With Full Force 2010 - Sonntag, 04.07.2010 |
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Es wurde auch am letzten WFF-Tag nicht besser: Sonne, Sonne, Sonne. Harte Kerle, die am Bierstand nur Wasser kaufen, Kopfbedeckungen soweit das Auge reicht und viele krebsig rote Körper. Wer seit Donnerstag da war, kam so lange zum Ende seiner Kräfte. Aber ein letztes Mal noch motivieren und bei brütender Hitze zum Gelände…
MAMBO KURT MAMBO KURT hatte dieses Jahr zwei leicht bekleidete Assistentinnen mitgebracht, die ihm auf der Bühne das Tanzen abnahmen. Bei jedem Song ließ er über zwei Alternativen abstimmen - Ace of Base oder AC/DC hatten zum Beispiel jeweils verloren. Auch im inzwischen zehnten Jahr ist es immer noch unterhaltsam zu sehen, wie MAMBO KURT Klassiker von Metal bis Eurotrash durch die Heimorgel dreht. Zu SCOOTER (Döp-Döp-döp hatte im ersten Anlauf verloren und bekam eine zweite Chance) gab es dann die erste große Polonaise, und der Punk ging ab beim Deichkind-Cover "Remmidemmi". (laetti) CALLEJON CALLEJON mögen umstritten sein, die Hardbowl füllen sie beim WFF aber locker. Ganz Entertainer, hatte Sänger Basti keine Probleme, die Masse bei Laune zu halten. Seine Ansagen waren dabei erfrischend anders, mit „liebe Freunde“ sprechen Shouter ja selten ihr Publikum an, von Tompa Lindberg mal abgesehen. War seine Ansagenstimme noch eine Mischung aus verführerisch und Hörspielsprecher, gab es während der Songs natürlich die erwartet fiesen Töne zu hören. Seine Kollegen hielten sich während des Sets relativ im Hintergrund und konzentrierten sich auf eine fehlerfreie Leistung, so dass dem Herrn am Mikro das Spotlight gehörte. Das wusste er zu nutzen und die komplette Spielzeit die angeheizte Menge bei Laune zu halten. Sehr guter Auftakt für den Hardbowl-Sonntag und der Beweis, dass CALLEJON eine formidable Live-Band sein können. BURNING SKIES BURNING SKIES fanden etwas weniger Zuspruch, viele Anwesende schienen sich nur des Schattens wegen im Zelt aufzuhalten. Mit ihrem an diesen Tag gesichtslos klingenden Metalcore machten es sic BURNING SKIES aber nicht leicht, neue Fans zu finden. Wer sich bereits zu den zählte, war in den ersten Reihen zu finden und hatte seinen Spaß, dem Rest war dieser Set schlicht egal. EVERGREEN TERRACE Sie sind eine perfekt eingespielte Band, die Herren EVERGREEN TERRACE aus dem schönen Florida. Da sitzt jeder Move, synchron bewegt sich die Saitenabteilung, verpasst keinen Gesangseinsatz und hält das Energielevel hoch. Fronter Andrew, mittlerweile mit apartem Kurzhaarschnitt, hüpft derweil auf und vor der Bühne rum, bezieht das Publikum ein und holt ungeahnte Töne aus seinem schmächtigen Körper. Die Songs von „Almost Home“ passen sich nahtlos in die Setlist ein, auch wenn die „Wolfbiker“-Songs vom vollen Zelt einen Tick enthusiastischer gefeiert wurden. Aber irgendwie wirkt die ganze Show zu einstudiert und zu im negativen Sinne routiniert gespielt, EVERGREEN TERRACE geht die Ehrlichkeit etwas ab. Genau das, was als Fulltime-Band passieren kann. A.Y.S. Dreckig, roh, mit einem Augenzwinkern asig waren A.Y.S., die kurzfristig für SKARHEAD eingesprungen waren. Von Beginn gaben die Mönchengladbacher ordentlich Gas und feuerten kurze, punkige angehauchte Hardcore-Songs ins Zelt, das leider nur wenig gefüllt war, was im Laufe der Show nicht wirklich besser wurde. Schade für eine der