Interview

22.02.2008 Dark Age
 
DARK AGE hatten sich in der letzten Zeit etwas rar gemacht, nach dem DVD Release von „Live…So Far“ wurde es ruhig um die Hamburger, die sich nach internen Querelen bereits 2006 einen neuen Basser gesucht und wesentlich mehr Zeit für das Songwriting investiert haben. „Minus Exitus“ schließt quasi dort an, wo der formidable Vorgänger „Dark Age“ aufgehört hat und stellt unter Beweis, dass es für Die Band an der Zeit ist, in einem größeren Rahmen zu denken. Songwriter, Gitarrist und Produzent Eike Freese, wie immer gut gelaunt, plauderte mit uns ein wenig über die Vergangenheit, die Gegenwart und blickt optimistisch in die Zukunft.
Seit eurer DVD im Sommer 2006 habt ihr euch ziemlich rar gemacht und auch das letzte Studio-Album datiert immer hin von 2004…

Wir hatten direkt nach der DVD mit dem Songwritiung angefangen und sind das ganze diesmal etwas anders angegangen und habenviel Zeit investiert. Die Idee war, dass die Songs erst mal ohne Gesang stehen sollten, also dass die Songs eine eigene Geschichte erzählen können, ohne das Gesangsteile dabei sind. Wir haben viel Zuhause gemacht und vorproduziert. In der Zeit habe ich auch an meinem Businessplan geschrieben, um mein Studio nach Hamburg zu verlagern, was ein langfristiges Ziel von mir gewesen ist. Auf Grund der enormen Songwritingphase haben wir dann die Liveaktivitäten eingeschränkt. Und dann kam natürlich dazu, dass wir uns dafür entschieden haben, ohne Torsten (Eggert – lk), unseren langjährigen Bassisten, weiter zu machen. Das ganze hatte er private Gründe und er hatte auch einfach andere Vorstellungen von den Arbeitsabläufen, sprich, es wurden Termine und Proben nicht eingehalten. Das passt natürlich nicht ins Konzept, wenn man so eine Platte angehen will und so haben wir uns dafür entschieden, getrennte Wege zu gehen. Und als Ersatz ist eben nun Alex (Henke – lk) mit dabei.

Und das schon seit einiger Zeit, seit dem Metal Bash 2006.

Genau, das ist seine Feuertaufe gewesen. Wir sind sehr glücklich, dass er dabei ist, weil er uns auch musikalisch weiter gebracht hat. Alex ist ein kreativer und sehr talentierter Musiker, so dass uns der Line Up Wechsel schlussendlich nach vorne gebracht hat.

Bist du eigentlich mit dem Eikey Studio jetzt komplett selbstständig?

Richtig, das mache ich jetzt hauptberuflich. Ich hab das Studio eigentlich während meines Studiums als lukrativen Nebenjob geführt, aber dadurch, dass es immer mehr Anfragen gab, hab ich mich dazu entschieden das jetzt so zu machen. Das ist für mich nicht nur eine Leidenschaft, sondern eine Bestimmung, von daher war klar, dass dieser Schritt irgendwann folgen musste. Das hat natürlich viel Planung, viel Arbeit und einige schlaflose Nächste bedeutet.

So bekommt man viel von anderen Musikern mit.

Das ist auch das Schöne daran, ich leibe es mit anderen Musikern zusammen zu arbeiten und so bekommt man natürlich auch eine andere Blickweise für Musik. Man muss als Produzent versuchen, sich in die Künstler rein zu denken und verstehen, was die von einem wollen und das öffnet mir dann eine ganz andere Perspektive für Dinge, die ich vorher vielleicht gar nicht so realisiert habe.

Kommen wir zu Platte, ihr seid das Songwriting anders angegangen, aber trotzdem schließt das neue Album doch an „Dark Age“ an, obwohl sich der Sound weiter entwickelt hat. Ihr habt vermehrt Black-und Thrash Metal Elemente drin, aber auch viel mehr cleanen Gesang gepaart mit noch größerer Eingängigkeit. War das so geplant und fühlt sich nicht manch alter Fan vor den Kopf gestoßen?

Das war so geplant, wir bewusst versucht viele Stilelemente miteinander zu verknüpfen, weil sich unser Musikgeschmack innerhalb der Band eben nicht fest legen lässt. Wir sind alles Vollblut Rocker und Metaller und imitieren uns nicht selber. Die Leute drehen mit diesem Album gerade richtig durch, viele bestätigen uns, dass das hier jetzt das DARK AGE Masterpiece sei. Es gab bis auf einen bisher noch niemanden, der mit der Scheibe nichts anfangen konnte. Der eine meinte, dass das Material schwerer zugänglich sei, weil das Riffing diesmal etwas vertrackter sei.

Hast du für die cleanen Parts Gesangsunterricht genommen?

