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04.09.2007 Apocalyptica
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Aus einer Band, die nur aus vier Cellisten besteht, ist es wohl nicht schwer zu erraten, wen ich ans Telefon bekomme, oder? Den Cellisten! Ist ja einfach, entsprechend erwischt es mich erst einmal auf dem falschen Fuß, als ich den Namen meines Interviewpartners nicht erkenne - es ist unerwarteter Weise Mikko Siren, der Schlagzeuger, der mittlerweile zum festen Line-Up gehört (jeder Song hat inzwischen Schlagzeugbegleitung) und der sein etwas stockendes Englisch durch umso mehr Eifer und Begeisterung für seine Band und ihr neues Album wettmacht. Natürlich ist er zunächst einmal voll des Lobes über das Gastspiel eines seiner Idole:
"Dave Lombardo hat nur einen Song eingespielt, und für den räume ich gerne mal meinen Hocker! Er ist inzwischen ein guter Freund der Band, und es war sogar mein Vorschlag, dass wir ihn wieder bitten, einen Song zu spielen. Wir haben ihm das flotte Stück "Last Hope" quasi auf den Leib geschneidert. Er ist so ein großartiger Musiker und der Schwung, den er mitbringt, ist ohne Gleichen, ebenso die Inspiration, die sein Spiel mitbringt." Songs auf die Eigenheiten des entsprechenden Gastes zurecht zu zimmern ist ohnehin für APOCALYPTICA nicht ungewöhnlich. Fast schon kurios, auf jeden Fall aber interessant ist die Entstehungsgeschichte des Songs "Helden" "David Bowie hat diesen Song in den Achtzigern geschrieben, in seiner Zeit in Berlin, sogar mit deutschem Text. Eine Liebesgeschichte und die Trennung durch die Mauer. Jacob Helnwein, unser Produzent, brachte diese Version an, denn er fand sie sehr stimmungsvoll und wollte unbedingt, dass wir sie umsetzen. Wir waren zunächst nicht begeistert, denn irgendwie war uns das Lied zu poppig und zu fröhlich für unsere Musik. Er sagte, hört genauer hin, es geht um Tod und Verzweiflung, das fröhliche ist nur die Oberfläche - und es stimmt, also haben wir es versucht. Wir waren aber nie richtig glücklich, vor allem, weil wir uns nicht vorstellen konnten, wer den Gesang übernehmen sollte. Jacob, der ja auch Produzent von RAMMSTEIN ist, kam dann mit der Idee, deren Sänger Till Lindemann einzuladen, der wäre perfekt. Es hat dann lange gedauert, wir haben den Song stark verändert und durch die kraftvolle Stimme von Till ist es fast schon etwas komplett neues, mit einer ganz eigenen Magie. Wäre Till nicht bereit gewesen, dann wäre es nie zu diesem Song gekommen, denn niemand sonst hätte ihn für uns so einsingen können, wie wir es uns dann beim Bearbeiten vorgestellt hatten." Wenn man schon mit so viel Prominenz im Studio war, bleibt die frage, ob es sonst noch Musiker mit denen man gerne mal zusammenarbeiten würde, bzw. wer in Zukunft auf der Gästeliste stehen könnte. Mikko seufzt, gerät dann aber in aller Bescheidenheit ins Schwärmen über schon erreichtes und noch unerfüllte Wünsche. "Oh je! Da gibt es so viele, auch wenn wir ohnenhin schon glückliche Bastarde sind, dass wir schon mit so vielen guten Leuten kooperieren durften. Vielleicht wollen wir noch mehr Künstler, die nicht aus dem Metal Genre kommen, denn da haben wir schon so viel gemacht. "Helden" ist ein Schritt in Richtung Popmusik, das war neu und