|
05.02.2000 Demons & Wizards
Das erste Langeisen dieser Band (denn als Projekt wollen sie es beide nicht sehen) ist seit einer Woche auf dem Markt und in den Charts bereits auf Platz 12. Das seit fast 3 Jahren erwartete Seitenprojekt der beiden Ausnahmemusiker hat also bereits ziemlich gut eingeschlagen. Nach der Autogrammstunde krall ich mir die beiden Freunde, die von der unerträglich stickigen, heißen und trockenen Luft im Saturn zwar ein wenig geschafft, aber dennoch in guter Plauderlaune sind, und labere mit ihnen ein wenig über das neue Album, Fantasygestalten und schlechte Reviews... |
||||||||
|
Seid Ihr selbst zufrieden mit dem Album? Es gibt ja da ein gewisses, ziemlich bekanntes Magazin, das dem Album Punktabzug gab, weil es in seiner Qualität an keine der beiden Bands herankomme...
...worüber Jon und besonders Hansi ein wenig verärgert sind (Fettnapf!!) Das war ja schon von vornherein klar, meint Jon, daß es Leute geben würde, die das sagen würden. Aber so war es ja auch nicht gedacht. Es sollte kein Blind Guardian oder Iced Earth Album werden, sondern eins von Hansi und Jon, von zwei Freunden, die zusammen ein Album schreiben. Zufrieden? Hm, ja, also, sie sind glücklich mit der Platte. Zufrieden wollen sie nicht sein, weil das Stillstand bedeuten würde. Es gebe immer etwas zu verbessern, so Jon, das sei bei jedem Album so. Und dieses hier war das erste, bei dem sie zusammengearbeitet hätten, es gebe also sicher noch Entwicklungsmöglichkeiten oder Sachen, die man das nächste mal anders machen könnte. Es wird also definitiv nicht die letzte Veröffentlichung dieser Band sein? (*freu*) Bleibt Ihr bei dem Line-up oder nehmt Ihr noch andere Musiker dazu? Ja, die Band wird auf jeden Fall auch in Zukunft von sich hören lassen. Von nem anderen Line-up gehen sie mal aus. Aber wer das sein wird, und wie das überhaupt aussehen soll, das steht noch nicht fest. Auch ist offen, ob sie wieder mit Jim Morris produzieren. Aber wenn Jon mit dem Songwriting für Iced Earth fertig ist, werden sie sich wohl wieder ans Werkeln machen, verspricht Hansi. Diesmal war es ja auch schon etwas anders geplant gewesen, nämlich mit dem Jag-Panzer-Schlagzeuger (Rikard Stjernquist, d. Verf.), der dann aber leider keine Zeit hatte. (Wobei ja die Drums eh schon vorher programmiert wurden und dann von Mike Prater "nur" noch mit "echtem" Schlagzeug eingetrommelt, d.Verf.) Jedenfalls, greift Jon noch einmal das Anfangsthema auf, finde er das Album genauso großartig, wie er jede der Iced Earth-Veröffentlichungen oder Blind Guardian-Alben mag. Und das wichtigste für ihn bei der Sache war, Spaß dabei zu haben. Von daher ist es ihm letzten Endes egal, was da irgendjemand drüber denkt. Und im übrigen war das auch nur dieses eine deutsche Magazin, weltweit seien die Reaktionen durchaus positiv gewesen. Und zu recht, schließlich ist das Album ja auch gut! Viele Leute sind halt in die eine oder andere Richtung schon voreingenommen, ergänzt Hansi. Und deshalb natürlich auch nicht ganz objektiv... Egal, ob jetzt die Kritik gut oder schlecht ist, sie hängt von den beiden Bands ab. Aber wenn man das Album als Album sieht, ist es eben mehr als nur Unterhaltung. Und der Hauptgrund, warum wir dieses Teil gemacht haben, war halt eben, daß wir Spaß daran hatten. Das scheinen einige von den Kritikern zu vergessen. Anstelle es mit BG oder IE zu vergleichen, sollten die das auch mal ein bißchen mit dem Rest vergleichen, und dann sieht das schon wieder ganz anders aus. Aber man kann halt da nicht viel drauf geben, weil es sowieso so aussieht, daß ein Drittel einem die Kompetenz abspricht, ein Album aufzunehmen, daß auch nur ansatzweise so gut sein könnte wie BG oder IE, das nächste Drittel findet es besser, und das dritte Drittel sagt wieder was ganz anderes. Wobei man natürlich schon sagen kann, daß D&W deutlich nach BG und IE