wenigen ehrlichen Bands des Wochenendes, die nicht nur stumpf ihren Set spielten, sondern intelligente Ansagen hatten und viele Kids daran erinnerten, dass Hardcore mehr als nur Musik ist. DAATH DAATH appellieren unterschwellig an die Instinkte: Da ist diese Band, deren Mitglieder zu Gitarrensoli und Drumsolo ebenso in der Lage sind wie zu wirrer Raserei, und dazu schreit dieses Haarknäuel namens Sean Z, bei dem man sich nicht sicher sein kann, ob er der kleine Bruder von Rübezahl oder der große vom Rumpelstilzchen ist... Nein, aber im Ernst: DAATH können mit anspruchsvoller Aggressionsmusik die Lücke füllen, die durch das nicht-mehr-Existieren der späten PANTERA entstanden ist. Leider sind sie in Deutschland noch eine kleine Nummer, aber das wird nicht so bleiben! (laetti) MUSTASCH "Prost ihr Säcke" - "Prost du Sack". Willkommen bei der Deutschstunde mit MUSTASCH. Die vier Schweden wissen, wie sie ihre deutschen Fans glänzend unterhalten, nämlich mit Vollgasrock und lustigen Sprüchen. Auf deutsch, wie gesagt. Sänger Rolf Gyllenhammer hat immer da genau hingehört, wo es wehtut. Schlagzeuger Danne McKenzie hat sein eigenes Portrait auf der Double Bass. Das ist mal ein Ego, das so lustig over the top ist, dass es wirklich von "Black City" bis "Double Nature" glänzend unterhält, jeden kleinen Rocker und jede große Rockerin. (laetti) SODOM SODOM sind so Old School wie sonst keine andere Band des Wochenendes. Tom Angelripper macht immer noch einen auf Möchtegern-Lemmy und glänzt mit stumpf-peinlichen Ansagen direkt aus den 80ern, während sein Kompagnon Bernemann an der Gitarre optisch an TORFROCK erinnerte und nicht minder peinlich war. Immerhin hatte der Mann gute Laune und poste ordentlich. Die Setlist enthielt natürlich jeden Klassiker, der jemals aus dem Pott kam, was auf eine merkwürdige Art Spaß machte, aber auch verdeutliche, wie stumpf die Anfangstage des Metals gewesen sein können. Vor der Bühne war relativ wenig los, was wir mal auf die ungünstig stehende Sonne und die Mörderhitze schieben… DARK TRANQUILLITY DARK TRANQUILLITY, diese Mitbegründer des "Gothenburg Sound" oder "Göteborg Death Metal", haben eine neue Platte draußen und haben dementsprechend einige neue Songs in ihren Set integriert. Der Fokus dieser Show lag also auf den letzten paar Alben, ältester Song im Set war "The Wonders At Your Feet". An die neuen Songs der sechs Schweden muss ich mich erst noch gewöhnen und hineinhören, sie fügten sich aber nahtlos in die Setlist hinein. Mal sehen, wie sehr man sich bis zur Herbst-Tour an "We Are The Void" gewöhnt haben wird! Ich hab mir die Göteborger mit einem sehr alten Freund zusammen angeguckt, und so wird man endlich mal wieder auf Besonderheiten gestoßen - zum Beispiel darauf, dass Frontmann Mikael Stanne einer dieser Menschen ist, die einfach nur von einer Bühne herunter grinsen müssen, um ihr Publikum positiv aufzuladen und zu unterhalten. Dass er heute stimmlich in Topform war, war natürlich ein weiterer Pluspunkt... (laetti) Setlist DARK TRANQUILLITY At The Point Of Ignition The Fatalist Focus Shift The Wonders At Your Feet Final Resistance Misery's Crown Iridium The Lesser Faith Dream Oblivion Lost To Apathy The Grandest Accusation Terminus (Where Death Is Most Alive) AS I LAY DYING Nur eine Stunde später im Tagesverlauf, und schon ist es proppevoll vor der Hauptbühne. AS I LAY DYING sind ohne