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10.05.2009 God Dethroned
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Wenn man einen Blick auf die Reviews zu „Passiondale“ wirft, kommt man zur Schlussfolgerung, dass Du gerade richtig zufrieden und glücklich sein musst.
Das stimmt, ich bin richtig happy. Ich habe mir die Reviews natürlich angesehen und sie sind alle richtig gut. Ich kann mich nicht entsinnen, dass auch nur eines dabei gewesen ist, das schlecht gewesen ist. Da war kein Rezensent dabei, dem das Album nicht gefällt. Was nach normalem Menschenverstand auch unmöglich sein dürfte… Danke, das ist natürlich ein Riesenkompliment. Wir versuchen natürlich immer, unser Bestes zu geben, um mit einem guten Album rumzukommen, aber diesmal, scheint es auch irgendwelchen Gründen ein Volltreffer geworden zu sein. Das ist natürlich ein richtig gutes Gefühl. Wo hast Du die Melodien zu „Poison Fog“ und zum Titeltrack gefunden, die sind ja unglaublich? Das ist eine gute Frage, die überkamen mich einfach. Es gibt einen großen Unterschied zwischen diesem Album und den anderen. Ich hatte viel mehr Zeit, um über das nachzudenken und das zu überdenken, was ich mache. Nach den Aufnahmen zu „The Toxic Touch“ und der folgenden Tour mit VADER war ich einfach ausgebrannt, und wollte nur noch Zuhause sein, um mich um meine Familie zu kümmern und meinen Vater sehen zu können, der Krebs hatte. Von dem Zeitpunkt an dauerte es noch ein Jahr, bis mein Vater starb. Ich brauchte dann gute sechs Monate, um wieder auf die Beine zu kommen. Ich hatte also Zeit, um meine Batterien wieder aufzuladen und als ich mir sicher war, wieder einer Lage zu sein, ein Album komponieren zu können, fing ich mit dem Schreiben an. Und die Songs, die ich schrieb fühlten sich stärker als in der Vergangenheit an, weil ich mich eben viel stärker fühlte. „Passiondale“ ist das Resultat dieser Phase. Ihr habt ein neues Line Up, unter anderem ist mit Susan Gerl eine Frau zu Euch gestoßen. Wird die neue Besetzung etwas für die Zukunft sein und Stabilität garantieren können? Ich hoffe doch, allerdings ist das komisch. Jeder erzählt etwas von Line Up Wechseln, als ob ich bei uns jede Stunde etwas ändern würde aber das ist einfach nicht richtig. Zunächst einmal kann man den Start von 1992 gar nicht dazu zählen, weil die Band sich schon schnell wieder trennte. Der richtige GOD DETHRONED Start war 1996. Und wenn man sich mal ansieht, dass wir von „The Grand Grimoire“ bis „Passiondale“ mit Susan jetzt den (die) dritte(n) Gitarristen haben, Henk ist der zweite Bassist und Roel ist einfach nur zurück gekommen. Er ist mal ausgestiegen und nun wieder da, also kann man da nur von einem Drummer sprechen. So, und trotzdem glauben viele, wir hätten 20 Leute in der Band gehabt, dabei waren es in den letzten 13 Jahren vielleicht vier oder fünf. Naja, das ist in deutschen Magazinen relativ oft zu lesen… Vielleicht denken die einfach, dass es etwas ganz Spezielles ist, dass wir nun eine Frau in der Band haben…? Das ist ja auch etwas Spezielles und wir kennen sie auch schon recht lange. Isaac hat die Band vor den Aufnahmen verlassen und auch keine Songs geschrieben, also hatten wir uns dafür entschieden, die Platte zu dritt zu machen, als einen Gitarristen zu suchen, den man dann auch erst einmal einarbeiten müsste. Das Problem dabei ist nicht, einen Gitarristen zu finden, sondern einen zu finden, der so tickt wie wir, der ja auch mit uns auskommen muss also haben wir das nach hinten geschoben. Susan hat uns dann eine Email geschrieben und wollte eine Audition machen. Roel, der in ihrer Nähe wohnt, ärgerte sich, dass er nicht selber auf sie gekommen ist. Sie kam vorbei, spielte vor uns beherrschte sogar Isaacs guitar leads, was nicht so einfach ist, weil sie recht kompliziert sind. Und da sie die gleiche Mentalität hat wie wir, hatten wir die neue Gitarristin gefunden, sie ist einfach die Richtige! Krieg, ob nun WWI oder WWII dient Death Metal Bands recht häufig als Thema für ein Album. Was hat Dich dazu bewogen, über den wohl sinnlosesten Krieg in der Geschichte der Menschheit zu schreiben? Isaac lebt in Ypern, im Süden Belgiens, wo diese Schlacht stattfand, das heißt, die fanden nicht direkt in Ypern statt, sondern in Passchendaele, einem kleinen Dorf, das gut drei Kilometer von Ypern entfernt ist. Dort standen sich die Armeen gegenüber. Wenn man sich Bilder der Gegend dort vor und nach dem Krieg anschaut, erkennt man das ganze Ausmaß. Da ist wirklich gar nichts übrig geblieben, rein gar nichts. Man kann die Gegend gar nicht mehr wieder erkennen. Auf die Idee bin ich gekommen, weil ich Isaac oft besucht habe und in Ypern dann die ganzen Friedhöfe und Kriegsdenkmäler gesehen habe, die Stadt ist voll davon. Es gibt dort viele Briten, die jede Woche vorbei kommen, um die Gräber