Der gleiche Buchstabe, ein Wort, die Titel eurer Platten sind immer sehr prägnant. Schon mal drauf geantwortet, wenn du danach gefragt worden bist?
Ja, das ist momentan eine sehr angesagte Frage, weil es langsam offensichtlich wird, dass dahinter ein kleines Konzept steckt, allerdings ohne spirituellen Hintergrund. Es ist ein roter faden, der sich durch unsere Veröffentlichungen zieht und ganz gut für die Atmosphäre und textlichen Inhalt der Platte steht (die Rede ist von "Incinerate" ? lk). Wir hatten auch bei dieser Platte auf unserer Website dazu aufgerufen, Vorschläge einzubringen, weil wir für neue Ideen immer offen sind. Da waren echt gut Vorschläge dabei, obwohl "Incinerate" nicht dabei gewesen ist, aber vielleicht machen wir ja noch ein paar Platten und die Vorschläge lassen sich nochmal verwenden.
Das wollen wir doch hoffen.
Man kann ja nie wissen, ich hätte eh nie gedacht, dass wir es mal auf sieben Alben bringen würden.
Wie ist denn dein Eindruck vom Album, jetzt mit ein bisschen Abstand, ihr habt sie ja noch im letzten Jahr aufgenommen?
So richtigen Abstand haben wir noch nicht gewinnen können, stecken mitten in der Promoarbeit und konnten noch keine Konzerte spielen. Dazu haben wir einen neuen Schlagzeuger eingearbeitet und ein kleines Video gedreht, da war also noch nicht viel Pause, um alles reflektieren zu können. Und durch die längere Aufnahme Zeit du durch die Entscheidung den Mix mit Andy Sneap zu machen, haben wir natürlich extrem oft die Möglichkeit gehabt, die Platte zu hören, so dass noch kein richtiger Abstand da ist.
Ich bin immer noch zufrieden mit dem Album, es klingt frisch und ist genau das, was wir machen wollten. Es sollte etwas sein, wo es von vorne bis hinten Vollgas gibt. Die Scheibe ist Kompakt und hat livetaugliche Songs. Wir haben auch ein wenig experimentiert, obwohl es natürlich immer noch Death/Thrash ist. Wir wollten irgendwie zurück zu "Impact", wo es einen Anfang und ein Ende gibt und zwischendurch wird dir der Kopf weggepustet.
Das Intro ist gleichzeitig das Outro.
Genau, so wollten wir das einbinden, dass es eben gemütlich losgeht und gemütlich zu Ende geht.
Trotz aller Brutalität, ist "Incinerate" variabler als alles, was ihr bisher gemacht habt. Habt ihr im Songwriting irgendetwas vorsätzlich geändert?
Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, wir haben sogar weniger über das Album geredet als vorher. Vielleicht haben die Songwriter eine andere Meinung dazu, aber ich hatte das Gefühl, dass wir einfach fokussierter gearbeitet haben. Wenn sein Song den richtigen Vibe hatte, haben wir nicht geguckt, wie lang der ist, oder die Riffs gezählt. Wir haben versucht, uns von Ideen zu trennen, die nicht songdienlich sind, also quasi haben wir das Material entschlackt, damit es halt direkter und eingängiger wird. Wenn es variabler ist, umso besser, das ist eine schöne Folgerung des Ganzen.
Das Album klingt besonders im Gitarrenbereich komplexer aber auch eingängiger. Früher hat man euch ja gerne das Slayer Schild umgehangen, wobei man die heute eigentlich gar nicht mehr so raus hört. Davon mal abgesehen, dass ihr um einiges härter seid.
Slayer sind einer unserer großen Einflüsse, wobei wir uns eigentlich schon seit Jahren mit einem neuen Album nur mit unseren Sachen messen. Ich sehe auch nicht viel Ähnlichkeiten mit Slayer, bis auf vielleicht die Grundstruktur eines harten Songs und natürlich den prägnanten Riffs. Aber so ist Thrash halt, es ist eine Rhythmus-orientierte Gitarrenmusik und wenn das Riff nicht gut ist, dann ist der ganze Song nicht gut, die Musik lebt hier nicht vom Gesang, sondern der Gesang funktioniert als Instrument zu dem Ganzen. Ich denke, dass wir unseren Weg einfach nur schneller und direkter gehen.
Langsamer kommt nicht in Frage, gelle?
Wir haben es mal probiert. Auf der letzten Platte hatten wir mit ?The Prison Of Reason? unseren ersten Midtempo-Song seit Jahren, aber das fühlt sich halt nicht so gut an. Wenn wir gezwungenermaßen einen langsamen Song schreiben müssten, würden wir einen Kompromiss eingehen und das ist nun mal nicht unsere Stärke. Zum Beispiel das Riff aus dem Intro, das war eigentlich Bestandteil eines Songs, hat aber nicht ganz reingepasst. Es hätte keinen Sinn gemacht, es irgendwo reinzuquetschen, nur um jemanden damit einen Gefallen zu tun. Wir hätten einen langsamen Song wohl eh nicht live gespielt, weil er nicht ins Set passen würde. Es fühlt sich bei uns eben besser an, wenn sie schnell und direkt ins Gesicht gehen. Wer weiß, vielleicht ist das ja unsere Stärke. Es macht also keinen Sinn, auf Teufel komm raus, etwas Langsameres zu machen, das würde, wie gesagt, live eh nicht passen.
