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Nachdem GAMMA RAY bereits auf dem Wacken Open Air einen ersten Vorgeschmack zum Album lieferten, durfte man bei der anstehenden Listening Session mehr als gespannt auf die anderen Songs sein. Schließlich verspricht der Albumtitel „To The Metal“ eine wahre Lobpreisung an unser aller Lebenselexier. Zwar waren die Songs noch nicht alle fertig, doch für einen ersten Eindruck reichte es allemal. Und der war – zusammengefasst – überaus positiv und überraschend.
Starten wir mit dem ersten Song „Rise“. Von Dirk Schlächter wird dieser Titel als „typischer Melodic Speedburger den man erwartet“ bezeichnet und damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Doublebass, fetter Chor, ein wenig Klischee, schöne Harmonieverläufe, unterschwelliger Einsatz der Keyboards und schöne Spannungsbögen. Fertig sind die Zutaten für den Melodic Speedburger. Ein prima Track als Einstimmung.
Weiter geht es mit der vom Wacken Open Air bereits bekannten Ode an den Metal und gleichzeitig auch dem Namensgeber des Albums: „To The Metal“. Ein wahrer Prosit auf den Metal, der sofort zum mitrocken und mitsingen anregt. Starke Gitarrensoli dominieren den Song neben den Vocals, bei denen Kai Hansen einmal mehr seine gesteigerten Sängerqualitäten unter Beweis stellen konnte. Man sollte meinen, der Song sei bereits in trockenen Tüchern, doch nachdem Dirk Schlächter eine pantomimische Interpretation des Songs vorführte, kommt spontan eine Diskussion über mögliche Veränderungen des Songs auf. Und das soll nicht das letzte Mal gewesen sein.
Der Track „Deadlands“ kommt mit einem starken Metalintro daher, verspielten Keyboards zur Untermalung und einem klassisch, voluminösen Chorus zum Mitsingen. Die Strophen hingegen sind wesentlich härter, sie gehen voll auf die Zwölf und werden von einem verfrickelten Gitarrensolo ergänzt. Nicht unbedingt der Mitgröhlsong, dafür abwechslungsreich und mit Spaßfaktor.
„Empathy“ täuscht zunächst einen ruhigen Song vor, mit Gesangsintro samt Gitarrenuntermalung startend, mystisch und ruhig tippt man auf eine Ballade und wird alsbald eines besseren belehrt. Denn plötzlich wird der Schalter umgelegt, die Drum-/Bass Fraktion haut richtig rein, fette Gitarren und der markante Gesang von Kai Hansen sind Kennzeichen dieses Tracks. Temposprünge, eine leicht orientalisch angehauchte Gitarreneinlage und das an Gothic erinnernde Ende geben dem Song die Abwechslung, die ihn zu einem weiteren Highlight werden lassen.
Abwechslung ist auch das Stichwort für den nächsten Song „All You Need To Know“. Auch wenn dieser noch nicht ganz fertig war, das Gitarrensolo fehlte, die Grundstruktur war erkennbar und da lieferten sich die Vocals und Gitarren im schnellen Wechsel ein hartes Duell, welche im harmonischen Chorus den ruhigeren Gegenpool finden. Und diesen Chorus unterstütze dann auch niemand geringeres als Michael Kiske. Überraschend, das abrupte Ende des Songs, welcher im Nachhinein auch ein wenig an HIM erinnerte, ein wenig..
„Mother Angel“ zeigt das Ziel der Band perfekt, schnell auf den Punkt zu kommen und keine überlangen Songs zu produzieren. Fette Gitarrenriffs eröffnen den Reigen, stetig wiederholend und simpel aber gut sind sie der Widererkennungswert des Songs. Der hohe Gesang im Refrain sticht heraus und letztendlich ist es der Genuss des Schlichten, welcher das Stück auszeichnet.
