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24.07.2001 Eläkeläiset
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Nach dem furiosen Auftritt im Nürnberger Z-Bau nahmen sich Kristian Voutilainen und Martti Varis ein paar Minuten Zeit für meine dummen Fragen:
Ihr hattet vorhin beim Auftritt ein paar dezente technische Probleme... (soll heissen der Keyboarder hat sein Gerät völlig geschrottet, nachdem das den Geist aufgegeben hat) "Das mag wohl sein, aber das sind keine Probleme, denn darauf sind wir bestens vorbereitet" Das glaube ich gerne, denn ihr spielt stets mit maximalem Einsatz und Risikofreude, nicht wahr? "Richtig, ständig mit einem Bein am Abgrund!" Und das andere hüpft fröhlich tanzend herum. Eine ähnlich ausgewogene Mischung wie die Hassliebe der Finnen zu Deutschland, wie sie sich auch in den Texten oftmals widerspiegelt - was kaum einer versteht, da nur wenige Deutsche des Finnischen mächtig sind. Man denke an das unveröffentlichte Live-Highlight "Heil Humppa", wo das Publikum aufgefordert wird, nach jedem "humppa" aus voller Brust "Jawoll!" zu schmettern - ganz klare, welche wenig ruhmreiche Unsitte hier aufs Korn genommen wird. Zudem hat der Deutsche den Ruf, sowieso keinen Humor zu haben. "Das ist nicht nur euer Ruf, das ist Tatsache, haha! Aber die Übersetzungen auf unserer Homepage geben das natürlich krasser wieder als es gemeint ist im Original. All das Touren durch Deutschland beeinflusst uns natürlich beim Texteschreiben, ausserdem habt ihr hier ein paar wirklich merkwürdige Angewohnheiten!" Über die man sich entsprechend sehr gerne lustig macht, was aber der durchschnittliche Deutsche nicht versteht und deshalb Eläkeläiset gerade in Deutschland ihren größten Erfolg haben, ausgerechnet in dem Land, das eine Zielscheibe ihres Spotts ist. Immerhin verbringen die Jungs dadurch auch eine Menge Zeit hier und erhalten so stets neue Inspirationen. "Wir spielen in Finnland gerade mal so 10 Gigs im Jahr, hier in Deutschland dagegen 30-40, es ist schon faszinierend" lacht sich Kristian Voutilainen in die Faust. Deutschland war zwar nicht das erste Land, das vom Humppa-Fieber angesteckt wurde, sondern Schweden, doch scheitern Tourneen dort ständig an der schlechten Organisation, während die gut durchorganisierten deutschen Booking-Agenturen und Plattenlabels hier eine ständige Präsenz ermöglichen, weswegen eine Tour durch unsere Gefilde doch wieder sehr angenehm ist. "Ausserdem machen wir ja nicht nur Späße auf euere Kosten, wir veralbern ja alles und jeden, nicht zuletzt uns selbst." Dabei darf aber doch stets die Professionalität nicht auf der Strecke bleiben. All die Stücke müssen doch auch in ihrem gespielten Dilletantismus noch geprobt werden, und das sicherlich nicht wenig. "Wir proben niemals, und das ist jetzt kein Witz. Die letzte Probe im eigentlichen Sinn hatten wir 1993. Wir sehen uns zwischen den Touren nie. Wenn eine neue Tour ansteht, dann telefonieren wir mal kurz, einigen uns auf ein paar Songs und jeder lernt sie zuhause zu spielen. Was dabei rauskommen soll, ist ja jedem von uns klar, darum funktioniert es auch so." Mit einer derart spontanen Herangehensweise lässt es sich aber schwer verstehen, dass man dennoch für sich in Anspruch nimmt, "The Monsters Of Humppa" zu sein, sollte man vermuten, aber weit gefehlt: "Du solltest mal andere Humppa-Bands aus Finnland sehen, die sind gegen uns nur die "Whimps Of Humppa"." lacht Kristian, Martti ergänzt "Wir sind die Monsters, sie sind die Whimps und Posers - and they must leave the hall!" Also haben die Herren auch ihre Manowar-Platten gut gelernt, wir warten also noch auf Perlen wie "Humppa And Kill", "Kings Of Humppa" und "The Humppa And The Ring". Und wo wir schon bei den Rockklischees sind: macht Humppa sexy? "Naja, guck uns an - sind wir vielleicht sexy? Humppa hat eigentlich nichts mit Sex zu tun... höchstens mit schlechtem Sex, haha!" Findest du? Dabei ist der Rhythmus doch gar kein schlechter... "Hm, stimmt.... kurz und schnell, haha!" Eher langwierig ist dagegen die Vorgeschichte zur neuen Platte, "The Speed Of Sound", die zum Zeitpunkt der dazugehörenden Tour noch gar nicht erhältlich ist. Geplant war ein Album im Frühjahr, aber Eläkeläiset bekommen langsam Schwierigkeiten mit der Erlaubnis, Songs zu covern. Früher hat man einfach gespielt, was gefiel, bei Beschwerde wurde dann ein