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31.03.2009 Delain
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Hi Charlotte, ich kann mir vorstellen, dass Du gerade richtig viel um die Ohren hast, wenn es um das neue Album geht.
Ja, das stimmt, es stehen die ganzen Interviews und andere Business-Angelegenheiten an, zudem sind wir mit den Proben für die Release-Show beschäftigt, wir haben also gut zu tun. „April Rain“ erscheint im März, ein paar Wochen später hätte vielleicht ein bisschen besser gepasst, oder? Das bin ich schon häufiger gefragt worden, wieso wir das Album nicht auch im April rausbringen. Das liegt ganz einfach daran, dass wir im April eine Tour haben, auf der wir das Album live vorstellen werden und wir einfach wollten, dass es den Fans vorher schon bekannt ist. Deswegen der Release im März, damit man schon mal einen ersten Eindruck hat und dann die anschließende Tour. Was erwartest Du persönlich, welche Gefühle verbindest Du mit der neuen CD? Ich habe ein sehr zuversichtliches Gefühl und hoffe, dass es allen gefallen wird, dass die Leute das Album kaufen und uns reich machen…im Ernst, ich liebe die neuen Songs und für mich persönlich ist „April Rain“ jetzt schon ein Erfolg. Es war eine ganz neue Erfahrung, dieses Album mit der ganzen Band zusammen zu schreiben, bei „Lucidity“ haben das ja Martjin und ich alleine gemacht. DELAIN waren ja zu Anfang nur ein Projekt, demzufolge kann man jetzt von einer richtigen Band sprechen? Das sieht ganz so aus. Man kann sagen, dass es positiv aus dem Ruder gelaufen ist. Als wir mit „Lucidity“ fertig waren haben wir uns gedacht „Toll, jetzt haben wir ein gutes Debüt-Album an den Start gebracht, können aber nichts live spielen“, was logisch war, denn es wäre unmöglich gewesen, die ganzen Gastmusiker Woche für Woche zu fragen, ob sie gerade Zeit haben, um mit uns auf die Bühne zu gehen. Das war der Punkt, wo wir uns nach anderen Musikern umgesehen haben und während der ganzen Auftritte und Proben haben wir gemerkt, dass man aus der ganzen Geschichte soviel mehr machen könnte, als nur mit den Jungs die Lücken zu füllen, die ein Project nun einmal hat. Von daher war es auch eine ganz bewusste Entscheidung, alle beim Sonwriting zum neuen Album zu beteiligen und das war ein richtig interessanter Prozess. Natürlich hat Martjin noch das Heft in der Hand und ist derjenige, der die schwierigen Entscheidungen trifft, aber jeder findet sich in diesem Album wieder und das ist eine richtig gute Sache. Ich habe das vor drei Jahren nicht im Leben erwartet, aber ich bin wirklich froh, dass es so gekommen ist. Ihr habt eine schwere Aufgabe vor Euch, nicht nur wegen der stilistischen Ähnlichkeit taucht immer wieder der Vergleich zu WITHIN TEMPTATION auf, sich da zu emanzipieren dürfte nicht allzu leicht sein. Stimmt, diese Vergleiche gibt es immer wieder, wobei die Leute einen immer mit irgendwem vergleichen, wenn es ihnen in den Kram passt. Wir werden ja nicht nur mit WITHIN TEMPTATION vergleichen, sondern auch mit EPICA oder NIGHTWISH, eigentlich mit jeder Band, die sich in diesem Genre tummelt. Das scheint irgendwie Spaß zu machen, sich vergleiche rauszusuchen, um etwas bewerten zu können. Da kann man nur ehrlich zu sich selbst sein und das machen, wovon man überzeugt ist und woran man auch selber glaubt. Was WITHIN TEMPTATION angeht, besteht keine Rivalität oder sowas, vielmehr erachtet Martjin den Erfolg von ihnen auch zum Teil als seinen eigenen, ad er ja während seiner Zeit bei ihnen dazu beigetragen hat. Er freut sich für sie und immerhin habe wir so auch die Möglichkeiten an gute Gigs im Vorprogramm zu kommen. Wir orientieren uns nicht bewusst an WITHIN TEMPTATION, würden wir das tun, da hast Du dann Recht, wäre das ein sehr schwieriges Unterfangen. WITHIN TEMPTATION sind seit Jahren ein Topseller, das wäre ein weiter Weg. „April Rain“ ist erst das zweite Album, das Du eingesungen hast. Stimmt, wenn man mal von dem Kram absieht, den ich