klingt. Ja, aber das liegt an uns! Wir wollten ja nicht versuchen, in eine der beiden Richtungen zu gehen. Eben, Ihr seid halt einfach so. Das sind wir beide, genau, und das sind unsere Anteile. Es gibt ja auch Leute, die sagen, da fehlt der Bombast von Blind Guardian. Klar, der ist bis zu nem gewissen Grad auch mein Anteil, aber der geht natürlich auch viel auf André zurück (André Olbrich, BG-Gitarrist, d. Verf.) Was rauskam, ist für uns zufriedenstellend, und die Leute sollten sich damit auch zufrieden geben, denk ich. Wie habt Ihr überhaupt komponiert? Gab es da heftige Diskussionen oder habt Ihr wirklich ganz strikt in Musik und Texte getrennt und dann die Ideen des andern jeweils klaglos übernommen? Streit gab es schon mal nicht, anders als bei BG, wo sich Hansi gerne mit André streitet. Mag auch an der Distanz liegen, räumt Hansi ein. (Immerhin sind sie ja durch 6000 recht wässrige Kilometer getrennt...). Was die Reibepunkte weiter reduzierte, war das Grundkonzept hinter dem Album. Es sollte einfacher werden, songorientiert, und eben sehr einfache Strukturen aufweisen - im Gegensatz zu BG oder IE. Offene Aussprache war schon - per Telefon - möglich, ansonsten wurde alles immer hin- und hergeschickt. Über die eine oder andere Idee hat man sich dann verständigt, aber es gab einfach keinen Streit drum. Jon hat Hansi auch sämtliche Freiheiten bei den Gesängen gelassen - wo André sich dann schon des öfteren mal einmischt. Kamen dann bei der Produktion noch Ideen von Jim Morris dazu?
Nicht besonders viele. Jim Morris war schon bei der Vorproduktion in Jons Haus dabei. Dort hat er einige der Sologitarren konzipiert. Das war eigentlich sein größter Anteil. Mit Hansi hat er dann den Gesang gemacht. Manchmal war noch eine dritte oder vierte Stimme nötig, und die kann dann bloß noch von Jim gekommen sein. Zum Beispiel ist der Choral von "Poor Man’s Crusade" eine Kooperation von Jim und Hansi. Ansonsten hat er, was die musikalischen Ideen angeht, keine großen Einflüsse gehabt. Das war eigentlich nicht mehr nötig. Reden wir mal über die Texte. Es scheint ja diesmal sogar etwas Religiöses dabei zu sein, wenn man sich z.B. "Poor Man’s Crusade" anhört... Hansi protestiert erst mal heftig. (Oje, schon wieder ein Fettnapf?) Aber Jon erklärt dann, daß das Lied durchaus über Religion sei, nämlich über die Kreuzzüge und das Schlachten im Namen Christi. Es ist also nicht richtig religiös, sondern eher historisch. Hansi erläutert weiter, daß es über den Kleriker Bernhard von Clairveaux gehe, der als erster Kriegspropaganda im großen Stil betrieben habe und der in ganz Europa dafür gesorgt habe, daß es zum ersten Kreuzzug kam, in den ja auch Bauern und arme Leute zogen - und damit in ihr Unglück. Und dieser Typ sei schuldig am Tod von Hunderttausenden, wenn nicht Millionen. Kurz nachdem er starb, wurde er, wie damals üblich, zum Heiligen erklärt. Somit sei der Song ein bißchen ironisch. Er habe schon einen reellen Bezug, sei aber trotzdem Entertainment. Harte Kost... und die anderen Texte? "Fiddler on the Green" hat auch einen reellen Bezug, erklärt Hansi weiter, da geht es um zwei Unfälle, bei denen Kinder gestorben sind. Der Song erzählt die Geschichte des Todes, der das erste Opfer vor seiner Zeit geholt hat, und in dem Moment, wo er sich des Fehlers bewusst wird, ist es schon zu spät, weil der Junge, der gestorben ist, schon beerdigt wurde. Daraufhin entscheidet sich der Tod, einen etwas weniger regulären Weg zu gehen und seine Zukünftige auch ins Jenseits zu befördern. Das kann er aber nur mit der Zustimmung des Mädchens machen, und er besucht sie dann in ihren Träumen und weist sie darauf hin, daß für ihren Zukunftsehemann die Zeit abgelaufen war, und ob sie nicht interessiert wäre, auch rüberzukommen. Und letztendlich willigt sie ein. Es ist also noch ein reeller Bezug da. Es gibt aber auch BG-lastigere