aufregend, also vielleicht auch Leute aus anderen Bereichen. BJÖRK zum Beispiel, von einer Zusammenarbeit mit ihr träumen wir schon lange, sie hat ihre eigene musikalische Welt geschaffen, wir haben unsere eigene, wenn wir diese beiden Welten zusammenbringen könnten, das wäre sehr spannend. Ähnliches gilt für TORI AMOS, KATE BUSH, BOB DYLAN, NEIL YOUNG, WILLIE NELSON, TOM WAITS... aber eben auch Rocker wie James Hetfield von METALLICA oder CHRIS CORNELL (ex-SOUNDGARDEN / AUDIOSLAVE). Aber da darf man nicht so viel erwarten, wir haben ja schon so viel Glück gehabt." Für die Liveshows, die ohnehin schon sehr intensiv sind, wäre aber doch ein fester Sänger in der Band sicher kein Nachteil. sondern könnte für noch mehr Bewegung auf der Bühne sorgen. Denn bei allem Respekt vor den headbangend spielenden Cellisten, sie sind trotzdem statisch auf ihren Stühlen. Warum also kein fester Sänger? "Es gibt eben niemanden, der all diese Sänger, die schon Stücke für uns eingesungen haben, ersetzen oder imitieren kann. Es würde immer schwach klingen, egal wie viel Persönlichkeit dieser Sänger selbst haben würde. Wer kann schon in einem Stück überzeugend Till Lindemann ersetzen, im nächsten überzeugend Corey Taylor mimen und anschließend so klingen wie NINA HAGEN? Es wäre immer ein Kompromiss, also wird es immer so laufen wie bei den METALLICA-Stücken, die unser Durchbruch waren: die Gesangslinie wird durch ein Cello wiedergegeben. "APOCALYPTICA play APOCALYPTICA by four Cellos", sozusagen." Und Klassik-Stücke mit mehr Pfeffer spielen? Immerhin sind die Jungs alle sehr versiert als klassische Musiker, sie haben ja nicht erst zu "Enter Sandman" Cello spielen gelernt, wie so mancher Nachwuchsgitarrist. "Das haben wir schon gemacht. Edvard Griegs "In der Halle des Bergkönigs" ("Hall Of The Mountain King", auf "Cult", 2000) ist immer unser letztes Stück auf der Bühne, aber das ist sehr schnell kitschig, wenn man Klassik härter macht, jede zweite Metalband macht das. Am Schluss enden wir wie die Popgeigerin VANESSA MAE, die auch Klassikhits auf der Violine zu einem schlechten Drumcomputer runternudelt und damit zwar ordentlich Kohle scheffelt, aber eben langweilig und uninspiriert ist. Vielleicht sollten wir es besser machen, ja, aber es reizt uns nicht. Dann lieber etwas, was wir noch nicht gemacht haben - vielleicht Countrysongs?" Und das klang nicht nach einem Witz, möchte ich anmerken, sondern eher grüblerisch. Meines Erachtens sind die instrumentalen Sachen an sich ja auch prädestiniert für Soundtracks aller Art, seien es nun Filme oder Videospiele. Nicht nur einzelne Tracks, sondern die gesamte Umsetzung. "Unser Stück "Bittersweet" vom letzten Album war auch in einem sehr erfolgreichen Game und diverse Soundtracks, vor allem von Horrorfilmen, haben uns dabei. Den Original-Score zu schreiben, ja klar, das wäre schon interessant. Jeder von uns hat da schon Erfahrung, ich habe schon am Theater gearbeitet, Eicca macht gerade die Musik für einen Dokumentarfilm, aber als Band, das wäre toll - leider ist das immer sehr zeitaufwändig, darum glaube ich nicht, dass da so bald etwas daraus wird. Nichtsdestoweniger versuchen wir immer, auch mit den anderen Medien zu kooperieren und Filme und Videogames zumindest mit einzelnen