Konzertbericht

Close-Up Båten - Freitag, Turku-Stockholm, 16.02.2007

Smörgåsbord heißt das leckere Frühstücksbüffet mit mindestens vier verschiedenen Sorten Fisch für etwa 15 EUR pro Person, das die äußerst flexiblen finnischen Teller-Taxis heute bis ultimo verlängern. Überhaupt ist der Service auf dem Schiff trotz des allgemeinen Ausnahmezustandes unaufdringlich, nett und effektiv. Alle paar Stunden werden die Gänge von Bierdosen und den Resten von Kissen-Schlachten (und was man nicht alles sonst noch von einer Kabine zur anderen werfen kann) gesäubert. Außer den betrunkenen Metalheads und der Crew sind noch einige Fernfahrer an Bord, die man kurz vor den Häfen aufs Autodeck huschen sieht -- es gibt zumindest einen Anschein von Normalität im sonst so absoluten Chaos.

NECROPHOBIC müssen gefühlt noch vor dem Frühstück auf die Bühne -- eine Klage, die man von vielen Seiten hört. Ob sie allerdings gestern abend nach HARDCORE SUPERSTAR mehr Zuschauer gehabt hätten als um 12 Uhr mittags, mag bezweifelt werden. Tobias Sidegard und Co. haben zwei Arten von Songs: Schon comic-haft böse Songs mit Metzel- und antichristlichen Texten wie "The Slaughter Of Baby Jesus", bei denen die Provokation auf einem Gebäude-hohen Plakat im Vordergrund steht; brilliante Death-Metal-Gassenhauer mit so unglaublich präzisem Riffing wie "Blinded By Light..." und mit "The Third Of Arrivals" die Mischung aus beidem, ich sag nur "666 -- we vomit on the crucifix". NECROPHOBIC sind auch in der Heimat eine Mischung aus legendär und sträflichst unterschätzt. Egal, sie scheren sich nicht drum, spielen den tightesten Set der gesamten Bootsfahrt, haben gegen Ende genügend Leute aus ihren Kojen geholt und konzentrieren sich auf eher neuere Songs. Dafür fliegen alte Songs wie "Spawned by Evil", für das garantiert Originalsänger Anders Strohkirk (heute bei BLACKSHINE) auf die Bühne gekommen wäre, von der Setlist. Aber vielleicht wäre das auch zuviel der guten alten Zeiten geworden, denn am Bühnenrand stand ein alter Kumpel der Band, der in eben erwähnten alten Zeiten zum jeweils letzten Song immer seine vollgemachte Erwachsenen-Pampers auf die Bühne geschmissen hatte -- und davor wollten NECROPHOBIC dann sich und das Publikum doch bewahren.

Setlist NECROPHOBIC
The Slaughter Of Baby Jesus
Blinded By Light, Enlightened By Darkness
Into Armageddon
I Strike With Wrath
Mourningsoul
The Crossing
Shadowseeds
The Third Of Arrivals
Nailing The Holy One
The Nocturnal Silence

Peter Tägtgren hat ein Händchen für PAIN-Premieren auf Booten: Schon das allererste PAIN-Konzert fand vor acht Jahren auf einem Kahn vor Stockholm statt. Jetzt bekommt das neue Live-Line-Up die Feuertaufe auf dem Wasser. Weil es logistisch leichter ist, wollte er wieder ein schwedisches All-Star-Team, sagte Peter in einer Pressemitteilung. Nun stehen also zwei nicht mehr ganz so junge Männer an seiner Seite, und sind offensichtlich versierte Instrumentalisten und Stage-Poser. Trotzdem ist der eine oder andere Song noch nicht 100% auf den Punkt, aber das mag auch am gefühlten Restalkohol liegen. Schlagzeuger Davod Wallin ist im Line-Up geblieben und sorgt für das wichtigste, den Beat, denn in Schweden tanzen die Mädels zu PAIN und die Jungs strecken ihre Hand zum Hörnchen aus. Der neue Song "Zombie Slam" macht da keine Ausnahme, allerdings singt Peter dazu auffällig verändert mit einer sonoren Singstimme.

Setlist PAIN:
Greed
Same Old Song
End Of The Line
Nothing
It´s Only Them
Dancing With The Dead
Dark Fields Of Pain
Supersonic Bitch
Walking On Glass
Just Hate Me
Zombie Slam
On And On
Shut Your Mouth

Waren PAIN die arschtretende Tanzveranstaltung der Veranstaltung, sind DARK TRANQUILLITY ihr guter Geist: Überall laufen die sechs Göteborger schon seit gestern im Schiff herum, scherzen mit Fans und Freunden in Bar oder Restaurant, gucken die anderen Göteborger Bands und feuern sie an und sorgen all-überall für gute Laune und ein fettes Grinsen. Und das soll jetzt bei ihrem eigenen Auftritt noch breiter werden. DARK TRANQUILLITY begannen mit den Songs der letzten beiden Alben und spielten sich in einen Rausch: Bereits bei "Lost To Apathy" hatte Mikael Stanne jeden im unteren Bereich persönlich davon überzeugt, mitzusingen, bis "The Wonders At Your Feet" hatte er auch alle dort abgeklatscht. Die heftigeren Songs dazwischen wurden zum Headbangen genutzt und bis zum neuen "Focus Shift" hatten DARK TRANQUILLITY ihr Publikum in eine willenlose, verschwitzte Masse gespielt, die den neuen Song dankbar aufnahm. So erobert man die Welt mit dem Boot, liebe Wikinger!

Setlist DARK TRANQUILLITY:
The Treason Wall
Lost To Apathy
White Noise Black Silence
The Sun Fired Blanks
The New Build
The Wonders At Your Feet
Terminus
The Endless Feed
Focus Shift
Hedon
Damage Done
ThereIn
Monochromatic Stains
Punish My Heaven
My Negation
Final Resistance

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(laetti)

 
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