Konzertbericht

Entombed, Cathredal, 2 Ton Predator in Nürnberg - Hirsch, 17.09.2001

Lasst mich gleich mal von vorneherein klarstellen, dass ich völlig subjektiv bin, was diese Konzertkritik angeht, denn Entombed sind für mich eine der mitreissendsten Livebands des Planeten wohingegen mir schon immer meilenweit am Allerwertesten vorbeigingen und ich tausend mal lieber die eigentlich angekündigten Crowbar gesehen hätte (wobei das viele im Publikum genau andersrum sehen, den New-Orleans-Schwergewichten keine Träne nachweinen und Lee Dorians Mannen geradezu anbeten).

Aber zunächst gilt es, die schwedischen Neothrasher von 2 TON PREDATOR abzuwarten, die auf Platte ja immer dieses unüberhörbaren Pantera-Epigonentum betreiben. Live kommen sie dann noch ein bissi thrashiger rüber als die großen Vorbilder, vor allem was Sound und Songs so angeht, da ging so einiges, fein fein. Dummerweise sind die vier Schweden noch ein wenig schüchtern, trotz des wohlwollenden Applauses, den sie berechtigterweise ernten, und so klingt es zwar nach den wuchtigen zwei Tonnen, doch der Namenspatenschaft des reissenden Raubtiers werden sie zu keiner Sekunde gerecht. Sänger Mogge schaut gerne mal böse ins Publikum aber nur um kurz darauf lieber die Bodenbretter zu fixieren und sich hinter dem Mikroständer zu verstecken, an dem man sich ja so schön festhalten kann. Auch Basser Tobbe stellt eine ähnliche tragikomische Figur dar, als er im Überschwang die Hand zum Teufelsgruß nach oben reisst und dabei ins Publikum blickt und aufgrund mangelnder Reaktion ganz schnell verschämt wieder seine Finger an den Basshals legt und ihnen beim Spielen zuguckt... Mensch Jungs, ihr habt doch geile Songs und kommt für eine relativ unbekannte Band doch klasse an, traut euch mal was, lasst mal die Sau raus, dann klappts auch mit den Nachbarn am Bühnenrand!

Zu den Doom-Retro-Space-Kiff-Hippie-Königen von CATHEDRAL kann ich wie gesagt kaum was sagen, man mag sie oder eben nicht. Für die einen ist Lee Dorian und seine Truppe Kult hoch drei, für mich ist er einer der uncoolsten Frontmänner überhaupt, das alberne Getänzel, der hochgestreckte Zeigefinger, die Seniorengymnastikbewegungen - irgendwie ist das alles wie Black Sabbath und Ozzy zu sehen, auch musikalisch ist da ja nicht viel um, nur dass Osbourne völlig jenseits von Gut und Böse ist, während eben Dorian völlig zwischen Kult und Peinlichkeit steht. Seis drum, der Sound ist in Ordnung, die Fans verehren Cathedral und nach dem obligatorischen Abschlusssong "Hopkins (Wytchfinder)" ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Ich war ein wenig skeptisch, wie ENTOMBED auf der Bühne sein würden, wenn die halbe Band, inklusive Sänger L. G. Petrov, Grippe hat und befürchtete schon, sie zum ersten mal nur mittelmäßig zu erleben, trotz des mächtigen neuen Albums "Morning Star" in der Hinterhand. Pustekuchen! Wär ja auch noch schöner, denn der Typ neben mir wirft nur einen Blick auf die Setlist und imitiert freudig grinsend Onanierbewegungen, und in der Tat ist der Abend noch gespickt mit Höhepunkten. Mit "Chief Rebel Angel" und "I For An Eye", den ersten beiden Nummern der neuen Scheiblette, und einem Mördersound kommen die Schweden auf die Bühne und machen ganz klar, dass sie erstens die Chefs sind, was live Spielen angeht, und zweitens dass Rock´n Roll und Death Metal im Grunde eh dasselbe ist, wenn man es mit derselben frechen Energie runterrotzt. Danach gleich "Out Of Hand" und das Publikum frisst ihnen völlig aus der Hand, es wird gepogt, gebangt, gejohlt und gejubelt. L.G. grölt einzigartig wie immer (und das kann er wie kein zweiter, wieso sonst sollte ein Sänger in einer nicht gerade stabil besetzten Band bleiben, der noch nie auch nur einen Text, geschweige denn Song geschrieben hat?), zieht fiese Grimassen, spielt mit dem Publikum und ist halt einfach L.G. Von heftigem Old-School-Gekloppe ("Drowned" vom Debut oder das neue "Ensemble Of The Restless") bis hin zum clever aufgeteilten dreistimmigen Gesang im neuen "Bringer Of Light" gibt es die ganze Palette an dem, was Entombed zu bieten haben und weil es Band und Publikum gar so gut gefällt, schieben die Schweden im Zugabenblock sogar noch fix das schaurig-schöne "Night Of The Vampire" ein, das gar nicht eingeplant war. Was auch immer für den einen oder anderen geilen Moment sorgt, ist die Tatsache, dass Entombed es beherrschen, in ihre Songs des öfteren ein paar Zeilen einzubauen, die man auf Platte sofort raushört und sich merkt und die auf den Gigs jeder mitgrölen kann, auch wenn er noch nie ein Textblatt durchgelesen hat. Der Chorus von "Out Of Hand" z.B., oder das im selben Song zu findende "Jesus, Satan, Hitler bought my soul", oder das hymnische "I, I wanna ride, gun in my hand, girl on my side" aus "To Ride..." - einfach, prägnant und schlichtweg geil, wenn sowas dann gespielt wird und es jeder irgendwie mitschmettert. Ein zünftiger Abend, an dem Entombed vielleicht nicht in Höchstform waren, aber wie selbstverständlich stecken die sogar an schlechten Tagen das Gros der Konkurenz locker in die Tasche. Vielleicht bin ich da auch nur zu sehr Fan, mag sein, aber der Arschtrittfaktor einer Entombed-Show ist einfach oberste Spitzenklasse, Punkt, Aus, Basta! Und den Schluss von "Left Hand Path" möchte ich bitte jeden Tag als Gutenachtlied haben...

(mono)

 
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