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28.04.2009 Maroon
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Euer Label hat das neue Album schon vorab komplett als Stream ins Internet gestellt. Sowas kann man in letzter Zeit ja häufiger beobachten. Findet das die Zustimmung der Band? Es kann ja immerhin sein, dass weniger Leute die CD kaufen, weil sie alle Songs schon gehört haben.
Es ist eher umgekehrt der Fall, wir haben mit dem Streaming bisher nur gute Erfahrungen gemacht. Bei der letzten Platte wurde das ja auch schon so gehandhabt und wir haben mehr verkauft als zuvor. Ob das allerdings an der besseren Promotion oder an der guten Platte lag, kann ich nicht sagen. Ich denke, die Rechnung geht auf. Die Leute werden heiß auf die Platte und wollen sie unbedingt haben. Viele werden sie auch vorher illegal runterladen, die haben dann die Musik und das ist dann ja egal, ob man sie vorher gehört hat, oder nicht. Aber wer das Produkt Musik in einer guten Qualität mit Booklet und Digipack (mit vier Bonus-Songs) und allem, was einen Anreiz gibt, zu schätzen weiß, der wird auch weiterhin los gehen und sich eine CD kaufen, dem Rest kann man eh nicht mehr helfen. Was sagt man eigentlich als Band dazu, dass Journalisten etc. auch keine CD’s mehr erhalten, sondern Downloads bekommen. Ich konnte das Album bisher auch nur über meinen Ipod hören. Das geht nicht anders, auch die Musikindustrie ist von der Krise betroffen und da müssen die an allen Ecken und Enden sparen und solange nur an Promo-CD’s gespart wird, bin ich ja noch heilfroh. Schlimmer wäre es, wenn es keinen Tour-Support mehr gäbe, oder nur noch blanke CD’s ohne Extras veröffentlicht würden. In dieser digitalen Welt, in der es Usus ist, sich alles runterzuladen, kann ich das also gerade noch vertreten. Ich fand es immer schön, ein paar Wochen vor Release eine Promo-CD in den Händen zu halten, die konnte man auf einer richtigen Anlage hören etc. Aber die Downloads sind wohl nun mal die Zukunft und die wird man nicht aufhalten können. Da Eure Fans das Album schon vor Release gehört haben werden, sind die Reaktionen sicher bestens ausgefallen sein. Besser als wir dachten. Das sagt jede Band… Es ist bisher eindeutig, dass dieses Album den Leuten am besten gefällt. Es wird gesagt, dass in diesem Album noch mehr drin sei, dass wir noch abwechslungsreicher geworden sind – und genau diese Stichworte wollten wir hören. Es ist schön, wenn man so etwas gesagt bekommt, ohne es im Vorfeld anzupreisen. Das Interesse an uns ist so hoch wie nie zuvor. Auf unserer Myspace-Seite haben wir massig Clicks und auch Century Media sagen, dass das Interesse riesig ist. Ich bin sehr zufrieden damit und kann mich nicht beschweren. Stilistisch verwischt ja die Grenze vom Metalcore zum Death –oder Thrash Metal immer mehr. Bei „Stay Brutal“ zum Beispiel höre ich ziemlich viel Schweden Death heraus. Merkt man das auch beim Publikum, dass es sich eben wandelt? Ihr kommt ja ursprünglich aus einer ganz anderen Szene. Ich hoffe nicht, dass es sich wandelt, ich hoffe, dass unsere alten Fans uns vielmehr auch weiterhin die Stange halten und sehen, dass wir stilistisch einfach vieles mixen. Es ist ja nicht so, dass wir irgendetwas weg gelassen und dafür etwas anderes eingebaut haben. Wir versuchen einfach unsere Einflüsse – wir sind fünf Leute und bei jedem ist das verschieden – unter einen Hut zu bringen. Und wenn die ganzen Leute, die sich von der Platte angesprochen fühlen, das Merch kaufen und mit uns Spaß haben, dann ist doch alles gut. Wir haben eh Probleme mit diesen ganzen Schubladen und Genres, weil nirgendwo so richtig reinpassen. Wir sind keine richtige Death Metal band, wir sind keine richtige Hardcore Band und Metalcore sind wir auch nicht so wirklich, von daher ist es schon schwierig, da eine passende Bezeichnung für unsere Musik zu finden. Ich bin offen für alle, die mit uns Spaß haben wollen, egal aus welcher Richtung. Mit dem Schweden Death liege ich aber nicht ganz falsch. Überhaupt nicht, gerade schwedischer Death Metal ist für mich der Inbegriff von Death Metal überhaupt. Ich bin mittlerweile ein bisschen davon weg und es gibt nur wenige neue Bands, die mich interessieren. Wenn ich Death Metal höre, dann den