Interview

22.05.2009 Stratovarius
 
Während STRATOVARIUS ihr neues Album bereits in Manchaster promoten, hatten wir die Chance mit Jens Johansson zu telefonieren und Antworten auf die vielen Fragen zu den letzten Monaten der Band zu erhalten. Und wer irgendwann glaubt, den Keyboardvirtuosen in einem ICE durch Deutschland fahren zu sehen, der hat weder zu viel getrunken noch Halluzinationen…
Ich bin wirklich froh, dass ihr nach all den Problemen und den vielen Tiefen in der Vergangenheit die Kraft gefunden habt, weiter zu machen. Das sah ja zwischendurch nicht so aus...

Ja ich weiß, es war sehr kompliziert. Ich bin auch sehr froh darüber, es ist ein gutes Album geworden. Natürlich freue ich mich, dass die Leute es mögen, denn du weißt nie, wie ein Album aufgenommen wird, wenn du es heraus bringst. Es war ein Experiment für uns. Als Timo Tolkki uns verlassen hat, haben wir uns entschieden, einfach etwas zu machen, ein paar Songs auszuprobieren. Wir haben uns also zusammengesetzt und ein paar Songs geschrieben und anschließend die Drums aufgenommen. An dem Punkt war uns klar, dass es gut sein wird, ein Album zu machen, auch wenn wir gar keinen Plattenvertrag zu der Zeit hatten. Also haben wir es selbst produziert und finanziert. Und danach haben wir den Vertrag bekommen.

Wie verlief das Songwriting? Immerhin ist mit Timo Tolkki der Hauptsongwriter und Produzent gegangen...

Es war überraschend einfach. In der Vergangenheit, besonders in den letzten Jahren, mussten wir warten, bis er neue Songs geschrieben hatte. Wir haben ihm alle vertraut und ihm die Entscheidungen überlassen, was die musikalische Richtung der Band betrifft. Aber es gab natürlich auch Phasen, wo er nicht arbeiten konnte und wir lange warten mussten. In dieser Kombination heute haben wir vier Personen, die Songs schreiben, wir hatten viel zu viel Material am Ende. Wir haben 17 Songs als Demo aufgenommen und unter diesen dann ausgewählt. Wir haben die Drums in einem alten Farmhaus im Wald aufgenommen, welches wir von einem Freund gemietet hatten für 3 Wochen. Unser Drummer Jörg und ich haben dort gewohnt und aufgenommen. Es hat viele Zimmer und es ist ein recht großes Haus am See, ein sehr schöner Platz. Die Drums dort aufzunehmen und dort zu Leben mit 2 Personen hat uns nur 500 Euro pro Woche gekostet. Das war auch ein Teil des Experimentes, alles etwas runter zu schrauben, aber immer noch professionell zu sein. Wir brachten professionelles Equipment mit, aber wir waren nicht in einem Studio, um die Drums aufzunehmen. Eigentlich waren die Aufnahmen nur für das Demo gedacht, aber dann merkten wir, dass sie gut genug sind fürs Album.

Das hört sich ja sehr idyllisch an. Man denkt dabei aber auch gleich an Sauna, Wodka und lange Nächte...

Ja, natürlich. Das Gute an so einem Haus ist, dass du weit weg bist von der Stadt. Du wirst nicht abgelenkt. Es gibt nichts anderes als die Aufnahmen. Wir waren auch noch in einem anderen Farmhaus, ungefähr 6 Stunden mit dem Auto nördlich von Helsinki. Es war sehr entspannt.

In wie weit hat Euch die Erwartungshaltung Eurer Fans beeinflusst?

Eigentlich gar nicht so viel. Wir haben uns einfach gedacht, dass wir etwas zusammen machen wollen und nicht aufgeben möchten. Wir haben einen neuen Gitarristen gefunden, ein paar Songs geschrieben und wollten abwarten, wie sie klingen. An diesem Punkt erst haben wir uns entschieden, den Namen Stratovarius beizubehalten, denn wir waren uns vorher nicht sicher, wie die Songs auch nach Stratovarius klingen würden. Es war also ein ganz natürlicher Weg. Für uns war es dennoch eine ganz neue Erfahrung, denn in der Vergangenheit hatten wir erst einen Plattenvertrag, dann haben wir auf die Songs von Timo Tolkki gewartet und anschließend aufgenommen. Jetzt war es genau umgekehrt.

