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04.08.2010 Heaven Shall Burn
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Wie groß ist die Erleichterung, wenn man eine Platte im Kasten hat? Die Anspannung muss doch enorm sein, schließlich gehört Ihr zu den Bands, von denen man etwas Großes erwartet.
Sehr groß natürlich. Eine solche Albumproduktion bringt immer sehr viel Arbeit mit sich. Die Erwartungshaltung erzeugt schon auch einen gewissen Druck, aber man selbst fordert sich immer das Letzte ab. Es ist eine sehr intensive Zeit, in der man auch an Grenzen geht. Das ist selbst ohne die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit so. Deswegen ist die Erleichterung groß gewesen. Wie lange haben die Arbeiten an dem Album gedauert? Hattet Ihr die Ruhe, konzentriert an so einem Projekt zu arbeiten, oder habt auch Ihr heutzutage gar keine Zeit mehr für so eine Herangehensweise? Ich kann das jetzt gar nicht ganz genau sagen, da eigentlich permanent Ideen gesammelt werden. Das konkrete Songwriting begann aber circa im September 2009, die Aufnahmen starteten im Dezember 2009 und im Februar oder März war dann alles abgeschlossen. Früher war es so, dass wir einfach über einen längeren Zeitraum hinweg Songs geschrieben haben und ins Studio gegangen sind, wenn alles fertig war. Heutzutage müssen wir uns stärker konzentrieren und uns auch selbst Termine setzen. Man hat einfach nicht mehr die Zeit, jeden Tag im Proberaum rumzuhängen und zu warten, dass einen die Muse küsst. Dahingehend hat sich die Herangehensweise schon verändert, aber das Ergebnis bekommen wir auch so hin, dass wir 100%ig zufrieden sind. Hand auf’s Herz, als Musiker ist man ja nicht nur Künstler, sondern auch irgendwo am Business interessiert. Hat man da im Vorfeld bestimmte kommerzielle Erwartungen? Schließlich will man ja auch von etwas leben. Na ja, wir sind ja nicht so die typischen Mucker und betreiben die Musik nicht Vollzeit. Vielleicht ist es aber ein Fehler, dass viele Musiker so denken und mit bestimmten Einnahmen rechnen. Nun kann man aber schlecht mit Geld planen, welches man noch nicht verdient hat. Das ist bei einer anstehenden Tour genauso wie bei einem Album. Wobei man an der Platte so oder so nicht sonderlich viel verdient. Das Geld kommt durch Merch und Auftritte rein. Erwarten kann man aber nichts, weil immer etwas schief gehen kann. Wer mit noch nicht eingenommenem Geld kalkuliert, ist leider ein Idiot. Deswegen ist es auch bescheuert, Musik aus finanziellen Gründen zu machen. Wir sehen einfach was kommt und freuen uns dann, wenn alles klappt und wir was verdienen. Vor einigen Jahren noch hat man HSB munter in die Metalcore Ecke geschoben. Mittlerweile ist dieser viel zu inflationär gebrauchte Begriff, was die Musik angeht, nahezu verschwunden. Gibt es den eigentlichen Metalcore noch, oder wird er mittlerweile weile einfach unter dem Begriff Extrem-Metal subsumiert? Ehrlich gesagt, mache ich mir darüber keinen Kopf. Ich habe schon mitbekommen, dass der Begriff inflationär gebraucht wurde, aber dass er jetzt mehr und mehr verschwindet, habe ich zum Beispiel noch gar nicht so registriert. Den eigentlichen Metalcore hat es auch für mich nie wirklich gegeben. Wenn wir ehrlich sind wurde der Begriff doch hauptsächlich für Bands benutzt, die eben nicht so 100%ig ins durchschnittliche Metalklischee gepasst haben. Alles, was ein weniger anders oder etwas modern klang, wurde da abgestempelt. Dabei hatten die wenigsten Bands auch nur ansatzweise etwas mit „Core“ zu tun. Das ist in erster Linie keine musikalische Frage, sondern eine Frage der Herkunft der Band. Entweder man hat seine Wurzeln in der Hardcoreszene oder eben nicht. Die meisten Bands aus dieser Schublade hatten einfach nichts damit zu tun. „Invictus“ zeigt eine beeindruckende stilistische Vielfalt, es ist alles dabei von traditionellen Einflüssen über Thrash bis zu Death Metal, sogar einige Schwarzwurzelsounds sind auszumachen. Alles zusammen gepaart mit tollen Harmonien. Ist das die normale Entwicklung, die mit der Zeit stattfindet oder stattfinden muss oder ist da auch ein wenig Kalkül mit im Spiel? Wir spielen einfach das, worauf wir Lust haben. Beim Songwriting achten wir evtl. ein wenig darauf, wie die Songs zur Bewegung animieren können. Das ist zwar in erster Linie auf das Publikum abgezielt, aber hilft uns auch, die Songs mit der notwendigen Überzeugung rüberzubringen. Die Songs müssen uns selbst ja auch irgendwie bewegen, weil es sonst keinen Spaß macht, sie zu spielen. Ich denke schon dass das die normale Entwicklung ist, da man alle diese Elemente in verschiedenen Dosierungen schon von Anfang an immer mal wieder auf unseren Veröffentlichungen hören könnte. Natürlich verändern sich die Produktion- und Umsetzungsmöglichkeiten im Laufe der Jahre und heute fällt es uns einfacher, Dinge so auf CD zu bringen, wie sie uns wirklich im Kopf herumschwirren. Die