aus den frühen Neunzigern, von Helden wie DISMEMBER, ENTOMBED, NIHILIST etc. das ist der gute alte Death Metal, der muss rumpeln und eben auch alt klingen. Bei „Endorsed by Hate“ gab es für die Texte ordentlich auf die Kappe, da sie sich aus der Sicht einiger Alt-Fans zu sehr von der Straight Edge Thematik entfernt hatten, beziehungsweise von anderen Themen handelten, danach wurde ein wenig korrigiert. Wie ist das jetzt? Wir hatten vornehmlich gar keine typischen Straight Edge Texte. Auf der ersten Platte, gab es da zwei, drei Nummern, aber zuletzt hatten wir das Thema gar nicht behandelt, wenn überhaupt, dann nur zwischen den Texten. Wir haben unser Spektrum eben erweitert, seitdem wir bei Century Media sind. Wir sind lockerer geworden und haben auch viel experimentiert kryptische Sachen und persönliche Dinge in den Texten untergebracht. Ich bin sehr stolz auf unsere Texte, die ich mit meinem Bruder zusammen schreibe. Ich finde es wichtig, dass die Leute wieder mehr CDs und LPss kaufen, damit man sich eben auch mehr damit beschäftigen kann. Umweltschutz ist so ein Thema, dass bei MAROON häufig vorkommt, ich habe so das Gefühl, dass es all den Leuten, die davon reden gar nicht mal so wichtig ist. Eher ist das doch ein nettes Instrument, um Panik zu stiften. Ich sehe uns als Band, die ihren Hören den Spiegel vorhalten möchte. Ich sagen ja keinem, dass er ein Öko-Auto kaufen soll, sondern nur, welche Folgen es haben könnte, wenn wir alle so weiter machen, wie bisher. Man soll selber anfangen zu denken und zu gucken, was für Alternativen es zum eigenen handeln gibt. Was auf jeden Fall besser ist, als das Politiker-Geschwafel, egal aus welchem Spektrum es kommen mag. Davon haben die Leute auch so langsam genug. Gerade bei diesem Thema meint ja jeder, mitreden zu können, um es eben für die eigenen Zwecke instrumentalisieren zu können. 0815 Künstler, Sportler und was weiß ich, jeder meint jetzt etwas zum Umweltschutz und 3-Liter Autos erzählen zu können. Sowas machen wir nicht, wir verpacken das in den Texten und die Leute sollen sich dazu ihre eigenen Gedanken machen. Du gehörst wie Mille von KREATOR zu den Leuten in der Szene, die ihre politische Meinung offen vertreten. Die derzeitige Situation, Finanzkrise, Arbeitsplatzabbau etc. muss doch Wasser auf die Mühlen einen bekennenden Linken sein. Das Schlimme ist ja, dass gerade genau das eintritt, was Leute, die sich damit beschäftigt haben, vorhergesehen haben und ich will nicht hoffen, dass noch das kommt, was ich schon in meinen Texten verarbeitet haben, denn sonst ist hier bald alles im Arsch. Es zeigt sich nun die Macht des Kapitals, dass gerade dann alles schief geht, wenn diese macht ausgespielt wird. Es ist schlimm zu sehen, wie alles und jeder durch das Instrument Geld zum Monster mutiert. Das ist schon krass, man hält sich an irgendwelche Wall Street Leute, die ihr ganzes Hab und Gut aufs Spiel setzen und lieber sich und ihre Familie umbringen würden, als wieder bei Null anzufangen. Ich denke, der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht, das dicke Ende wird noch kommen, aber das wird uns natürlich kein Politiker erzählen wollen. Ich hab mal in einem Interview mit dem Spiegel gelesen, dass Du privat Folk und Klassik hörst. Braucht man das, um die eigene Musik besser reflektieren zu können, oder hast Du von dem Rumgebrülle ab und an einfach die Schnauze voll. Ich habe da eigentlich keine Verbindung mehr zum Metal und besonders nicht zum Metalcore. Ich höre und schätze Folk und Neo Folk sehr, eben weil es eine ganz andere Musikrichtung ist. Ich mag dann auch Klassik, höre viel Industrial Zeug, EBM und Grufti-Kram. Das Spektrum sollte so weit wie möglich sein, zum anderen ist es natürlich auch so, dass ich ein bisschen das Interesse am Metal verloren habe. Wie vorhin auch schon gesagt, ich höre gerne alten Metal, besonders Death Metal aber auch gerne Black Metal, weil es eben alt ist und mir gefällt. Ich will auch gar nicht in Abrede stellen, dass es hin und wieder gute neue Bands zu entdecken gibt aber das interessiert mich halt nicht so. Ich unterscheide nicht nach Musikrichtungen, sondern nach guter und nach schlechter Musik. (lk) |
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