Konzertbericht

The Gaethring, Pale Forest - Nürnberg, Hirsch, 13.04.2003

Neinneinnein, lieber Memme, ganz so kann ich das nicht stehen lassen, was du über The Gathering vom Leder ziehst. Wir sind uns sicherlich einig über Pale Forest, wobei ich die Norweger bislang noch gar nicht kannte, wie ich zu meiner Schande (und meinem Leidwesen) gestehen muss. Wirkte Sängerin Kristin anfangs eher so, als müsse sie den ganzen Abend mit einem reservierten Publikum (und einem stets verrutschenden BH-Träger) kämpfen, so wurde der Applaus von Stück zu Stück lauter und mit ihren schweren, tiefen (und dennoch immer irgendwie lockeren) Riffs haben sich Pale Forest sicherlich den einen oder anderen neuen Fan erspielt. Zum einen, weil sie zu The Gathering wunderbar passen, vor allem zu den Sachen aus der "Mandylion"-Ära, zum anderen, weil Sängerin Kristin eine wirklich umwerfende Stimme hat - so gesehen ist es schon fast eine Frechheit, was man sich im Fernsehen als angehenden "Superstar" anbieten lassen muss, denn Flachzangen wie Vanessa würden ihre Seele verkaufen, könnten sie dafür je einmal so gut singen. Am Ende ihrer Dreiviertelstunde fraß das Publikum der fröhlich trällernden Sängerin derart aus der Hand, dass sie willig Rhythmen mitklatschten und sich so mancher über eine Zugabe gefreut hätte. Und ja, der singende Basser war noch das Tüpfelchen auf dem i.

Nun aber zu The Gathering: Gut, sehen sie halt jetzt aus wie eine Studentenband, dürfen sie auch, sie machen inzwischen ja auch wirklich intelligente Musik. Aggression ist unzweifelhaft eine der Triebfedern des Metal, aber The Gathering sind weit weg vom Metal und entsprechend herrschen auch andere Emotionen vor. Dabei taucht die Band in jedem Stück komplett in einen gemeinsamen Trip ein, auf den die Zuschauer gerne mit eingeladen sind. Stellenweise haben alle Bandmitglieder die Augen geschlossen, Melodien und Läufe werden oft minutenlang hypnotisch wiederholt - und ich kann mir gut vorstellen, dass einem dabei vielleicht langweilig wird, wenn man sich nicht gehen lässt, mitschwingt oder gar tanzt, sondern halt headbangen möchte. Ähnlich dem Werbespruch fürs Lottospielen gilt auch hier, nur wer mitgeht, kann gewinnen. Und zu gewinnen gab es einiges, nämlich Harmonie, Spannung und Entspannung, und die Erkenntnis, dass Musik nicht schnell und hart sein muss, um gut zu sein, sondern dass The Gathering einfach etwas ganz Besonderes sind und es einigen Mut braucht, sich ihnen hinzugeben und den Weg mit ihnen zu gehen. Schade, dass sie dich nicht mehr ansprechen, Memme, ich persönlich fand sie beeindruckend zu jeder Sekunde, ganz egal ob der Song nun "Nighttime Birds", "Eleanor" oder eben "Golden Grounds" hieß. Aber ich gestehe jedem zu, sie nicht mehr zu mögen, weil er nun einmal auf Metal steht und The Gathering dieses Genre nur noch bedingt streifen.

(mono)

 
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