Texte, wie in "Blood on my Hands" oder "Winter of Souls", da geht’s um die Rheingoldsage und König Artus, bzw. um den Vater-Sohn-Konflikt von Artus und Mordred, ähnlich wie in "Mordred’s Song" ja eigentlich auch (auf der "Imaginations from the other Side", d.Verf.) Es gibt auch noch andere Sachen, "My Last Sunrise" ist zum Beispiel ein fiktionales Konzept wo es um eine gnomartige Kreatur geht, die das Universum erschaffen hat, und alle Götter, die im Universum leben, aber nie den Respekt gezollt bekommt, der ihm eigentlich zustehen würde aufgrund seiner Leistung, und letztendlich entscheidet sich das Wesen, alles wieder zunichte zu machen. Dabei wird er von einem Ungläubigen begleitet. Der sieht zwar die Sachen, die passieren, die Auflösung des Universums, aber er glaubt nicht wirklich dran und in dem Moment, wo er realisiert, daß dieses Wesen, der Gnom, wirklich diese Macht hat, ist es zu spät, weil da gibt es nichts mehr, da gibt es nur noch den Gnom, den Menschen und das Nichts. Und der Gnom entscheidet sich auch dazu, sich ins Nichts zu begeben. Es bleibt nur dieses menschliche Wesen zurück, mit der Entscheidung, entweder auch im Nichts zu verweilen, und da eine Ewigkeit zu verbringen oder sein Gehirn zu gebrauchen und irgendetwas selbst zu kreieren. Nun, daß es um Fantasy gehen würde, war ja fast schon klar, etwas anderes erwartet man ja von Euch fast gar nicht.
Klar, die Texte sind schon etwas anders als die von BG oder IE, aber tendentiell ist es eben auch das, was wir mit unseren Texten machen wollen, wir wollen in erster Linie unterhalten, und wir wollen vor allem auch Raum für Interpretation lassen.
Nein, wir haben das früher auch schon gemacht, nur man hört das nicht, weil da so viel passiert. Wir hatten so was ähnliches auf der "Imaginations...", da gehen halt eben auch Sachen übers Megaphon, und wir haben mit BG auch diese Flüstersachen eigentlich auch schon extrem aufgearbeitet. Bei "Gallows Pole" fällts halt nur mehr auf. Stimmeffekte hin oder her, am schönsten ist es doch immer noch live. Deshalb die Frage, die allen Fans auf den Nägeln brennt: Gibt es mittlerweile schon konkretere Pläne für Festivals diesen Sommer? Und wird sich Jon, von dem ja nach seinem KISS-Idol der Demon-Part der Band stammt, dann auch wie Gene Simmons kleiden und schminken?
Nein, das habe er schon jahrelang gemacht, lacht Jon, an Halloween. Aber die Bezeichnung "Demon" passe einfach zu dem, was sie seien und worüber sie gerne schreiben. Und definitiv ist auch ein kleiner Dämon in Hansi... und ein kleiner Zauberer in mir...
Nö, meint Hansi, das hängt ein bißchen damit zusammen, wann wir mit der Band ins Studio gehen, Jon fängt irgendwann im Juni oder Juli mit den Aufnahmen an, kann die aber unterbrechen, wäre also eigentlich immer dazu bereit, bei mir siehts so aus, sobald wir mit den Aufnahmen anfangen, kann ich nicht mehr aus dem Studio, weil das einfach stimmtechnisch zu gefährlich ist. Von daher geh ich davon aus, das wir Festivals nehmen, die früh sind, also Juni/Juli - und was immer da dann anliegt, ich könnt mir das With Full Force vorstellen, ich könnt mir vorstellen, daß wir in Spanien oder Frankreich was spielen, das ist total offen. Wacken wäre schön, aber glaub ich nicht (*schnief*, d.Verf.)
Jon gibt sich da noch recht zurückhaltend. Sie sind noch mitten im Schreiben, und es wird wohl klingen wie... ein IE-Album! (na wer hätte das gedacht...) Mal im ernst, es soll dynamischer werden als der Vorgänger, die melodischen und langsameren Passagen sollen atmosphärischer werden, und reichlich aggressives Material soll auch mit eingebaut werden - insgesamt also wieder eine gute Mixtur aus verschiedenen Stimmungen und Elementen. Das Songwriting soll besser werden, ebenso die Performance. Bis jetzt läßt es sich also ganz gut an, wenn es auch noch etwas früh ist, schon konkret etwas zu sagen.