Ihr kennt also keine Gnade mit eurem Drummer?!
Oder er nicht mit uns- wir hatten ja eh einen Schlagzeugerwechsel. Der Uwe, der noch "Incinerate" eingetrommelt hat, wollte sich verändern im privaten Bereich, ist umgezogen und hat halt einen guten Job, was ihn dann natürlich einschränkt. Er hat die Platte noch eingespielt und einen prima Job gemacht und danach haben wir angefangen, einen neuen Drummer zu suchen.
Den Produktionsbums habt ihr euch bei Andy Sneap abgeholt und wenn es um harte Sounds geht, kann dem ja eh keiner das Wasser reichen.
Ja, das sehe ich auch so. Wir waren eh immer große Fans von seinen Sachen. Es ist ja praktisch egal, was er anfasst, da kommt ja immer etwas geiles Bombastisches bei raus, sei es Arch Enemy, Kreator, Nevermore oder Killswitch. Der hat eben schon einen ziemlichen Trademarksound und Standard für modernen Metal, insofern war es mal eine gute Erfahrung zu sehen, was mit unserem Sound passiert, wenn jemand wie Andy Sneap das in die Hand nimmt. Er hatte Zeit und Lust und da wir eh etwas anderes nach drei Platten mit Andy Classen im Stage One Studio machen wollten, haben wir das eben so gemacht. Das war der einzige Grund für den Wechsel. Es ist insgesamt etwas dabei herausgekommen, was den Songs definitiv gut getan hat.
Du bist also auch der Meinung, dass die Produktion schon ein wichtiger Faktor für die Qualität eines Albums ist. Es gibt ja auch Leute, die sich nur auf die Songs fokussieren und über eine schlechte Produktion hinweg sehen. Analog dazu will ich aber auch bei einer DVD ein entsprechendes Bild haben und keins, was einem Zuhause aufgenommenem Tape gleichkommt.
Absolut, ich wüsste auch keinen Künstler, dem der Sound egal ist, auch wenn die Songs stimmen. Die Songs leiden unter einem schlechten Sound und heutzutage ist es mit moderner Technik wesentlich einfacher, einen vernünftigen, soliden Sound hinzubekommen, als es noch früher der Fall gewesen ist. Es gibt schon einen Unterschied zwischen gut und besser und ich denke, je besser eine Platte klingt, umso besser erscheinen auch die Songs in einem vernünftigen Licht. Wir haben 2007 und ich finde man muss aus einer Platte und einer Anlage soviel rausholen, wie es nur möglich ist. Das ist wie auf der Autobahn, wenn man mit Tempo 100 zufrieden ist, aber 250 fahren könnte und dann jemand versucht zu erzählen, dass Tempo 100 doch viel besser sei (solche Leute gehören eh eingesperrt!Tempo 100? bah...lk).
Wie gehst du eigentlich mit deinen Stimmbändern um? Hast du einen guten HNO?
Weiß ich gar nicht, also mache ich anscheinend irgendetwas richtig, einen HNO hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Das ist Gewöhnungssache, die Stimme gewöhnt sich halt daran, wie man sie benutzt und da ich sonst in meinem privaten Umfeld nie sonderlich laut werde, habe ich wohl etwas Energie angestaut, die für die Bühne reicht. Im Studio ist das etwas schwieriger, in einer netten Umgebung mit netten Leuten in ein Mikro zu brüllen und zu behaupten, die Welt sei scheiße, obwohl es einem doch ganz gut geht, ist nicht ganz so einfach.
Du bist in Berlin geboren, In Südamerika aufgewachsen, wohnst in Dortmund und der Band sagt man nach, sie komme aus Braunschweig, obwohl ihr überall in der Republik verteilt seid.
Das hast du gut zusammen gefasst. Die Roots der Band liegen in der Nähe von Walsrode. Durch Line Up Wechsel etc. hat sich das immer ein wenig verschoben. Da die beiden Gitarristen und Hauptsongwriter in Braunschweig wohnen, haben wir dort auch unseren Proberaum deswegen kommt die Band auch offiziell aus Braunschweig.
Was hörst du eigentlich momentan privat?
Im Black Metal Bereich gefällt mir die neue Watain richtig gut, ansonsten alles quer durch den Garten. Ich freue mich auf die neue Trouble Platte, ich stehe weiter hin auf Tori Amos, deren neue Platte im Mai kommt. Und was Metal angeht, da ist momentan eigentlich vieles gutes und abwechslungsreiches am Start, finde ich. Die neue Machine Head ist richtig gut, ich hatte die Band nach dem Debüt komplett aus den Augen verloren und erst wieder mit der letzten Platte wieder entdeckt. Gefällt mir wirklich sehr gut.
(lk)
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