Gab es konkrete Fehler in der Vergangenheit, die ihr im Vorwege zum Neustart gleich ausgeräumt habt?

Nein, ich würde nicht sagen, dass es Fehler waren. Es gab natürlich viele Probleme, aber das würde jetzt eine ganze Stunde dauern, die alle zu erzählen. Es war natürlich auch vieles dabei, was nichts mit der Musik zu tun hatte. Aber wenn du Musik machen und veröffentlichen möchtest, musst du auch damit klar kommen, das ist Business. Wenn du ein Album auf der ganzen Welt veröffentlichen möchtest, kannst du das nicht selbst machen. Du brauchst Verträge, Kooperationen, Partner. Es gibt einiges, was du nicht selbst machen kannst. Das Wichtigste ist, dass du ein Album heraus bringst und die Leute es mögen, dass vergisst man natürlich nie, aber manchmal gibt es so viele andere Dinge, dass du nicht weißt, wo du anfangen sollst. Aber wir haben es geschafft und sind glücklich mit dem Album.

Eine ausgiebige Tour ist in Deutschland bislang nicht geplant, abgesehen von den zwei Wacken Shows. Kommt da noch was?

Ja, ich denke nächstes Jahr oder diesen Winter, Dezember oder Januar. Es wird eine lange Europatour geben.

In den nächsten Monaten seid ihr wieder viel unterwegs. Hast Du ein Transportmittel, das du bevorzugst? Die Pet Shop Boys fahren z.B. gerne mit dem Zug, wo es möglich ist.

Ich mag Züge auch sehr, das Fliegen dagegen gar nicht so sehr. Ich bin auch in Deutschland schon sehr oft mit dem Zug gefahren, mit der „Deutschen Bahn“. ICE heißt doch der schnelle Zug, richtig? Das ist viel besser als zu fliegen, denn du kommst direkt in der Stadtmitte an. Du musst nicht dein Gepäck einchecken und wieder auschecken, du bist direkt in der Stadt und musst nicht noch zum Flughafen raus fahren.

Der Titel „Polarstern“ passt bei Euch wie die Faust aufs Auge. Sowohl da ihr aus dem hohen Norden kommt, als auch, dass ein neuer Stern für euch aufgeht und ganz hell scheint. Wer hatte die Idee?

Das war Lauri, unser Bassist. Er hat eine eMail geschickt, einfach so, aus heiterem Himmel mit dem Inhalt „Hej, warum nennen wir das Album nicht Polaris?“. Ich dachte noch, wow, das ist geil. Alle anderen dachten das auch und so haben wir es genommen. Da gab es keine Diskussionen.

Es ist natürlich praktisch, dass Euer neuer Gitarrist ein Studio zur Hälfte besitzt und auch als Produzent aktiv ist. In wie weit konnte er sich bereits einbringen?

Jeder hat sich in die Songs eingebracht. Ich habe 3 oder 4 Songs geschrieben, Lauri auch, Matias hat 1 oder 2 geschrieben, wir haben die Ideen auch vermischt in den Songs. Es war sehr entspannt.

Wie seid ihr auf ihn gekommen? So weit ich weiß, war die Stelle nie ausgeschrieben?

Nein, wir haben auch nicht offiziell gesucht. Wir kannten jemanden, der ihn vom Guitar Heroes Gig in Helsinki kannte und ihn vorgeschlagen hat. Wir haben uns ein paar Videos auf Youtube angesehen und dachten, der ist wirklich gut. Dann haben wir mit ihm gesprochen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir weder einen Bandnamen noch Songs. Er ist ein guter Gitarrist und wir wollten mit ihm zusammen schreiben. Es war ja nicht mal eine richtige Band zu dem Zeitpunkt, es waren vier Personen die zusammen schreiben wollten. (tennessee)

 
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