Interview

05.02.2010 Smoke Blow
 
Eigentlich standen bei SMOKE BLOW ja Hausbau, Familie und Otto-Normal-Arbeit auf dem Programm. Eine lange Tour oder gar eine neue Platte waren nach bandeigenen Aussagen erstmal in weite Ferne gerückt. Doch uneigentlich ist die Bühne ja auch ein Zuhause, die Band kann eine super Ersatzfamilie sein und Rockmusik irgendwie schon in Arbeit ausarten...Deswegen und vor allem weil SMOKE BLOW eben doch noch nicht zum alten Eisen gehören, steht das neue Album „The Record“ in den Verkaufsregalen und die Tour in den Startlöchern. Greif Hellhammer über Rückbesinnung, Investitionen und Tipps gegen das Einrosten...und das gemütlich von zuhause aus!
Seid Ihr vor so einem Release noch aufgeregt oder schon im „Alte-Hasen-Modus“?

So eine Frage kam eben schon mal, das ist lustig. Jein, also ich werde aufgeregter je näher der Termin rückt. Das ist ja auch schon die siebte Platte und nochmal interessant, weil die so ganz anders ist als die letzten. Da ist man natürlich gespannt auf die Reaktion der Leute. Aber was ich jetzt schon so im Vorfeld höre, die Begeisterung die da rüber kommt, das ist schon aufregend!

Und inwiefern ist die Platte anders, aus eurer Sicht? Der Vorgänger „Colossus“ ist ja als recht lässig und sonnig empfunden worden.

Ja eben und so war sie auch. Aber sonnig ist diese jetzt gar nicht, eher düster und verdammt hart.

Wie seid Ihr da ran gegangen? Hattet ihr die explizite Vorstellung, dass „The Record“ definitiv anders werden soll als die alte?

Wenn man unsere Platten so durchhört, haben wir ja immer versucht die Vorhergehende nicht zu wiederholen, sondern lieber zu toppen oder aufzuheben oder wie auch immer.

D.h. ihr wolltet auch wirklich was verändern. Nicht dass ihr einfach drauf losspielt und entweder wird sie wie die alte oder es kommt eben was anderes dabei raus?

Wir wollen uns nicht wiederholen, darum geht’s in erster Linie. Das ist natürlich so ne Sache...Wir haben nen Stiefel, unseren Sound, deswegen erkennt man uns ja auch trotzdem immer wieder. Aber die Vorgabe war schon, das muss jetzt einfach hart werden, nicht so viele Melodien. Wir hatten uns das letzte Mal so den Arsch aufgerissen mit diesen ganzen Melodien und so. Das wollten wir diesmal eben nicht so machen und haben gesagt, hart und frisch muss es sein...Joa, und ich glaub, das ist uns auch ziemlich gut gelungen!

War es denn geplant dass die Produktion so international wird? Ich glaube ihr wart u.a. zum mixen in New York...?

Ja, wobei wir selber nicht hingefahren sind. Das ging alles übers Netz, heutzutage geht das ja. Geplant von vorneherein war das nicht. Geplant war nur, dass wir das in Berlin bei Tom Schwoll (JINGO DE LUNCH, Anm. d. Redaktion) im Schaltraum aufnehmen. Dann haben wir noch ein paar wenige Overdub-Sachen bei uns im Studio gemacht. Normalerweise war das immer so, dass wir die Basics im Studio einspielen und zuhause dann den Rest fertig machen. Im Prinzip haben wir das jetzt auch gemacht, wobei Letten für den Gesang nochmal extra nach Berlin gegangen ist. Und dann überlegt man: „Joa Mensch, wo gehst ’n nachher hin zum abmischen? Wen gibt’s hier in Deutschland?“ Wir hatten schon die Vorstellung, dass es ein Metal-Mischer sein muss und sind dann eben auf diesen Alex Newport gekommen. Der hat auch einfach so reagiert, dass es cool war...der hatte Bock drauf, der fand das Zeug prima, das wir ihm vorab geschickt hatten. Hat super reagiert und nicht gleich über Geld geredet. Man hört ja teilweise wahnsinnige Summen, wenn man da irgendwo anfragt. Summen, die sich eine Band wie wir einfach nicht leisten kann. Die wollen teilweise 5000 Dollar für einen Tag haben...das ist unser ganzes Budget (lacht)...das können wir ja nu nicht für das Mixen eines Songs ausgeben. Seine Reaktion war cool, es hat gepasst und das Ergebnis ist auch einfach gut geworden.

Und die Rechnung war dann auch nicht so hoch?

Nee, das war erschwinglich. Sicher ist das mehr als hier, aber es hat sich gelohnt. Das wollten wir uns auch bis zu einem gewissen Grad mal leisten. Man muss auch einfach mal übern Tellerrand gucken. Klar, die machen das schon anders da in Amerika und wenn man was Neues, was Anderes ausprobieren will, muss man auch einen Schritt weitergehen.

Bringt ihr die Platte denn jetzt auch international raus? Beim letzten Mal waren’s Österreich und Schweiz...