genannten Einflüsse waren aber schon immer da, nur eben vielleicht in anderen Anteilen und vielleicht noch recht halbgar umgesetzt. Wie es sich für eine HSB Scheibe gehört, ist „Invictus“ textlich einmal mehr eine sehr interessante und tiefgründige Veranstaltung. Woher kommen die Inspirationen für solch facettenreiche Themenkomplexe? Da Maik die Ideen für die Texte hat und auch dafür verantwortlich ist, kann ich da nur bedingt antworten. Er ist aber vielseitig interessiert und liest auch viel. Dadurch stößt man dann natürlich auf die eine oder andere Sache, die einem immer wieder durch den Kopf geht und dazu anhält, einen Text zu schreiben. Generell ist es doch auch so, dass man nur mit offenen Augen durch das Leben gehen muss. Die Inspiration kann von überall herkommen. Die eigentlich Ausarbeitung der Themen und die Entwicklung eines Konzeptes fällt einem dann allerdings nicht so in den Schoß, sondern erfordert einiges an Recherche und Arbeit. Was in „The Lie You Bleed For“ beschrieben wird, trifft auf viele Menschen im heutigen Berufsleben zu, nur wird der Ottonormal-Bürger, der den Kühlschrank vollbekommen muss, kaum aus diesem Kreis ausbrechen können. Die Arbeitswelt hat eine unglaubliche Eigendynamik entwickelt, just in time gilt nicht mehr nur für die Produktion, sondern für alle Bereiche, wo menschliche Ressourcen genutzt werden. Nach Höherem für sich selbst können nur noch die Wenigsten streben, weil sie die meiste Zeit funktionieren müssen… Genau darum geht es ja in dem Song. In den meisten Fällen gibt es auch die ewige Angst um den Arbeitsplatz, die vom Arbeitgeber auch gezielt als Druckmittel eingesetzt wird. Wie viele Leute gibt es auch, die krank auf Arbeit rennen, weil sie es sich „nicht leisten können“, der Tätigkeit fernzubleiben. Da wird weder auf den Körper, noch auf den gesunden Menschenverstand gehört. Aber das ist ja mittlerweile schon normal. Existenzängste werden gezielt eingesetzt, um Leute zu steuern. Um Selbstverwirklichung geht es da schon lange nicht mehr. Das ist in den meisten Fällen eine Illusion, die aber von vielen Berufseinsteigern nach wenigen Wochen im Job, auch über Bord geworfen wird. Viele Leute verstellen sich komplett, um den vorgesetzten in den Allerwertesten zu kriechen und um auf der Karriereleiter nach oben zu klettern. Dass ein solches Leben auf Dauern nicht glücklich, sondern krank macht, ist normal. Erkrankungen wie schwere Depressionen oder Burn-Out sind ja nicht umsonst überall an der Tagesordnung. Historisch wird es mit „Sevastopol“ und „Return To Sanity“, wer ist der Historiker bei HSB? Beide Themenkomplexe gehören, will ich mal behaupten, nicht für jeden zur Allgemeinbildung. Das ist schon Maik, der ja auch die Texte komplett alleine schreibt. Es gibt natürlich Dinge, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat, aber unsere Texte handeln ja auch oft von Geschichten, auf die wir auch erst im Zuge der Auseinandersetzung gestoßen sind. Wenn wir dann denken, dass eine Story interessant und wissenswert ist, geben wir das auch gerne durch die Texte weiter. Man kann sich jetzt darüber streiten, was zu Allgemeinbildung gehören sollte und was nicht, aber ich denke schon, dass wir da insgesamt lesenswerte Dinge abliefern. Es ist ja nun nicht so, dass wir alle wandelnde Geschichtsbücher sind, aber warum sollten wir Dinge nicht teilen, auf die wir stoßen? Der eine kennt die Geschichte und ein anderer wiederum nicht. Dass wir die Geschichten verwenden, heißt ja nicht, dass wir denken, dass es zur Allgemeinbildung gehört. Dann müsste man ja außerdem nicht darauf hinweisen. Back to business, wie langen werdet Ihr noch CDs verkaufen, oder andersrum: wann wird der legale Download die CD überholt haben? Ui, wenn ich das wüsste. Für mich persönlich kann der Download, den traditionellen Tonträger als „Produkt“ aber nicht wirklich ersetzen. Ich nutze zwar auch die Vorzüge des MP3 in Bezug auf Mobilität, kaufe aber persönlich lieber CD oder LP. Ich kann nicht genau sagen, wie die jüngeren Leute diesbezüglich ticken. Ich kann zum Beispiel den Download von einzelnen Songs nicht nachvollziehen, da für mich nur ein Album als Gesamtwerk zählt. Diesen Denken in einzelnen Songs, kommt ja auch eher von den Anhängern der Popmusik, die immer nach DEM Hit suchen. Mittlerweile laden aber auch viele Kids im Metalbereich nur einzelne Tracks. Das kann ich persönlich absolut nicht nachvollziehen und genau deswegen fällt es mir auch schwer, mich da reinzudenken. Eine Prognose kann ich aus dem Grund einfach nicht abgeben. Wie machst Du das? Ipod mit dabei oder doch die CD-Sammlung? Ich habe den iPod immer dabei und empfinde es auch als extrem praktisch, die ganze Sammlung in der Tasche zu haben. Wenn ich eine neue CD kaufe, ziehe ich sie mir auch immer gleich auf das Gerät. Zuhause gibt es aber meist CD oder LP zu hören. (lk) |
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