Nee, hab ich nicht aber ich hab dafür verdammt viel trainiert. Auf der Wacken Roadshow hatte ich viel Kontakt mit Ralf Scheepers von PRIMAL FEAR und Hennig Basse von METALIUM, die mir viele Tipps gegeben haben, wie ich meine Technik verbessern könnte. Ich habe in der Folge viele Übungen gemacht, im Proberaum trainiert und das hat sich sehr positiv auf die Gesangsleistung ausgewirkt. Dazu kommt, dass ich nicht wie beim letzten Album neben dem Mischpult gestanden habe, und dann auf Aufnahme gedrückt habe und gesungen habe, sondern ich hatte diesmal Unterstützung bei den Aufnahmen, so dass ich mich voll und ganz auf den Gesang konzentrieren konnte. So war ich viel gelöster und konnte mich besser in die Musik hineinversetzen, anstatt andauernd auf die Technik achten zu müssen.

Die stilistische Vielfalt auf „Minus Exitus“ überrascht, ich konnte sogar einige Anleihen von PARADISE LOST raus hören, was sich besonders auf die getragenen Parts bezieht.

Das höre ich zum ersten Mal, aber es stimmt, was du sagst. Ich selber bin ein großer PARADISE LOST Fan und mir gefallen die neueren Sachen wieder wesentlich besser. Mit Sicherheit sind auch einige Einflüsse von Nick Holmes dabei, wobei es natürlich nicht so ist, dass wir einen Song hören und den dann nachspielen. Wir bedienen uns eben verschiedener kreativer Elemente und kochen daraus unser eigenes Süppchen

„Black September“ ist der Song, der mich am meisten interessiert und der auch schon am längsten existiert. Worum geht es?

Ich habe versucht, auch beeinflusst durch Filme wie Siriana oder Babel und natürlich durch die Ereignisse des 11. September 2001 die westliche Welt aus der Sicht des mittleren Ostens darzustellen. Wenn man sich die Länder dort anschaut, dann findet man eine ganz normale Bevölkerungsgpopulation, die sich versucht über Wasser zu halten. Das sind unglaublich friedliche Menschen, die eigentlich nichts damit im Sinn haben, Unheil in der Welt zu stiften und deswegen habe ich einfach mal versucht, die Dinge aus der Sicht eines einfachen Menschen im mittleren Osten zu beschreiben, um die Message hervor zu bringen, dass der Westen selbst den „schwarzen September“ kreiert hat. Die westliche Welt war ja schon immer gut darin, sich ihr eigenes Feindbild zu generieren.

„Minus Exitus“?

Der Titel soll einfach auf den Punkt bringen, dass wir in der Metalszene uns mit Musik umgeben, wo es die Norm ist, dass wir uns mit negativen Dingen umgeben. „Minus“ als mathematisches Zeichen für Minus und „Exitus“ als Ausgang, ebenfalls als minus, ergibt zusammen plus und das ist für uns die Grundessenz der Aussage, dass man den Tod relativieren sollte, denn daraus entsteht Leben. Für mich ist es die schönste des Lebens, dass man die Balance zwischen Leben und Tod, Gut und Böse findet. Der Text deutet darauf hin, dass die Menschen einfach zu ehr auf den Tod aus sind. Unser ganzes Denken, unser Leben bezieht sich immer aufs Ende. Wir planen, was sein wird, wenn man alt ist und zelebrieren geradezu den Tod manchmal mehr als das Leben und das ergibt im Leben, wo der Weg das Ziel sein sollte, in meinen Augen keinen Sinn.

Gibt es einen Song, der dir emotional besonders viel bedeutet?

Ja, den gibt es, wobei ich sagen muss, dass es richtig schwierig gewesen ist, die Tracklist zusammen zu stellen. Dies ist das erste Album, wo das zu Beginn nicht klar gewesen ist, weil eben jeder seine Lieblingssongs hat und irgendwie keiner so richtig hervor sticht. Ich habe eine besondere Beziehung zu „The Echoes Discipline“, der Song ist Torsten gewidmet und handelt davon, dass manche nicht ihrem Teufelskreis entfliehen können.

Ihr gehört zum Remedy Records Inventar, wird da nicht mal ein Labelwechsel zum Thema, wenn man eben mehr erreichen möchte und höhere Ansprüche hat?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die ich in der letzten Zeit im Zusammenhang mit dem neuen Album beantworten musste. Ich kann dazu nur sagen, dass wir Verträge zu erfüllen hatten und von daher gab es auch noch keinen Raum für andere Optionen. Wir harren mal der Dinge, die da kommen. Wir uns ist klar, dass der Schritt zu einem anderen Label nötig sein wird. Gut möglich, dass schon dieses Album die Möglichkeiten von Remedy, die aber immer einen sehr guten Job für uns gemacht haben, übersteigt, jedenfalls wird uns das recht häufig so gesagt. (lk)

 
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