieles routiniert, jede Geste aufgesetzt. Nun muss man nicht gerade von einer Playback-Show reden, wie gehört, aber die Briten sind schon wesentlich stärker rübergekommen. Oder sieht das einer meiner Kollegen anders? (memme)

(lk)

 
Dieser Bericht wurde bisher 838 mal gelesen.

  • Bericht bei Facebook posten!
  • Review bei MySpace posten!
  • Bericht bei Twitter posten!
  • Bericht bei StudiVZ posten!

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

© 1999-2010   www.METAL-INSIDE.de