Konzertbericht

Billy Idol - Bonner Museumsplatz, 23.07.2006

BILLY IDOL gehört zu der Sorte Reliket aus meiner Kindheit, bei denen ich keinerlei Erwartung mehr daran hatte, sie jemals noch live erleben zu können. Umso erfreulicher, dass sich der ´Alte Sack´ an einem Hochsommerabend auf dem Bonner Museumsplatz die "Open Air-e" gibt....

Der weit zurück liegenden Hochphase des Blondschopfs entsprechend zählt das Durchschnittsalter der gut 2.000 Anwesenden ca. 40 Lenze - was der von Beginn an prächtigen Stimmung allerdings keinen Abbruch tut. Natürlich knallt Mr. IDOL sämtliche allseits bekannten Hits seiner beeindruckenden Laufbahn raus (mit Ausnahme von "Cradle Of Love"), und auch Nummern des starken aktuellen Longplayers finden ihren Weg in das angenehm umfangreiche Programm. Bemerkenswert ist dabei u.a., dass Billyboy keineswegs ein ´Alter Sack´ ist - der Mann besticht durch beeindruckende körperliche Fitness (Männer halten immer dann reihenweise ihre Frauen fest, wenn das blonde Stachelschwein genüsslich seine Mini-Strips zelebriert) und geistige Präsenz: Ich habe selten einen sympathischeren Star vergleichbaren Kalibers erlebt (der z.B. während der Songs Autogramme gibt), Hut Ab.

Mit ebenfalls sichtlicher Spielfreude - wenn auch konstant viel zu leiser Gitarre - sorgen Songwriter/Sechssaiter Steve Stevens und seine Sidekicks während des gesamten Gigs für ein solide rockendes Fundament. Nur ab und zu wird ein Gang raus genommen, wenn ruhigere Nummern wie "Sweet Sixteen" oder "To Be A Lover" in akustisch neuem Gewand erfrischen. Immer wieder schön, wenn Bands die Eier haben, sich live von den engen Studiovorgaben zu trennen.

Da passt es gut ins Bild, dass sich die Combo den Luxus gönnt, während des Sets trotz der Dichte eigenkomponierter Evergreens geschlagene vier Coverversionen unter´s Zeltdach zu jubeln: Neben dem coolen Doors-Cover "L.A. Woman", das natürlich zwischenzeitlich in "Bonn Woman" umgewandelt wird, macht das mega-entspannte "In The Summertime" dabei inhaltlich noch zusätzlichen Sinn. Im Nachhinein weiß ich aber nicht mehr, ob mir die Kinnlade dann bei der Billy Idol-Version von Van Halen´s "Jump"(!) oder AC/DC´s "Thunderstruck"(!) weiter runter fällt. Schweinegeile Aktion, zumal während der letzten Tracks der Schlagzeuger vom Roadie abgelöst wird, sich eine Klampfe umschnallt, noch ein fettes Solo hinlegt, ex Dream Theater- Tastengott Derek Sherenian am Keyboard rumposet wie eh und je, die Jungs allesamt einen mords Spaß an den Backen haben und ausnahmslos jeder der Idol-Jünger nach zweieinviertel Stunden großen Kinos zufrieden grinsend den Heimweg antritt.

Ein rundum gelungenes Konzert mit wenig Brimborium, dafür um so motivierter und lockerer aufspielenden Akteuren - wäre diese Konstellation doch nur häufiger der Fall. Klasse!

(heavy)

 
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