Ins Studio geht es angeblich spätestens im Juni. Die D&W-Autogrammstunden sind die letztens Promoaufgaben, die noch anstehen, danach ist wieder Zeit für IE. Sechs Stücke fürs neue Album sind schon geschrieben, verrät Hansi, und außerdem sechs für das Orchesterprojekt. Im Juli oder August sollen die Aufnahmen beginnen. Erwartet uns etwas noch Bombastischeres, oder war "Nightfall on Middle Earth" s Limit und es geht eher wieder einen Schritt zurück?
Kann man schlecht sagen, für mich ist der Unterschied zwischen dem Album und "Nightfall (on Middle Earth", d.Verf.) oder "Imaginations..." nicht soo groß, das kreist es schon irgendwie ein. Es wird also nichts, was nach "Tales (from the Twilight World", d.Verf.) oder "Somewhere (far beyond", d.Verf.) klingt, sondern eher nach den letzten Platten.
"Nightfall..." war also nicht das Limit. Auf dem neuen Album geht’s vielleicht schon wieder einen Schritt zurück, aber spätestens dann beim Orchesterprojekt wird es dann im Grunde genommen noch mehr ausgereizt, wobei das natürlich ganz andere Vorzeichen hat, weil da halt nicht so viel auf Metal mit drin ist, sondern vielmehr auch orchestrale Umsetzungen und auch verschiedene Sängertypen.
Wissen wir noch nicht so genau, wahrscheinlich beides. Wir haben zwischendurch mal mit dem Gedanken gespielt, das in ner Heavy-Metal-Art aufzunehmen, wo es dann ein reguläres BG-Album werden würde, und dann würd ich halt verschiedene Charaktere in irgend einer Form darstellen. Dann müßten wahrscheinlich auch ein paar Gastsänger mitsingen. Aber das wär nicht so extrem wie bei dem reinen Orchesterprojekt, wo es wirklich verschiedene Sänger wären, die dann die Charaktere darstellen. Wer das sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Mit Sicherheit die Leute, die auf den bisherigen Platten schon mitgemacht haben. Es werden Herr-der-Ringe-bezogene Charaktere sein, die natürlich auch eine ganz bestimmte Stimmqualität erfordern. Die findet man relativ selten. Es ist fast wie bei einem Filmcasting, wo man nach dem passenden Gesicht sucht, nur daß es hier eben die Stimme ist. Noch ist deshalb offen, ob das ganze rein auf die Metal-Ebene beschränkt bleibt, oder ob es weitläufiger wird.
Die sind eigentlich froh, wenn sie mich nicht immer sehen müssen, amüsiert sich Hansi. Wir haben 1998 genug gearbeitet, und die anderen wollten mal pausieren, weil sie auch private Sachen hatten. Von daher gab es da keine Probleme. Die hatten das ja auch 97 schon mitbekommen, und als wir uns mit Jon entschieden haben, das Projekt durchzuziehen, waren die auch direkt vor Ort, also da hätten sie es schon sagen müssen, wenn es sie in irgend einer Form gestört hätte, aber die sehen natürlich auch den Promotion-Aspekt. Ich hab ja auch in der Zeit meine ganz normalen BG-Aktivitäten beibehalten und auch mit André mehrere Stücke geschrieben. Mit Jon ist es außerdem ein bißchen einfacher, Stücke zu schreiben, als mit André, weil ich auf die Sachen reagiere, die er mir anbietet. Ganz selten, daß ich mal mit irgendwelchen Akustiksachen ankomme. Von daher, der Findungsprozeß dauert ja meist auch ein bißchen länger, als dann eben irgend ne Sache auszufüllen. Von daher hatt ich auch etwas mehr Freizeit.
Jon entscheidet sich für KISS, Queen und Twisted Sister. Seine CD-Sammlung lässt nach eigener Aussage kaum noch Wünsche offen (beneidenswert!!) Und sie besteht größtenteils aus Metalbands. Dazu kommt ein wenig Classic Rock, ein ganz klein bißchen New Age und Keltische Gitarrenmusik, aber selbstverständlich ist das meiste eher heavy.
Hansi sucht für seine Frau eine Alanis Morissette aus, und für sich eine CD von Rory Gallagher, wo er eine Session mit B.B.King gemacht hat und dazu noch eine Tori Amos. Und privat? Da findet man Rock, ein wenig europäische Klassik und etwa 30 oder 40% "harte" Sachen. |
|
|||||||