Interview

13.06.2011 Kneipenterroristen
 
Es war ein Risiko, als sich die KNEIPENTERRORISTEN dazu entschieden, nicht als reine BO Cover-Band weiter zu machen, sondern sich von den „Vorbildern“ zu emanzipieren. Das Risiko hat sich, wie wir nunmehr bestens wissen, gelohnt und die Hamburger gehen dank starker eigener Alben und toller Shows nicht für wenige als derzeitige Nr. 1 in der Deutsch-Rock Szene durch. Wir haben mit Fronter Jörn Rüter über die Band und das formidable neue Album gesprochen.
Bekommt man nicht manchmal Angst, wenn man bedenkt, wo Ihr jetzt seid? Ihr spielt ja nicht mehr nur in kleinen Clubs, sondern auch richtig große Sachen.

Dass das mal so groß werden wird, habe ich nicht gedacht, die Band war eigentlich nur als eine Art Gag gedacht, dass wird dann mal TORMENT locker überholen, damit habe ich nie im Leben gerechnet aber darüber will ich mich nicht beschweren. Im September steht unser 1.000 Konzert an, dass wir als Headliner mal die Markthalle ausverkaufen würden, damit habe ich nie gerechnet.

Das ist gewaltig für eine Truppe, die mal als Tribute Band angefangen hat.

Dass wir das jetzt auch mit eigenen Songs geschafft haben, die Geschichte von einer Cover-band zu einer richtigen Band zu drehen, ist natürlich auch sehr angenehm. Und das war ja auch nicht ohne Risiko, das hätte auch gewaltig in die Hose gehen können.

Los ging das ja mit „Ketten und Leder“….

„Ketten und Leder“ war ja so ein Ding, weil der RUNNIG WILD Sampler bei mir bei Remedy Records anstand. Mit TORMENT hatte wir „Prisoner Of Our Time“ gemacht und ich dachte dann eben, dass mit den KNEIPENTERRORISTEN auch etwas machbar wäre. Tja, und dann stand „Chains And Leather“ – „Ketten Und Leder“ lag eben nahe. Wir haben das ausprobiert und gesehen, dass das funktioniert, obwohl der Song am Ende schon arg anders als Original klang. Wir haben dann gemerkt, dass man auch etwas eigenes machen kann. In erster Linie habe wir dann bei Soundchecks etwas rumgerifft und ich habe ein paar Texte geschrieben und so haben wir dann letztendlich die „Härter Als der Rest“ zusammen geschossen, das ist eine Platte, für die wir im Endeffekt nicht einmal im Proberaum gestanden haben. Mal kurz ins Studio, mal kurz ne Platte gemacht und so klingt sie auch. Aber dafür sind auch ein paar coole Riffs drauf, es war eben ein sehr spontanes Album. Von Album zu Album nimmt man sich jetzt natürlich etwas mehr Zeit und hat auch einen ganz anderen Anspruch. Unsere eigenen Sachen haben jetzt natürlich auch Priorität, wenn wir etwas mit Cover-Songs machen, ist es auch so, dass wir zwei Sets spielen, eins mit eigenen Songs und eins eben mit den Cover-Songs. Wir trennen das ganz klar.

Was nehmen die Fans denn besser an?

Die Fans gehen auch bei unseren Sachen, das haben wir gerade wieder in Hamburg erlebt, richtig steil, das ist das schon fett. Es ist aber auch klar, wenn man Sachen wie 2Stunde Des Siegers“ oder „Wir Ham Noch Lange Nicht Genug“ auspackt, da kaum rankommen kann. Das ist aber normal, wenn ich mit TORMENT „Overkill“ als Zugabe spiele, ist das genauso. Das kennt eben jeder und da muss man erstmal rankommen. Aber ich bin ja froh, dass die Leute unsere eigenen Sachen annehmen und abfeiern, dass hätte ich ja auch nie im Leben gedacht. Das war auch schon mal schwieriger, man hat ein ONKELZ Set gespielt, einen eigenen Song eingestreut und plötzlich war es viel ruhiger…das hat sich gelegt.

Der Opener und Titeltrack des neuen Albums geht voll in die ONKELZ Richtung, klingt für mich nach „Diese Lieder“.

Echt, finde ich gar nicht. Für mich geht das volle Kanne in die MOTÖRHEAD Richtung.

Okay, klingt aber trotzdem danach.

Gut, wenn man diese Musik seit dreizehn Jahren spielt und das auch mit deutschen Texten, dann ist das natürlich gut möglich. Dazu kommt, dass der Background der ONKELZ, als sie diese Songs geschrieben haben quasi der gleiche ist wie der der KNEIPENTERRORISTEN. Deswegen klingt dann wohl auch vieles ähnlich.

Die Nummer ist recht ungewöhnlich, so was habt Ihr bisher noch nicht gemacht und meiner Meinung nach ist es auch der beste Songs, den Ihr bisher so gemacht habt.

Das ist auch der Favorit unseres Produzenten, der den Song richtig geil findet. Ich finde ihn auch geil aber „13 Freunde“ ist mein persönlicher Favorit.

„Das Dreckige Dutzend“ beginnt mit einem schönen „You Could Be Mine“ Gedächtnisriff…

Ja, das ist unser Martin, das ein kleiner Hard Rocker. Sein Background liegt natürlich dort, bei MÖTLEY CRUE, GUNS’N ROSES usw. und was die Gitarre angeht ist er natürlich auch von Slash beeinflusst worden, von daher lag das wohl nicht so fern.