Song einfach nicht mehr ins Liveprogramm aufgenommen bzw. nur live gespielt aber nicht veröffentlicht. Doch mittlerweile fragt man die Originalkünstler vorher, ob ein Cover in Ordnung sei und bekommt mehr Ab- als Zusagen. Daher ist "Speed Of Sound" inzwischen auf EP-Länge zusammengeschrumpft. Von den letzten Herbst aufgenommenen 25 Songs blieben nur noch 10 übrig, man versucht jetzt, weitere Genehmigungen einzuholen. Auch finden sich aus obigen Gründen etliche Live-Highlights auf keinem regulären Album, wie etwa das U2-Cover "Humppa, Bloody Humppa" oder Bad Religions "Humppa Jesus". "Die pressen wir hin und wieder als Liveaufnahmen auf Vinyl und verkaufen sie an die Fans bei den Livekonzerten." Sozusagen die eigenen Bootlegs, gar nicht dumm, die Idee. Damit gibt es keine großen Streitereien um Urheberrechte, weil es keine offiziellen Veröffentlichungen sind und die Fans können eine Menge Sammlerstücke erwerben, was Bootlegger einerseits ärgern dürfte, andererseits ihnen genügend kopierbares Material zur Verfügung stellt. Doch woran liegt es, dass es so schwer ist, Genehmigungen für Coverversionen einzuholen? Sind Musikerkollegen denn so humorlos? "Das sind zumeist Management-Entscheidungen! Die eigentlichen Künstler, deren Songs wir nachspielen, bekommen unsere Versionen ja in der Regel gar nicht zu hören. Wenn die uns mal hören, lachen sie meistens und sagen okay, aber so weit kommen wir oft nicht mal. Dann gibt es noch Künstler, etwa U2, Abba oder Neil Young, die Coverversionen generell untersagen, egal wer anfragt. Andererseits gibt es auch den Fall wie mit Cher, der alten Dame, die persönlich unsere Plattenfirma angerufen hat und unsere Version gelobt hat, weil sie davon so angetan war. Tom Jones, der hat auch selbst angerufen! Aber der hat nein gesagt.... weil die Produktion so mies sei, haha! Sonst hätte ihm der Song gefallen - was für ein Loser!" Tja, der sollte mal ein paar seiner alten Scheiben anhören und nochmal überlegen... Auf der aktuellen Tour vermisst man Keyboarder Onni Varis - was ist los, hat er genug vom Humppa? "Nein, wir haben nur einen Ersatzmann dabei, Petteri, denn Onni geht es im Moment nicht besonders gut, er ist in psychischer ärztlicher Behandlung. Er hatte so einige Probleme, aber bis zur nächsten Tour dürfte er wieder fit sein. Es geht ihm auch schon besser, er kann schon wieder einfache Arbeiten machen, wie etwa Regenmäntel herstellen und so Zeugs." Da wollen wir dann mal nicht weiter bohren. Ich war nur schon der Meinung, der Keyboardschrottkönig des heutgen Abends hätte Onni Varis seine Orgel über den Schädel gezogen um seinen Platz einzunehmen, weil er die größere Orgel habe - Penisneid unter Keyboardern, sozusagen. "Was heißt schon ´das größere´ - wir haben alle möglichen Keyboards auf Tour, in allen Größen. Wir müssen ja in jeder Stadt ein neues kaufen und haben für alle Fälle eins auf Reserve dabei - und weil heute beide dran glauben mussten, müssen wir morgen für den letzten Gig der Tour nochmal welche besorgen." Das heisst, ihr müsst also morgen in Darmstadt noch einmal ein Instrumentengeschäft suchen und... "Nein, Musikfachgeschäfte sind zu teuer, wir gehen in die nächste türkische Imbißbude und lassen uns billig eins besorgen, die haben immer Spitzenqualität!" Na bravo! Und darauf spielt ihr dann Humppa, wie der Titel der neuen Platte vermuten lässt, in Schallgeschwindigkeit - oder ist dass die Messlatte, die es für euch zu überspringen gilt? "Oh nein, wir spielen schon so schnell wir können! Wenn wir nun Humppa in Lichtgeschwindigkeit spielen würden, dann würde ja keiner mehr was verstehen!" Weil die Deutschen so langsam im Verstehen sind, nehme ich an? "Nein, das sind wir schon auch.... aber wirklich langsam sind die Jungs in Holland. Das mag wohl an dem seltsamen Tabak liegen, den die dort rauchen. Als wir dort mal gespielt haben, haben die, als wir fertig waren, nicht mal geklatscht, sondern einfach nur weiter auf die leere Bühne gestarrt, es war faszinierend." Na kein Wunder, denn wer das erste Mal mit Eläkeläiset konfrontiert wird, versteht auch die Welt nicht mehr, das hat mit dem Konsum diverser Tabaksorten nicht mehr viel zu tun. Ich kann euch also nur dringend anraten, einfach mal auf ein Konzert des Quartetts zu gehen und sich die eigene Prise Kulturschock zu gönnen. (mono) |
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