Konzertbericht

Backyard Babies, Tracy Gang Pussy - Hamburg, Markthalle, 14.02.2010

Paris definiert sich über den Chanson - obwohl der Welt berühmteste Jazzclubs hier stehen. Hamburg definiert sich über den Rock - nicht über den Metal trotz Helloween & Consorten, nicht über Trance, trotz des Tunnels. Und die fast ausverkaufte Markthalle ist ein Narrenkäfig des Sehens und gesehen werdens, die Lokalprominenz patscht sich auf die Schultern und das Alter ist - gemischt. Vorn stehen Fans kurz über 18, und hüpfen sich zu den Pariser Rockern TRACY GANG PUSSY warm, weiter hinten halten die Alten ein Schwätzchen, bestellen Getränke und verschränken die Arme vorm Wohlstandsbäuchlein. Denn was diese "Heartbroken Heartbreaker" (so der eingängigste Song) hier abliefern ist ambitioniert, aber so originell wie der dicke Kajal-Strich um die Augen. Auch die Stageaction des Schlagzeugers ist vor allem original geklaut und sieht jeden einzelnen Stockeinsatz aus wie bei Jussi 69 von The 69 Eyes. Die Präzision dieser Kopie ist auf jeden Fall beeindruckend und machten ihn zum herausragenden Musiker seiner Band.

Die BACKYARD BABIES lieben Hamburg - besonders wegen des ganz besonderen Stadtteils, auf dem die Stockholmer ihre Rock'n'Roll-Unschuld verloren haben. Aber das Konzert heute ist in der Markthalle, nicht auf dem Kiez. Liebt Hamburg heute auch die Babies? Denn besagte ältere Herrschaften im Publikum tauen doch nur langsam auf und bleiben in der besagten Pose der berüchtigten "Hamburger Musik-Mafia" stehen (ernster Blick, Arme vor dem Bauch verschränkt). Die BACKYARD BABIES ihrerseits starten mit "Backstabber", dem Song von einer 1997er 10" - und das wird eher zum aneinander Antasten als ein Kickstart. Die BACKYARD BABIES feiern mit Album und Tour ihr 20-jähriges Bestehen. 20 Jahre - Moment, andere Bands gehören nach dieser Zeitspanne in die Reha, in den Ruhestand oder ins Museum. Die BACKYARD BABIES drehen gerade erst noch einmal auf. Nach den eher zögerlichen Reaktionen auf die ersten Takte gibt besonders Dregen Gas für zwei und feuert die Halle an. Die BACKYARD BABIES sind dabei clever - Mitsing-Parts werden so verteilt, dass das Publikum siee kennen und mitsingen können MUSS, egal ob Vollblutfan auf 3 Promille (der schon in der Schlange unten an der Tür eine Schau für alle Umstehenden ablieferte) oder Teilzeit-Fan in Begleitung seiner auf Nicke schielenden Freundin. Spätestens ab "Dysfunctional Professional" verwandelt sich die Halle in einer fast tausendköpfige Party. Kommt schnell wieder, Hamburg kann feiern und will euch in dieser Form baldmöglichst wiedersehen!

Setlist BACKYARD BABIES
Backstabber
Made Me Madman
Devil-May-Care
Dysfunctional Professional
I Got Spades
Drool
Wireless Mind
Babylon (Faster Pussycat Cover)
Highlights
Brand New Hate
Too Tough To Make Some Friends
Abandon
Degenerated
Fill Up This Bad Machine
Ghetto You
Electric Suzy
Bombed
One Sound
Nomadic
...
Minus Celsius
Look At You
People Like People Like People Like Us
Robber Of Life

(laetti)

 
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