Annihilator, Nevermore, Rawhead Rexx, Soilwork in Nürnberg - Hirsch, 23.03.2001 |
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Von RAWHEAD REXX sehe ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, so gut wie nichts, sondern höre nur ein wenig von der Vorhalle aus. Denn was ich von denen bisher so kannte, hat mich alles andere als begeistert, entsprechend unterhalte ich mich lieber , was vielleicht besser ist, als ein ohnehin negativ parteiischer Bericht über die Livequalitäten der Band. SOILWORK bieten danach genau das, was sie ansagen: "Are you ready for some more Swedish Metal?" Also Elchmetall der leicht deathigen Sorte, In Flames und Dark Tranquility lassen grüßen, ebenso die rockigere Seite, die jene Bands seit einiger Zeit nach außen kehren. Nicht sonderlich neuartig also, aber auf jeden Fall kurzweilig und mit viel guter Laune gespielt wärmen sie das Publikum und die Nackenmuskeln der ersten Bangwilligen schon mal gut vor. Über eins müssen wir uns nun aber im Klaren sein: Ich werde mich nicht dazu hinreissen lassen, eine der beiden Headliner als "besser", "geiler" oder "genialer" hinzustellen, denn eigentlich sind die beiden Erstligisten des Metal eh nicht vergleichbar, weder untereinander und schon gar nicht mit irgendjemand sonst. NEVERMORE sind an diesem Abend mit Sicherheit die Band mit den enthusiastischeren Fans, eine ganze Menge Leute im Publikum sind hunderte von Kilometern gefahren, um sie und die Liveshow zu ihrem Ausnahmealbum "Dead Heart In A Dead World" zu sehen. Die Songauswahl deckt dann auch fast das gesamte Album ab, nur unterbrochen von einigen Liedern des Vorgängers, etwa der Titelsong "Dreaming Neon Black" oder "Beyond Within", sowie ein-zwei Ausflügen in die weitere Vergangenheit. Warrel Dane, ganz Zeremonienmeister, singt seine Songs zwar mit Hingabe, ergreifender Gestik und Mimik, aber leider auch mit einer durch langes Touren reichlich mitgenommenen Stimme, die er zwar belastet, so weit es eben geht, aber den einen oder anderen Part nur mit Schwierigkeiten oder gar nicht retten kann. Zum Glück hat er aber einen Chor aus hunderten von Kehlen vor sich, der ihn durch besonders heikle Passagen unterstützt, so gut es denn geht. "The Heart Collector" ist so ein Fall, in dem er das Publikum sogar bittet, den Chorus zu übernehmen, weil er selbst beim Singen sichtliche Schmerzen leidet. Wer jedoch glaubt, dass dieses Manko die Show der Seattler in Mitleidenschaft zieht, der irrt gewaltig: Die Band zockt derart präzise und gut gelaunt vom Leder, dass man nicht weiß, ob man Bangen oder gebannt zusehen soll, und die Stimmung im Volk wirklich grandios ist. Sogar das Personal, vom Barmann bis zum Sanitäter neben der Bühne, jeder sieht, hört und fühlt, dass dieser Band, diesen Songs oder zumindest diesem Auftritt etwas magisches innewohnt. Weniger Magie aber mehr Handwerk und noch mehr gute Laune gibt es dann bei ANNIHILATOR zu bestaunen. Wer je Bandkopf Jeff Waters mit seinen ulkigen Grimassen und seiner Hyperaktiventät während seines filigranen Hochgeschwindigkeitsriffings über die Bühne hat fegen sehen, der weiß eh, was ich meine. Bisweilen hat man fast den Eindruck, die fünf Mann dort oben haben nochmal doppelt so viel Spaß wie wir unten - und uns ist alles andere als langweilig! Sogar Joe Comeau, dr Neuzugang am Mikro, auf den alle gesapannt waren, wie er sich denn schlagen würde, kann gegen die Saitengreiferfront keinen Stich machen. Er singt brav und beherzt die Songs, aber ist fast schon der ruhende Pol inmitten der Agilität, die die Herren Bergquist, Davis und allerorten Waters so an den Tag legen. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf dem aktuellen Material, was in Ordnung ist, aber einen Standard wie "Fun Palace" habe ich schon vermisst. Denn am unwiderstehlichsten sind nach wie vor Klassiker wie "Crystal Ann/Alice In Hell", die im Blitzlichtgewitter mal wieder bei allen Anwesenden Maulsperre oder Genickzucken hervorrufen, ob des brillianten Gitarrenspiels und des scheinbar mühelosen Zusammenspiels trotz aller Vertracktheit. Im Endeffekt gibt es also für mich in der Frage, welche Band den nun besser war, Annihilator oder Nevermore nur einen wahren Gewinner - nämlich alle, die da waren und es miterlebt haben. Metal as Metal can! (mono) |
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