Die Schonfrist ist vorbei, obwohl am Vortage bis 2 Uhr nachts gespielt wurde, geht es bereits um 09.30 Uhr mit zwei tschechischen Bands weiter. Nun gut, nicht jeder ist um die Uhrzeit schon fit, doch immerhin schafft es unsere deutsche Nachwuchshoffnung KISSIN DYNAMITE kurz vor Mittag dann doch die Fans vor die Bühne zu locken und es werden im Verlaufe des Show immer mehr. Obwohl sie teils noch keine 18 Jahre alt sind, überzeugen sie bereits mit einer Bühnenpräsenz und Performance, als ständen sie schon ewig auf der Bühne. Ihre eingängigen Stücke sind dabei ideal zum mitrocken und so können „Steel Of Swabia“, „Freaky“ oder auch „Addicted To Metal“ schnell mitreißen. [Anm. der Redaktion: Die Jungs stehen schon seit Ewigkeiten auf der Bühne ;-) ]
Nicht nur RAGE feiern in diesem Jahr ein Jubiläum, auch AXXIS können auf 20 Jahre Bandgeschichte zurück blicken. Das neue Album „Utopia“ ist bereits fertig und liegt bald in den Läden. Leider zu spät, um ein paar neue Stücke bereits auf dem Festival zu präsentieren. Doch das macht gar nichts, denn genügend Auswahl hat man nach so vielen Jahren sowieso. Gewohnt gut gelaunt und redefreudig präsentiert sich Sänger Bernhard Weiss. Und er ist gut vorbereitet, denn auf einem Zettel hat er sich die Begrüßung auf tschechisch notiert. Die Fans freut es, auch wenn ich nun nicht in der Lage bin zu übersetzen. Gleich mal um den Finger gewickelt hüpfen, singen und bangen alle brav zu Tracks wie „Doom Of Destiny“, „Bloodangel“ und „Living In A Prayer“ mit. Wer nun glaubt, dass Bernie auf einem Festival keinen Gast auf die Bühne holt, der irrt gewaltig. Ein Mädel aus der ersten Reihe meldet sich freiwillig. Ihre Englischkenntnisse sind leider sehr gering, doch eigentlich braucht sie auch nur das Tambourine im Takt der Musik schwingen. Nicht so einfach, erst recht, wenn man vor tausenden von Fans steht. Letztendlich klappt es dann doch ein wenig und es kann mit „Touch The Rainbow“ weiter gehen. Eigentlich war „Kingdom Of The Night“ als Abschluss vorgesehen, doch da die Zeit es erlaubte und die Fans es verlangten, gab es mit „Nana, Hey, Hey, Kiss Him Goodbye“ und noch ein weiteren Gassenhauer.
Während STRATOVARIUS schon in so einigen Ländern mit neuer Teambesetzung am Start waren, machten sie sich in Deutschland noch sehr rar. Umso erwartungsvoller waren wir auf die Show. Wie wird es ohne Timo Tolkki? Um es vorweg zu nehmen, sein Nachfolger ist keine Rampensau, aber ein guter Musiker. Und schließlich hat den Job des Frontmannes ja auch schon Timo Kotipelto inne, unterstützt vom immer gut gelaunten Jens Johansson an den Tasten. Die Chemie in der Band scheint zu stimmen, denn der Auftritt kam harmonisch und als Einheit rüber. Egal ob der Opener „Hunting High And Low“, das neue „Deep Unkown“ oder das altbekannte „A Million Light Years Aways“, die Begeisterung der Besucher war offensichtlich. Mit „Visions“, dem neuen „Higher We Go“ samt eines Lobes zum tschechischen Bier von Timo und dem Hit „Black Diamond“ neigte sich die Show leider viel zu schnell dem Ende. Wie gut, dass wir im Winter dann auch in Deutschland die komplette Show genießen dürfen.
Auch der dritte Festivaltag neigt sich mit einer deutschen Band als Headliner dem Ende zu. BLIND GUARDIAN gaben sich die Ehre und spalteten im Nachhinein die Meinungen der Fans. Von einer eher langweiligen Show war ebenso die Rede wie von einer super Show. Hatte man nicht das gleiche Bild auch schon auf dem Bang Your Head? Die Band um Hansi Kürsch scheint derzeit mehr zu polarisieren als sonst. Fakt ist, das Songs wie „Valhalla“, „Another Holy War“ oder auch „Turn The Page“ gut ankamen. Ein bisschen mehr Power und Spielfreude hätte sicher nicht schaden können. Schließlich reißen die Rausfeger „Bard´s Song“ und „Mirror Mirrow“ es dann noch mal raus.