Da sind wir jetzt dran mit der Plattenfirma, das liegt in ihren Händen. Da können wir nur sagen: „Bitte macht!“ Ich denke mal so wie die Platte ankommen wird...sieht ja ganz gut aus...werden die da auch mutiger sein. Ich hoffe es! Aber da kann man selbst viel wollen, kannst aber letztlich nur hingehen, „ Macht mal!“...Entweder sie machen’s oder nicht. [PIAS] (Plattenfirma, Anm. d. Redaktion) hätte die Verbindungen und ich denke, die werden das auch machen. Das letzte Mal war’s ja die erste Platte bei denen und das lief ja eigentlich auch ganz gut. Dadurch, dass die Plattenverkäufe allgemein tierisch zurückgegangen sind, sind die da natürlich auch vorsichtiger. Aber ich glaube die haben auch gesehen, dass unser Ding trotzdem noch ging. Und nun zeichnet sich ja schon ab, dass „The Record“ so viele Reaktionen hervorruft, dass man sich das vielleicht erlauben könnte.

Hat es denn mit diesen Plänen zu tun, dass Ihr jetzt auf deutsche Texte verzichtet habt?

Also beim letzten Mal war’s ein Experiment. Da ist jetzt spontan nichts deutsches gekommen und ich weiß auch nicht, ob es wirklich gepasst hätte...Naja, warum nicht?...Aber nee, die Diskussion stand gar nicht wirklich im Raum. Für die „Colossus“ war es okay, aber jetzt haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht. Die Prämisse war: Es soll hart werden und es sollen kompakte Songs sein. Da hatten wir halt Bock drauf. Was hätten wir auch machen sollen nach der letzten Platte? Diese „Colossus“ ist teilweise schon ganz schön poppig und ich glaube, wenn man darauf weiter aufgebaut hätte...da kann man sich ganz schön schnell verirren.

Hauptsache ist, dass es euch als Band Spaß macht. Dann hört man das ja automatisch in der Musik.

Ja, und das hat es auch. Das war halt mal eine andere Herausforderung...diese Härte rüberzubringen. Es ist sinnlos anderer Erwartungen zu erfüllen, lieber das Gegenteil von dem was alle erwarten. (lacht) Macht ja auch mehr Spaß!

Jo, das ist ja auch Punk, ne?

Ja und darum geht es ja letzten Endes. Aber das verlieren viele Bands aus den Augen.

Was überrascht hat war, dass ihr so schnell ein neues Album hinterher geschoben habt. Eigentlich wolltet ihr es doch ein wenig ruhiger angehen lassen? Ein Haus bauen, arbeiten...?

Ja, so ist es auch. Unser einer Gitarrist ist gerade Vater geworden. Klar, so eine Plattenproduktion ist für uns natürlich auch ganz schön aufreibend. Wir reißen uns da schon den Arsch auf und man ist fertig hinterher. Das kommen schon so Sprüche wie: „boah, das war das letzte Mal! Nie wieder!“ (lacht) Aber auch wenn man das gerade gesagt hat, will man eigentlich schon wieder weitermachen. Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass wir ja auch nicht mehr die Jüngsten sind. Wir müssen da jetzt reinhauen und am Ball bleiben. Und wir haben direkt ein Vierteljahr nachdem die Platte raus war, wieder angefangen neue Songs zu schreiben, angefangen aufzunehmen haben wir letzte Ostern. Da ging schon das eine in das andere über. Aber das war auch gut so! Man muss sich als Band aber auch ein bisschen am Riemen reißen. Hätten wir nach der letzen Platte so eine lange Pause gemacht und dann nachher wieder aufraffen...wenn man noch warm ist, gleich einen hinterher schieben!

Thema Tour. Ihr seid seit längerem bei KKT unter Vertrag, die auch DIE ÄRZTE betreuen. Wie hat sich das auf euch ausgewirkt?

Das ist schon unsere, ich weiß gar nicht wievielte, Bookingfirma. Irgendwann merkt man, dass man an einen Punkt kommt, an dem man weiter möchte. Und mit KKT eröffnen sich natürlich ganz andere Möglichkeiten und Wege. Klar, jede Agentur hat so ihre Kreise und man möchte auch mal weiter raus, wenn man merkt, dass man immer in denselben Läden spielt. Das wird irgendwann öde. Das mit der KKT hatte sich auf einem ganz guten Weg ergeben – dadurch, dass Bela da ja auch ist und er auf der „Dark Angel“ mitgemacht hatte...Ja das sind so Sachen, die ergeben sich so, wenn man weiterkommen will. Und bis jetzt hat das auch ganz gut geklappt mit denen. Diese riesen Shows, wie hätte man da rankommen sollen, mit den TOTEN HOSEN und den ÄRZTEN? Solche Shows mal zu spielen, das hat uns auf jeden Fall weitergebracht!

Bevor wir den Fragenkatalog zuklappen – Möchtest du den Lesern noch was mit auf den Weg geben, zum besseren Verständnis der Platte?

Ich glaube, die hört man sich an und versteht sie. Man hört dieses 80er Jahre Feeling, diesen ursprünglichen Hardcore-Gedanken...den spürt man einfach! Obwohl das ein sehr metallischer Hardcore ist, ist es kein Metalcore...Old School Hardcore, ein bisschen im Metalgewand...aber man kann ja nicht sagen, dass es Metalcore ist. Das wäre viel zu modern! Das Cover ist auch eher oldschoolig, so 80er-mäßig. Wie gesagt, hart sollte es sein und dieser „ursprüngliche Gedanke“ sollte auch sein. Dieses Frische, Ursprüngliche der 80er Hardcorebands, das fehlt mir heute oftmals in der Musik. Genau das wollten wir und das hört man auch! (dan)
 
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Colossus
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The Record
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