Wie viel Pathos steckt in dem Song oder ist das absichtlich viel Pathos drin? Ich meine nur Sonderpreise im Bordell…

Die gab es wirklich…aber daruf will ich jetzt nicht näher eingehen. Alles sauge ich mir nicht aus den Fingern, das hat eigentlich alles schon irgendwo einen realen Hintergrund. Ab und an kommen auch Leute aus den entsprechenden Mileus zu uns, auch aus aus der Rockerszene und dann bekommt man schon so lustige Angebote. Also die Band lebt schon das, was da auf der Platte abgeht, wir erzählen da keine Scheiße.

Ich bin ja immer wieder von Deinen lyrischen Meisterleistungen beeindruckt, das hier war so eine und „Malle Schafft Sie Alle“ ist auch so eine…unbestätigten Gerüchten zufolge (die von Bassist Goofy an den Schreiberling herangetragen worden sind ), soll das alles auf einer wahren Begebenheit beruhen…

Das stimmt, das letzte Jahr war richtig anstrengend und ich dachte, dass man mal hier raus müsse und bin für zwei Wochen mit Robert nach Mallorca geflogen. Tja und dann kam es so, dass unsere Merch Crew auch gerade da war, mit denen trinken wir eh gerne mal einen und Holger Hübner mit seiner gesamten Wacken Fußballmannschaft war auch gerade da…naja, schlimmer geht es ja gar nicht. Die ganze Geschichte ist dann auch ziemlich ausgeartet, ich glaube, zehn Tage lang haben wir uns so besoffen, dass wir kaum noch laufen konnten. Wir saßen dann in einer irischen Kneipe und haben Cocktails etc. getrunken, weil Bier ging nicht mehr(…) und dann kam ich auf die Idee, dass man hierrüber doch mal einen Song schreiben könnte. Der war dann auch ziemlich zügig fertig ist und ist auch nicht so ganz ernst zu nehmen, eben eine kleine Verarsche auf diese ganze Malle-Kacke. Ich war aber schon überrascht, wie viele KNEIPENTERRORISTEN – Fans da so rumoxidieren, die trotz der Scheißmusik einfach Party machen und trinken.

„13 Freunde“ ist sicher auch nicht so ganze ernst gemeint, oder?

Den Song hatte ich schon vor längerer Zeit geschrieben aber es war bisher schwierig, ihn richtig zu platzieren. Ursprünglich sollte es wegen der nicht ganz so erfreulichen Thematik ne Ballade werden aber das passte nicht. Die Nummer soll ausdrücken, dass es immer irgendwie weiter geht, deswegen sollte es ruhiger werden. Ich habe mir dann nochmal den Text vorgenommen und kam dann zum Entschluss, dass wir etwas untypisches machen und aus dem Song jetzt ne richtig derbe Nummer machen. Der Song ist für mich der emotionalste der Platte, er handelt von einem Kollegen der letztes Jahr in den Staaten gestorben ist ( Tony Taylor – Ex TWISTED TOWER DIRE Sänger ) und auch noch von ein paar anderen. Ich bin mit der Umsetzung des Songs ganz zufrieden, er sit ein Tribut an die Verstorbenen und gleichzeitig auch der Aufruf dazu sein Leben so lang wie möglich und so hart wie es geht zu leben, deswegen ist es auch mein Lieblingssong dieses Albums. Insgesamt, muss ich auch sagen, dass ich mit dem Album sehr zufrieden bin, es hat alles so gepasst, wie wir es uns vorgestellt haben.

„Das Jüngste Gericht“ gehört ohne Zweifel zu den besten Platten in diesem Genre, die in letzter Zeit veröffentlicht worden sind. Ich habe momentan eh das Gefühl, dass Deutsch Rock gerade so ein wenig durch die Decke geht.

Das ist wohl richtig, ja.

FREI.WILD schießen ja momentan durch sämtliche Chartsdecken…

Ja, aber den Leuten, die das hören, denen sind wir wohl zu hart und oftmals wird unsere Ironie auch nicht verstanden. Wir sind dann doch eher eine Metal Band, während Frei.Wild von vielen auch schon als Teenie-Band bezeichnet wird.

Die spielen mittlerweile aber auch locker vor 10.000 Leuten.

Ja, das ist unglaublich, was da abgeht. Vor ein paar Jahren haben die noch als Vorgruppe von uns gespielt oder zumindest weit hinter uns und jetzt so was. Die haben das gut hinbekommen, das ist ein unglaublicher Weg, den die Jungs gegangen sind, was aber sicher auch der ganzen Maschinerie im Hintergrund zu verdanken ist, da wird natürlich richtig Druck gemacht.

Eine andere Band, die gerade gut dabei ist, sind KÄRBHOLZ, mit den Jungs habt Ihr ja auch gerade erst zusammen gespielt.

Wobei ich dachte, dass diese Geschichte noch ein bisschen mehr für Furore sorgen würde. Das ist eine Band mit richtig viel Potenzial, die noch etwas kommerzieller ausgerichtet ist, als wir es sind. Das wollen wir auch gar nicht, ich wollte nie mit KT sonderlich viele Platten verkaufen, wenn aber dann auf die richtig harte Tour. Und ich denke, das ist auch etwas schlauer, wir müssen uns ja auch irgendwie unsere eigene Nische erhalten. Das ist auch unser Vorteil, keine Band klingt wie wir, uns erkennt man, das ist nicht bei allen Bands im Deutschrock Bereich so. (lk)

 
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