ihrer verwandten zu besuchen, die ihr Leben in diesem Krieg lassen mussten, das ist sehr eindrucksvoll, wenn man das mitbekommt. Ich habe natürlich vom Ersten Weltkrieg gewusst, aber nicht wirklich viel. Da ich ein Geschichts-Freak bin, habe ich mich damit beschäftigt. Ich habe Museen besucht und stundenlang in Bibliotheken gelesen. In der Zeit habe ich so viele grauenhafte Dinge über diesen Krieg erfahren und habe ich dann dafür entschieden, ein Konzept-Album über diesen kranken Krieg zu schreiben, denn das wollte ich schon immer einmal machen. Wir hatten zwar schon immer historische Themen angesprochen, aber nie ein Album über ein und dasselbe Thema gemacht. Und das war am Anfang gar nicht mal so einfach, weil ich keinen politischen Standpunkt einnehmen wollte, also hab ich alles aus neutraler Sicht geschrieben. Das ist natürlich schwer, du kannst nicht über Deutsche, nicht über Engländer und nicht über Franzosen sprechen nur über die Situationen. Mit der Zeit und Song für Song wurde das aber einfacher und klappte auch immer besser. Ich war mir auch nicht sicher, ob die Beschreibungen passen würden und ob die Lyrics wirklich gut seien, aber offensichtlich ist es so. Hast Du einen Lieblingssong vom neuen Album? „Poison Fog“ gehört zu meinen Favoriten, da er so viel Aggressivität auf der einen Seite und so viel Melodie und Melancholie auf der anderen Seite transportiert. Dazu tragen die cleanen Vocals viel zur Atmosphäre bei. Die passen richtig gut. Die cleanen Parts beschreiben in den Songs einen anderen Standpunkt, dafür wollten wir eine andere Stimme haben. Ich habe mich da für cleane Vocals entschieden, weil sich eine ganz andere Atmosphäre rüberbringen und einen guten Kontrast darstellen. Natürlich haben sich auch einige Leute gefragt, ob das überhaupt zu einer Band wie GOD DETHRONED passen würde. Aus Deiner persönlichen Sicht, war WWI der sinnloseste Krieg aller Zeiten? Krieg ist zwar irgendwie immer sinnlos, aber dieser hier hatte doch eine ganz spezielle Qualität. Die Deutschen zum Beispiel dachten, es würde sich wie 1870/71 abspielen: mal kurz in den Krieg, gewinnen und nach sechs Wochen wieder zu Hause sein. Das ist der Fehler, den alle gemacht haben. Angefangen hatte man sogar mit Kavallerie-Einheiten, mit Pferden ritt man auf die Gegner zu, aber die Maschinengewehre mähten natürlich alles nieder. Kavallerie machte natürlich keinen Sinn. Während des Stellungskrieges hat man dann andere Dinge erfunden, um den Krieg zu gewinnen, man begann mit chemischen Waffen wie Senfgas. Zum Ende des Krieges gab es dann die ersten Panzer Schlachten. WWI war insgesamt der erste Krieg, wo Nationen in der Entwicklung neuer Waffen wetteiferten, um ihn für sich zu entscheiden, krank. Krank war auch die Propaganda, die Menschen aus den Kolonien anlockte mit dem Versprechen etwas Gutes tun zu können und die Möglichkeit zu haben, fremde Länder kennen lernen zu können. Dazu die Aussucht, dass der Krieg schon im Herbst vorbei sein würde. Nun, die Realität sah nun ganz anders aus. Man fragt sich, für was die eigentlich gekämpft haben. Im Zweiten Weltkrieg ging es ja noch darum, die Welt von einem Aggressor zu befreien. Ich denke, das haben die alle selber nicht gewusst. Jede Nation in Europa hat sich argwöhnisch angeblickt. Engländer und Franzosen konnten sich noch nie leiden, also haben die Franzosen mit den Russen paktiert, während die Deutschen, die die Franzosen auch nicht leiden konnten sich mit Österreich-Ungarn zusammen getan haben. Eigentlich haben alle nur auf den großen Krieg gewartet und brauchten den richtigen Anlass dafür. Man dachte wohl, dass ein Krieg alle weiteren verhindern und so endgültigen Frieden bringen könnte. Ja, es war ein ziemlich sinnloser Krieg. „Passiondale“ ist ein Album über den ganzen Krieg, nicht nur über die Schlachten dort. Das habe ich im Booklet so nicht zum Ausdruck gebracht, aber das wollte ich hier nochmal erwähnen. Es ist auch das härteste GOD DETHRONED Album in der letzten Zeit, Ihr seid wieder wesentlich härter geworden. Absicht? Viele Fans wollten Euch ja mehr back to the roots gehen sehen. Ja, das wollten wir auch so und ich denke, dass „The Toxic Touch“ zu sehr in die melodiöse Ecke ging, es war ein Experiment. Isaac und Arien waren zu der Zeit der Grund dafür, zu experimentieren und langsamere, melodischere Songs zu schreiben. Dieses Album passt nicht so recht zu unseren anderen Alben. Es war zu lasch und zu nett, einfach nicht das, wofür GOD DETHRONED stehen. Natürlich sind die Songs richtig gut, es hätte nur nicht GOD DETHRONED auf der CD stehen dürfen, aber das ist meine persönliche Meinung. Deshalb glaube ich, dass „Passiondale“ die richtige Antwort ist. Es ist brutaler und vereint die Brutalität mit Melodie und Melancholie. (lk) |
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