Konzertbericht

Atrocity, Pain, Samsas Traum - Hamburg, Markthalle, 08.01.2001

Das erste Konzert dieses neuen Jahrtausends erlebte ich am achten Januar in der Markthalle zu Hamburg. Atrocity hatten zusammen mit Pain und Samsas Traum zum musikalischen Gaumenschmaus geladen, doch aus diesem vermeintlichen ersten Höhepunkt der 2001er Konzertsaison wurde eher eine Farce.

Samsons Trauma (aka SAMSAS TRAUM verpaßte ich, da die selbsternannte Black Metal-Operette bereits eine Halbe Stunde früher als erwartet über die Bühne ging. Aussagen verstörter Zeugen zufolge war das aber nicht weiter schlimm, denn der Auftritt hatte angeblich eher den Charakter von Realsatire.

Der eigntliche Grund meiner Anwesenheit war natürlich mal wieder ein gewisser Herr Tägtgren, der nach diversen Festivalgigs im Sommer 2000 nun die erste Tour mit seinem Side-Project PAIN am Start hat. Zwar bin ich ein wirklich großer Fan dieses Ausnahmemusikers, ich liebe die neue Pain-Scheibe und eigentlich finde ich mittlerweile fast schon aus Routine alles gut, was dieser Herr macht, doch irgendwie wirkte das, was das Berufsgenie da mit seinem All-Star-Background ablieferte eher ernüchternd. Viel zu steril kam die Band herüber, Peter hatte merkliche Probleme mit seiner Stimme und auch die sehr verhaltenen Reaktionen des eh sehr spärlich gesäten Publikums schienen ihm nicht gerade die Freudentränen in seine Augenringe zu treiben. Zu allem Überfluß war auch der Sound nicht gerade das, was man generell mit dem Namen Tägtgren verbindet und da konnte selbst das wirklich gelungene Cover vom Beatles-Klassiker "Lonely People" die Wertungsnoten nicht nach oben treiben. Schade, denn PAIN hätten bei voller Hütte und gutem Sound wahrscheinlich die Markthalle in Schutt und Asche gespielt, was sie einige Abende zuvor mit dem Berliner Razzle Dazzle-Club taten. Trotz allen Übels waren PAIN auf jeden Fall die eigentlichen Headliner der Tour.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, nun die Segel zu streichen, mir noch die eine oder andere Runde Astra zu gönnen um dann eine gepflegte Verpissung vorzunehmen doch aus mir noch nicht ganz verständlichen Gründen blieb ich, um mir ATROCIT> anzusehen, deren musikalische Entwicklung der letzten drei Jahre ich immer noch nicht wirklich nachvollziehen kann. Und auch live wurde mir eines bewußt: Die Band hat verloren. Nicht genug damit, daß man sich mit der neuen Platte "Gemini" prostituierte und versuchte, sich an das "Werk 80"-Publikum zu verkaufen, nein, nun versuchen die Herren um Meister Krull auch noch, sich mit gar spacigen Klamotten und lustigen Laserhandschuhen ein hippes Image anzueignen, was meiner Meinung nach eindeutig das Prädikat "besonders peinlich" verdient hat. Tja, ist halt schade, wenn man nicht mal für 10 Pfennig Stil hat und trotzdem um jeden Preis auffallen will. Und so wurde auch der Gig nicht mehr als ein aufgesetzt billiges Theaterstück, in dem nicht einmal die musikalische Untermalung stimmte, denn live kommen die neuen hippen, stilvollen und so unglaublich originellen Atrocity noch schlechter als auf Konserve, wenn das überhaupt möglich ist. Die Woolworth-Ausverkauf-Riffs rockten so gut wie mein toter Opa, die peinlich angezogenen Musiker wirkten wie die lustigen Aliens aus Mars-Attacks und Front-Alien Krull ist ähnlich stimmgebildet wie mein neuer Staubsauger. Früher grunzte er wenigstens, doch heute können nicht einmal die witzigen Kostüme, die tolle Multimediashow oder gar die halbnackten Tänzerinnen von seine Unfähigkeit ablenken. Hätten sich die beiden nicht wirklich unästhetischen Mädels wenigstens ganz ausgezogen, dann hätte man das Eintrittsgeld wenigstens in eine Peepshow investiert. Einziger Lichtblick der Show waren für mich die Songs "Blut" und "Willenskraft", die noch aus einer Zeit stammen, als Atrocity die Vorzeigeband im deutschen Metal-Bereich waren, doch auch diese machte Herr Krull mit seiner Unfähigkeit kaputt, denn seinem Goldkehlchen entfleuchte nicht mehr als ein dilettantisches Herumgegurgel. Wer weiß, vielleicht hatte er ja einen wilden Schmetterling im Hals, da bringt auch ein Zauberstab nichts...

(cs)

 
Dieser Bericht wurde bisher 1061 mal gelesen.

  • Bericht bei Facebook posten!
  • Review bei MySpace posten!
  • Bericht bei Twitter posten!
  • Bericht bei StudiVZ posten!

© 1999-2012   www.METAL-INSIDE.de