davor gemacht habe, was aber natürlich bei Weitem nicht diese Ausmaße hatte. Hast Du Dich mittlerweile an das Dasein eines professionellen Musikers gewöhnt, oder ist das alles noch wie ein Traum für Dich? Irgendwie ist es ein Traum, ja. Die Dinge haben sich komplett anders entwickelt, als ich mir es vorgestellt habe und mir kommt das immer noch neu vor. Ich meine, ans Business, die Interviews etc. gewöhnt man sich. Ich bin zwar etwas schüchtern, aber man gewöhnt sich dran und entwickelt mehr Selbstvertrauen. Auf der Bühne zu stehen etc. daran gewöhnt man sich nicht, ich bin da ziemlich nervös, aber das ist normal. Jeder ist nervös, auch wenn er das Gegenteil erzählt. Das Geheimnis dabei ist einfach, mit seiner Nervosität umgehen zu können. Der Lebenswandel muss dennoch enorm gewesen sein. Du bist mit 17 zu DELAIN gestoßen, kamst also quasi von der Schule auf die Bühne. Als ich noch in der Schule war, hatte ich einen geregelten Tagesablauf, alles ließ sich recht genau planen. Jetzt als Musiker kann ich relativ wenig planen, da man sehr von anderen Menschen abhängig ist. Es hat sich für mich viel geändert und man wird einfach ein anderer Mensch durch die vielen Dinge, die auf einen zukommen. Der Job war früher schwer mit der Schule unter einen Hut zu bekommen, jetzt mit dem Studium ist es nicht einfacher geworden. Aber es ist richtig aufregend, kann ich Dir sagen. Wann hast Du mit dem Singen angefangen, gab es eine professionelle Ausbildung? Eine richtige Gesangsausbildung habe ich nicht. Ich habe früher als Kind schon immer gerne gesungen. In der Highschool hatte ich Jazz-Stunden und meine Lehrer haben mir dann vorgeschlagen, doch Klassik-Unterricht zu nehmen, weil meine Stimme gut dazu passen würde. Das habe ich auch gemacht, fand es aber nicht so gut, weil man versucht, einen dort in eine bestimme Stimmlage zu manövrieren. Das klingt zwar sehr schön, war aber nicht das, was ich für mich wollte. Ich wollte individuell klingen nicht so, wie jede andere. Ich habe mich dann einer Metal Band angeschlossen und das war auch mein erster Berührungspunkt mit diesem Genre. Ich war dann in meiner Heimatstadt in einigen Projekten involviert, wodurch ich dann auch Martjin kennen gelernt habe. Der hat mir die Geschichte erzählt, wie der Dich gefunden hat. Erst ganz Holland nach einer Sängerin abgesucht und dann findet er Dich in der direkten Nachbarschaft seiner Eltern. Das war verrückt, seine Eltern leben 15 Meter von meinen Eltern entfernt und ich kannte ihn irgendwie auch schon von früher, weil wir in die gleiche Kirche gegangen sind. Wie wichtig ist eigentlich der kommerzielle Aspekt bei DELAIN? „April Rain“ ist extrem eingängig und catchy… Ich denke das ist nur etwas, wofür sich die Musikindustrie interessiert, eine Band kümmert sich eher darum, ob die Musik gut ist oder nicht. Wirklich? Ja, denn wenn die Musik nicht passt, verkauft man auch nix, und wenn man wenigstens ein bisschen was absetzen möchte, sollte schon die Musik ganz gut sein. Ich denke da jetzt mal an METALLICA in der Zeit bevor sie auf den Pfad der Tugend zurück gekehrt sind. Oh, darüber darf ich nichts sagen, ich will niemanden verärgern. Unser Gitarrist Ronald ist der größte METALLICA Fan überhaupt und der würde mich umbringen, wenn ich etwas Falsches sage. Der hat sogar seinen Hund nach James Hetfield bekannt…Okay, ich denke, es ist gut, wenn man den Kommerziellen Aspekt im Hinterkopf hat, aber man sollte ihn nicht über die Musik entscheiden lassen. Der Kommerz sollte einem nicht den Spaß an der Musik nehmen, was unweigerlich passieren würde, wenn man sich beim Songwriting davon leiten ließe. Was unsere Musik so zugänglich macht, ist die Pop-Struktur, die es leicht macht, ins Album einsteigen zu können, dazu kommen aber auch die Metal Anteile mit heftigen Riffs und Drumming. Wir wollen da einfach den Kontrast herausarbeiten und eigentlich klappt das bisher auch ganz gut. (lk) |
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