Konzertbericht

Thumb, Thorn.Eleven, Bazzooka in Köln - Live Music Hall, 05.11.2001

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich nicht nur von den beiden Vorbands, sondern auch von dem Headliner THUMB bisher recht wenig gehört hatte. Der Name der Band war mir geläufig und die Stilrichtung im Ohr. Nun gut, man kann sich ja auch überraschen lassen und so besuchte ich dieses Konzert völlig unvoreingenommen. Es war halb acht und ich furchtbar stolz auf mich. Ich meine, halb acht! Das Konzert sollte um acht Uhr beginnen und ich war doch tatsächlich ganz gegen meine Natur pünktlich. Und womit wurde ich belohnt? Höchstens 30 Menschen hatten sich eingefunden und standen mehr oder weniger dumm in der leeren Halle. Selbst die Bedienungen an der Theke waren etwas verstört, zumal kursierte, daß etwa 500 Karten verkauft worden waren.

Kurz nach acht erschienen gut gelaunt BAZZOOKA auf der Bühne und mussten vor ca. 50 bis 100 Leuten spielen. Die gute Laune schwappte allerdings auch sofort über, die zwei "Sänger", soweit man bei HipHop von Gesang sprechen kann, hatten das kleine Publikum gut im Griff - was sicher nicht zuletzt an der Berliner Schnauze der Jungs lag. Diese Band kann ich jedem ans Herz legen, der auch nur ein wenig für Musik offen ist und mal über den Tellerrand des Metal hinausschaut. Diese Berliner Band macht guten, harten HipHop, sowohl mit einem klassischen Scratcher, als auch mit fettem Gitarrensound. Die Texte sind gesellschaftskritisch, ohne aber kitschig zu werden; da stehen keine kleinen Jungs auf der Bühne, die die Welt ganz groß und böse finden, sondern Leute, die sich Gedanken machen und diese lautstark äußern. Und Spass dabei haben.

Nach und nach trudelte dann doch noch ein wenig mehr Publikum ein und THORN.ELEVEN spielten nach kurzer Umbaupause vor einem immerhin halbgefüllten Saal. Die Musik der Vier hat mich ehrlichgestanden sehr mitgerissen und umgehauen. Ich hatte zwar den ein oder anderen Song bereits über die Homepage von THORN.ELEVEN gehört (die ich übrigens sehr empfehlen kann, www.thorn-eleven.com) und wusste, daß mit die Art Musik auf jeden Fall gefällt. Aber seit diesem Auftritt bin ich wirklich begeistert, die Band hat einen Fan dazu gewonnen. Man ist häufig an Tool erinnert, jedoch habe ich nie den Eindruck gehabt, einer Kopie zuzuhören. Der Sänger hat eine fantastische Stimme, kann nicht nur wunderbar melodisch singen, sondern auch mal ordentlich ins Mirko kreischen. Sicherlich ist die Musik hauptsächlich im Mid-Tempo-Bereich angesiedelt und häufig eher etwas für die langen Winterabende und für Freunde des Prog. Aber all denen, die mit dieser Stilrichtung etwas anfangen können, kann ich diese Band wärmstens ans Herz legen. Ich wünsche den Jungs noch dornigen Erfolg!

Und dann hatte irgendwo eine Bombe eingeschlagen. Zumindest war das mein erster Gedanke, als THUMB endlich die Bühne betraten. Irgendwoher mussten schließlich all diese HipHopper im Alter zwischen 13 und 20 Jahren kommen, denen die Hosen bis zu den Knien hingen und Shirts anhatten, die ich zuletzt als Unterwäsche meines Opas wahrgenommen hatte. Die Live-Misic-Hall war voll. So gut ich THUMB und ihre Musik auch fand, wenn ich mir das Publikum so betrachtete, fühlte ich mich im falschen Film. Eine tosende, hüpfende Menge, in der sich einer cooler als der andere vorkam. Aus diesem Grunde konzentrierte ich mich umso mehr auf das, was ganz vorn und drei Meter höher passierte. Die Jungs hatten riesigen Spass, die Menge noch viel größeren, der Sound war super und alles in allem war dies ein sehr gelungener Abend, der mir persönlich einige Musikhorizonte etwas weiter geöffnet hat.

(cora)

 
Dieser Bericht wurde bisher 830 mal gelesen.

  • Bericht bei Facebook posten!
  • Review bei MySpace posten!
  • Bericht bei Twitter posten!
  • Bericht bei StudiVZ posten!

© 1999-2011   www.METAL-INSIDE.de