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Die Voraussetzungen für einen schönen Konzertabend waren denkbar ungünstig. Erst mal haben wir uns natürlich (wieder) verfahren. Dann hatte ich AUA am Fuß und konnte kaum stehen und dann schnappt uns doch glatt jemand die letzten zwei gemütlichen Sessel weg. Aber was solls, wir steckten das weg wie Männer :-) Nun zu dem Thema des Abends...
DIE HAPPY haben gerufen und...viele kamen. Allerdings hätten ein paar mehr auch noch Platz gefunden. Egal, bis zur Hälfte standen die Zuschauer dicht gedrängt, danach wollte das erstaunlich reife Publikum wohl etwas mehr Beinfreiheit haben. Angenehm überrascht war ich von der Alten Feuerwache, die etwas an das LKA in Stuttgart erinnert und ideal für Konzerte zu sein scheint. Etwas störend wirken die fetten Pfosten in der linken Hälfte der Halle die so manchem die Sicht versperrt haben dürften. Wenn man bedenkt, dass DIE HAPPY nicht nur gute Musik machen, sondern auch eine äußerst attraktive Frontfrau haben, dürfte das so manchem Mann die Tränen in die Augenwinkel getrieben haben (Anm.d.Verf.: Wir standen rechts *g*).
Doch los gings erst mal mit alten Bekannten. So hatte ich schon mal das Vergnügen mit meiner Band ein Konzert zusammen mit SUIT YOURSELF, dem Support DIE HAPPYs, zu bestreiten. Dieses Konzert ist in die Geschichtsbücher eingegangen (oder soll ich lieber Gästebücher sagen) und einige werden es wohl nicht mehr vergessen. Aber das gehört eigentlich nicht hier her (dennoch konnte ich es mir nicht verkneifen *g*) Schon aus diesem Grund war ich sehr gespannt, wie sich SUIT YOURSELF nach Plattendeal, erster CD und Tour entwickelt haben.
Mit einem obligatorischen Intro welches "tiefe Bässe mit blauem Licht" verband (gell, Torben) betraten die 4 Jungs aus Reutlingen die Bühne. Anfangs noch etwas zurückhaltend aber mit erstaunlich gutem Sound versuchten Sie sich als Anheizer des Publikums. Dieses wiederum stand erstmal abwartend herum und lauschte. Allmählich fingen die ersten Köpfe zu nicken an und dank des sehr guten Gitarristen und seiner groovig-funkigen Riffs kam langsam Bewegung in die Masse. Die Musik klingt stellenweise sehr nach den Chili Peppers aber so schön-poppige Songs wie "It´s A Shame" oder "Summer Sun" bringen selbst die sonnenverwöhnten Kalifornier nicht unbedingt hin. Gegen Mitte des 45-Minuten-Sets ließen die Songs dann zunehmend die Abwechslung vermissen und die Blicke zur Uhr wurden zahlreicher. Gänzlich gefehlt hat der Kontakt der Band zum Publikum, was wohl auf die Unerfahrenheit oder Nervosität der Band zurück zu führen war. In diesem Punkt können Sie noch viel von DIE HAPPY lernen, denn ein "wenn ihr die CD haben wollt, könnt ihr nach dem Gig den Merch checken" hört sich schon verdammt Scheisse an. Obendrein war an besagtem Merch nicht mal jemand der uns die CD hätte verkaufen können.
Macht also auf der Haben-Seite: geiler Sound und teilweise richtig gute Songs (wie z.B. "Dear Morning"). Auf der Soll-Seite: etwas mehr Abwechslung in die Songs bringen und gar nicht erst ein "Wir-da-oben-ihr-da-unten"-Gefühl aufkommen lassen, sondern auch mal mit dem Publikum reden (s. Marta). Kleine Anekdote am Rande: Richtig lustig fand ich die Idee die Frisuren der Bandmitglieder an der Aufstellung auf der Bühne auszurichten. Der Gitarrist auf der linken Seite (von der Bühne aus gesehen) hatte den Scheitel rechts mit Haarschwung nach links. Der Bassist auf der rechten Seite das Gleiche in die andere Richtung und der Sänger in der Mitte hatte auch seinen Scheitel dort :-) Nach der obligatorischen Umbaupause (SY bauen ihr Equipment noch selbst ab), die mit 30min doch etwas lang ausgefallen ist, gingen zum zweiten Mal an diesem Abend die Lichter aus.
Warum heutzutage ein Konzert immer mit einem (Standard-)Intro (s.oben) beginnen muss, wissen vermutlich auch DIE HAPPY nicht so genau und so rannten sie, heiß aufs spielen und (wahrscheinlich) genervt vom Intro, fast auf die Bühne. Los ging es dann mit dem ersten Song der neuen Platte "Paralyzed". Im Nachhinein aber hätte der erste Song nicht schlechter gewählt werden können. Für mich auch der schlechteste Song auf der Platte ist er für einen Opener doch viel zu träge, zumal DIE HAPPY am Anfang auch noch mit Sound- bzw. Lautstärkeproblemen zu kämpfen hatten. Da das mittlerweile mein drittes DIE HAPPY-Konzert war, machte mir der "zögerliche" Anfang aber kein Kummer, haben sie es doch bisher immer geschafft das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Und so war es auch. Mit jedem weiteren Stück wurde die Stimmung besser und Marta fing an sich mit dem Publikum zu beschäftigen. Da wurden Negativ-Laolás versucht, Laolás von rechts vorne nach hinten und auf der anderen Seite wieder zurück, die Stimmgewalt der beiden Geschlechter getestet und so weiter und so fort. Marta hatte IHR Publikum fest im Griff und sie verstand es nicht nur die Menge anzuheizen, sondern sie auch mal zu bitten die Klappe zu halten wenn es dem Song bzw. dem Text dienlich war.
Gespielt wurden so ziemlich alle Songs der neuen Platte, die wie ich feststellen musste, nicht alle so gut in ein Konzert passen wie die alten Songs. So gab es doch immer mal wieder ruhige Phasen, die das Publikum nervös auf der Stelle stehen ließen. Die größte Bewegung ging durch die Massen, als alte Songs wie z.B. "Supersonic Speed" oder "Fortune" angespielt wurden. Auch meine ich beim Übergang von einem Song zum nächsten ein "Rage Against The Machine"-Riff gehört zu haben, ich kann mich aber auch täuschen.
Etwas überracht war ich, als "Goodbye" schon recht früh im Set gespielt wurde, da ich meinen Arsch verwettet hätte, dass das der Rausschmeißer des Abends wird. Nach 3 Zugabensets wurde ich aber eines besseren belehrt und ich weiß jetzt, das "It´s All Over" ein noch viel besserer Rausschmeißer ist.
Alles in allem war es ein sehr routiniert gespielter Gig, bei dem DIE HAPPY nichts anbrenner lassen und wohl erstmal Erfahrung mit den neuen Songs sammeln wollten.
Das war wahrscheinlich auch der Grund warum ich nach dem Konzert erstmal etwas enttäuscht war. Mir fehlte einfach die Power der letzten Konzerte. Trotzdem bin ich sicher, dass sie die im Laufe der Tour wiederfinden werden.
Und eigentlich war es doch ein schönes Konzert an das mich meine pfeifenden Ohren den Rest der Woche erinnert haben.
(ldb)
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