Frage der heimliche Headliner des heutigen Tages, die Band mit dem größten Publikums-Zuspruch. Klar, das With Full Force ist schließlich DAS entscheidende Festival für und über Metalcore. Die Amerikaner waren die Macht! Ausgerechnet nach AILD sprach uns ein Besucher an, das sei doch "Frauen-Metal". Ach ja? Und was hat der junge Mann heute bei MUSTACH und DARK TRANQUILLITY gemacht? Leute gibts... (laetti) SLAYER Mit "Släiiijöööör" kam dann endlich die Band, auf die der Mann von vorhin seit AS I LAY DYING gewartet hatte. SLAYER haben die legendären Songs des Thrash im Köfferchen, da brauchen sie keine fette Produktion. Kerry King, Jeff Hannemann und Dave Lombardo verlassen sich aufs Licht, eine unschlagbare Setlist und Tom Arayas Stimmbänder. Leider sind diese ziemlich angegriffen, halten aber zunächst. Bis zur Ansage nach dem ersten Drittel des Sets, bei der Tom Araya die Stimme mitten im Satz ganz wegbleibt. Eine Schrecksekunde vergeht Aber der echte SLAYER-Fan kann schließlich selbst singen und trifft sogar den Einsatz zu "God Hates Us All" in "Disciple". Die Setlist ist so ziemlich die gleiche wie vor zwei Jahren, aber herrje - sie spielen! Solo Hannemann, Solo King, Schlagzeug Lombardo. Das Leben kann so einfach sein, denn die vier alten Säcke da oben haben wirklich Spielfreude. Und Tom Arayas angeknackste Stimmbänder, die zwar nicht so doll sind, aber irgendwie halten. Egal, werden halt die Ansagen weiter reduziert. Ein paar ganz besondere Special Effects sorgen außerdem dafür, dass keiner diesen Abend vergisst, denn zu "South Of Heaven" zieht ein Gewittersturm auf und erhellt die Szenerie mit Blitzen. Aber, oh Wunder! Das Gewitter dreht ab, es regnet kein Blut und der Abend kann im Zelt weitergehen! (laetti) Setlist SLAYER World Painted Blood Jihad War Ensemble Hate Worldwide Seasons In The Abyss Angel Of Death Beauty Through Order Disciple Mandatory Suicide Chemical Warfare South Of Heaven Raining Blood AMORPHIS AMORPHIS haben mich dann noch mal voll in ihren Bann gezogen. Seit fünf Jahren ist Tomi Joutsen jetzt bei den Finnen am Mikrofon, und es ist immer wieder eine Freude, ihn zu den alten Songs growlen zu hören. Und genauso eine Freude ist das komplette Gegenprogramm, wenn er auf Songs wie "House Of Sleep" ganz fein und klar singt. Die Band aus Helsinki kam zwar völlig übermüdet von einem Festival in Istanbul nach Roitzschjora, aber sie schien richtig in den technischen Möglichkeiten aufzugehen. Der Istanbul-Gig soll wohl ein richtiger Albtraum gewesen sein, mit technischen Schwierigkeiten und schlechtem Sound. Dagegen hatten AMORPHIS auf dem With Full Force den besten Sound aller Zeltbands und das beflügelte die Performance zusätzlich. Sollten AMORPHIS tatsächlich auf der Tour im Herbst ein letztes Mal eine Setlist aus allen Schaffensperioden aufstellen wollen - unbedingt hingehen! (laetti) PARADISE LOST Oh diese Engländer! Die ewigen Zyniker von PARADISE LOST kommen mit dem Gute-Laune-Schlagzeuger Adrian Erlandsson noch mal richtig auf Touren. Allerdings mussten die fünf der späten Uhrzeit und drei Tagen sengender Sonne Tribut zollen - das Zelt wurde leerer, und auch ich bin vor der Zeit gegangen, denn ich habe PARADISE LOST erst kürzlich mit ähnlicher Setlist und besserem Sound gesehen. Sorry! (laetti) (lh) Weitere Berichte zu diesem Thema: |
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