Die Geschichte zu „Wanna Bees“ ist eine wahre Story, erlebt von Daniel Zimmermann, welcher kurz nach einer Show, statt ein wenig Ruhe zu genießen, gleich von einem Fan aufgesucht wird. Seine Wut und seinen Zynismus lässt er in diesem Track freien Lauf und so ist es kein Wunder, dass die Vocals ein wenig an Rammstein erinnern, düster und hart sind, während der rotzige, harte Gitarrensound und die modernen Einflüsse ein wenig überraschen, positiv wohlgemerkt. Denn den Humor kann man diesem Song nicht abstreiten. Abgedrehte Einlagen, ein fast schon Rap Einlage und ein Chorus, welcher einem ganzen Kirchenchor gleicht, machen den Song zum absoluten Hinhörer.
Ob der nächste Track „One Life“ ein Japan Bonus-Track wird oder nicht, ist noch nicht ganz entschieden. Es ist einer der ersten Songs, die Kai fürs Album geschrieben hat. Das Intro erinnert an alte Black Sabbath Zeiten, der fast schon kitschige Refrain passte zum Zeitpunkt des Hörens noch nicht so ganz zu den Strophen, doch auch dieser Song war nicht ganz fertig. Deutlich wurde jedoch, dass es kein Track ist, der sofort zündet. Das Klavier, die treibenden Drum-Bass-Fraktion und das klassische Gitarrensolo stehen gegenüber immer wieder überraschenden Einlagen und Vocals. Warten wir auf das Endergebnis.
Mit „No Need To Cry“ gibt es dann die wirkliche Ballade des Albums. Sie ist eine Hommage an Dirks Vater, der vor einigen Jahren starb. Zwar waren auch hier die Vocals nicht ganz fertig, doch allein das Intro mit Meeresrauschen und Klavieruntermalung erzeugt eine melancholische Stimmung. Die Vocals – im Demomodus – sind eingängig und bringen genau das Gefühl rüber, welches jeder kennt. Und es wird deutlich, dass dies keine Kuschel-Kitsch-Ballade wird. Die Akustikgitarren im Mittelteil ist eine schöne Ergänzung und ein wenig erinnert der Track an „Don´t Cry“ von Guns´N´Roses.
Der nächste Song stammt aus Henjos Feder: „Time To Leave“. Er berichtet über den Spagat zwischen der virtuellen Welt und den Menschen, die darüber die reale Welt vergessen. Zwar lagen die Gitarrenparts noch bei Henjo zu Hause, doch so weit konnte man schon den bekannten und geliebten Gamma Ray Sound heraus hören. Interessant ist, das Kai den Song bereits eingesungen hat, bevor er genau wusste, was Henjo wollte, so blieb ihm immerhin Interpretationsspielraum. Ein schönes Beispiel dafür, wie lange und wie gut sich die Musiker schon kennen, denn das funktioniert nicht bei vielen Bands.
Ob der nächste Song nun „Breaking Up“ oder „Breaking Away“ heißen soll, das muss noch entschieden werden. Inhaltlich ist er jedoch das genaue Gegenteil von seinem Vorgänger, denn hier geht es darum, aus der realen Welt auszubrechen. Der Track ist insbesondere durch den stärkeren Keyboardanteil ein Stück lockerer und verspielter, trotz des Drucks der Drum-Bass-Fraktion. Auch hier fehlten zum Teil noch die Gitarren, doch die hat Henjo sicher auch schon im Kopf.
Der letzte Song des Albums mit dem voraussichtlichen Namen „Shine Forever“ geht von Beginn an voll auf die Zwölf und gibt mächtig Gas. Selbst im Refrain bleibt es ein Uptempotrack ohne Schnörkel und Firlefanz mit fast schon gegrowlten Vocals und einem Bass-Solo vor dem Gitarren-Solo. Die Vermutung liegt nahe, dass dieser Song die zweite Hymne des Albums nach „To The Metal“ wird.
Bis Mitte Dezember soll das Album fertig sein, ein schlankes Timing, welches sich die Herren auferlegt haben, doch Hamburger Nächte sind lang und so freuen wir uns auf das fertige Produkt im Januar.
(tennessee)
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