unserer Songs zu beliefern." Deshalb also kein Soundtrack, sondern eben besagtes neues Album. Mikko zeigt sich auch sehr euphorisch, als ich ihn frage, worauf er am meisten stolz ist bei der neuen Platte, abgesehen davon, dass die neue Scheibe sowieso subjektiv immer die beste ist. "Es war sehr intensiv! Wir haben etwa 40 Stücke geschrieben und ständig geprobt, dann kam Jacob und hat an allem rumgemeckert, also haben wir 20 davon wieder und wieder umarrangiert und verfeinert und aufgepeppt, bis wirklich jeder damit glücklich war, das war vielleicht ein Kampf, kann ich dir sagen! Dazu sind wir dann zum Aufnehmen quasi nach Schweden umgezogen, wo Jacob sein Studio und sein Team hat. Dann hieß es Aufnehmen, 12 Stunden am Tag, 6 Tage die Woche - und das für fünf Monate am Stück! Deshalb sind wir besonders stolz auf diese Platte, weil wir so hart daran gearbeitet haben und alles aus uns herausgeholt haben. Ob es unser bestes Album ist, das müssen uns Schreiber wie du und natürlich die Fans sagen, aber ich weiß hundert prozentig, dass dieses Album das Beste ist, was wir momentan zu Leisten im Stande sind. Das ist es auch, worauf ich stolz bin, dass es nichts gibt, was wir noch irgendwie hätten besser machen können, denn jeder hat so lange und intensiv gearbeitet, bis er das Maximum erreicht hatte." Das war ja auch angezeigt, immerhin sind APOCALYPTICA gerade an einem Punkt, wo etwas neues kommen muss: Ein selbstbetiteltes Album, eine Best-Of, eine Live-DVD - da nehmen andere Bands schon mal eine lange Auszeit und nennen es Comeback, wenn sie etwas neues aufnehmen. "Das stimmt, aber so dramatisch war es nicht, kein Ende einer Ära oder so. Dennoch, es gab viele Änderungen, wir haben auch die Plattenfirma gewechselt (von Universal zu GUN), ich bin inzwischen ein festes Bandmitglied... Außerdem haben wir auf der letzten Tour über 200 Shows in 24 Ländern gespielt, das hat uns enorm zusammengeschweißt und die Zusammenarbeit untereinander ist damit auch viel intensiver geworden und auf einem neuen Niveau. Wir hatten noch nie zuvor so viele Songs zur Auswahl, die auch fertig waren und ständig gemeinsam geprobt wurden, dazu kommt, dass wir seit drei Alben erstmals wieder einen Producer dabei hatten, anstatt alles selbst aufzunehmen. Er hat uns erstens viel Arbeit abgenommen und zweitens hat er sehr oft bei Songs, die für uns schon perfekt waren, noch hier und da Kleinigkeiten gefunden, wie sie eben noch ein Quäntchen besser werden konnten. Unsere rohe Energie und unsere Songs einerseits und seine Perfektion und sein Feinschliff andererseits, auch das waren Welten, die zusammengeprallt sind. Alleine können wir hundert Prozent geben, aber Jacob hat uns dazu gebracht, auf 110 zu gehen."
UND DIE VERSTÄRKER STEHEN AUF 11, JAJA... FREUEN WIR UNS ALSO AUF "WORLDS COLLIDE" ENDE SEPTEMBER. FÜR FANS HEIßT ES ÜBRIGENS WIEDER EINMAL AUFPASSEN, DASS MAN IM PLATTENREGAL NICHT DANEBEN GREIFT, DENN "WORLDS COLLIDE" WIRD ES AUCH IN EINER DELUXE EDITION GEBEN, DIE ZWEI SONGS MEHR ENTHALTEN WIRD UND DAZU NOCH EINE DVD MIT VIDEO, DEM MAKING-OF DAZU, PHOTOGALERIE ETC. UND MIT ANDEREM ARTWORK AUFWARTET. ALSO, AUGEN AUF BEIM PLATTENKAUF, FREUNDE DER GEPFLEGTEN FOLTERKAMMERMUSIK! (mono)
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