Sonntag
Es ist kaum zu glauben, doch es bricht bereits der vierte und letzte Festivaltag an. Und zum guten Abschluss hat auch das Wetter ein nachsehen. Während es die Tage zuvor hin und wieder mal schauerte, lacht heute die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Das freut nicht nur die Bungeespringer, die wieder in Schlangen vor der Anlage stehen. Für umgerechnet gut 35 Euro hat man zuerst einen wunderbaren Blick über das ganze Gelände und anschließend den absoluten Adrenalinkick beim Sprung. Bereits morgens waren die ersten mutigen wieder zu sehen. Uns zog es jedoch mehr zur Bühne, denn AUDREY HORNE war die erste international bekanntere Band des Tages. Mit viel Elan und Überzeugungskraft weckte er das Publikum endgültig auf und animierte mit „The Sweet Taste Of Revenge“ und „Last Call“ alsgleich die müden Arme auszustrecken. Geht doch. Einmal dabei, kann man auch gleich bei so starken Songs wie „Deathhorse“, „Bright Lights“ und „Dead“ weiter machen. Eine gute Visitenkarte, die die Norweger da abgegeben haben.
Erste deutsche Band des Tages waren SCHANDMAUL. Wie auch IN EXTREMO am ersten Tag kam der Musikstil gut an. Auch wenn die deutschen Texte nicht von jedem Mitgesungen werden konnten, war die Stimmung im Publikum bei „Wolfsmensch“, „Krieger“, „Vogelfrei“ und „Der Letzte Tanz“ hervorragend. In wie weit die „Walpurgisnacht“ in der Tschechei bekannt ist, wissen wir nicht so genau, doch gefeiert wurde zum Song, als wäre es ganz klar.
Das musikalische Gegenteil lieferte dann ein weitere deutsche Band namens DIE HAPPY. Na ja, zumindest fast deutsche Band, denn Sängerin Marta Jandová ist bekanntlich Tschechin. Heimspiel für sie. Das sie in ihrer Heimat äußerst beliebt ist, war nicht zu übersehen. Schließlich sind die DIE HAPPY Songs „Supersonic Speed“ und „Goodbye“ auch im Ausland überaus erfolgreich. Neben den beiden Highlights konnten auch „Peaches“, „Like A Flower“ und „Rebel“ punkten.
Direkt im Anschluss folgten die Kanadier VOIVOD. Um sich gleich mal vorzustellen, wählten sie idealerweise den Track „Voivoid“ als Opener, gefolgt von „The Unknown Knows“. Doch so richtig wollte der Funken nicht überspringen. Da half auch kein „Tornado“ oder „Treasure Chace“. Schade eigentlich, denn die Herren haben mehr drauf. Ob man sie zu wenig kannte oder einfach nach vier Tagen zu müde war, wir wissen es nicht. Die mittelklassige Show mag dazu beigetragen haben, dass der ein oder andere sich lieber ein Bier holen ging.
Zum Abschluss die Preisfrage: Welcher Song und somit welche Band passt perfekt zum Ende eines Festivals? Na klar, EUROPE mit ihrem „The Final Countdown“. Doch bevor der Ohrwurm gespielt werden durfte, gab es erst einmal eine 90 Minuten Show. Auch wenn die Herren mittlerweile kurze Haare haben und etwas älter sind, der weiße Mirkoständer – Markenzeichen von Sänger Joey Tempest – ist immer noch dabei. Und den wirbelt er dann herum wie eh und je. Neben den neuen Stücken wie „Love Is Not The Enemy“ und relativ neuen Tracks a la „Always The Pretenders“ sowie „Start From The Dark“ gaben die Schweden dem Wunsch vieler Fans natürlich nach und spielten ihre größten Hits wie „Rock The Night“, „Cherokee“ und die Ballade „Carrie“, bei der sich Joey Tempest dann selbst die Akustikgitarre nahm und mit Keyboarder Mic Michaeli das Gelände in ein Meer aus Lichtern verwandelte. Noch weiter zurück ging es mit den Songs „Scream Of Anger“ und einem der allerersten EUROPE Tracks „Seven Doors Hotel“, bevor, ja, bevor „The Final Countdown“ dann nicht nur die Show, sondern auch das Festival würdig beendete.
Vier Tage Party, geile Shows, eine mal wieder super entspannte Atmosphäre, 25.000 Fans und 41 Bands, es hat riesigen Spaß gemacht. Ein wenig traurig fahren wir heim, doch ganz bestimmt bis zum nächsten Jahr, Vizovice und Masters Of Rock.
(tennessee)
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