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01.06.2003 Eläkeläiset
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Mittlerweile scheint den mittlerweile fünf Finnen aber das Nachspielen nicht mehr zu genügen. Auf dem aktuellen Album "Humppaelämää" (= Das Humppa-Leben) versuchen sie sich erstmals an Eigenkreationen, die aber ebenso schnell zünden und Platz für mehr Experimente lassen, weil man sich nicht mehr an das alte Rezept halten muss. Bleibt nur die Frage, warum man den Weg des Erfolgs verlassen hat und nicht einmal das noch vor einem Jahr angekündigte Album "Speed Of Sound" mit Coverversionen im gewohnt schrägen Stil veröffentlicht hat (siehe Interview 2002). Kristian erklärt mir die Sachlage, bewegt sich dazu aus dem asseligen Container, der sich im Hirsch "Backstage" schimpft, und lässt einstweilen seine Kumpane mit alten Freunden bechern, während er mir Rede und Antwort steht - oder vielmehr sitzt, indem er einfach ein paar leere Bierkästen für uns als Sitzmöbel für den Hinterhof umfunktioniert.
"Wir haben einfach nicht mehr genug Genehmigungen bekommen, um die Coversongs veröffentlichen zu können, es wurde immer schwieriger und nervenaufreibender, das Album liegt seit zwei Jahren fertig auf Halde, die Songs sind fertig produziert, das Cover entworfen - aber es wird nun nie veröffentlicht werden, nur wir haben es." Bliebe die Möglichkeit, es bei Konzerten als Bootleg zu verkaufen, daran zu verdienen, aber offiziell nichts damit zu tun zu haben. Kristian grinst verschmitzt: "Man weiß nie, was passiert. Das Internet ist ja auch so riesig, da kann es schon mal passieren, dass es uns irgendwo auskommt..." Na dann hoffe ich doch mal, dass der Herr Voutilainen die Songs mal aus Versehen im falschen Ordner auf seiner Festplatte ablegt, mich würde es freuen. Es ist schon erst einmal unverständlich, warum so viele Künstler den Finnen verweigern, ihre Songs nachzuspielen. Aber andererseits nehmen sich viele von ihnen auch einfach zu ernst. Muss denn etwa "Wind Of Change" auf ewig ein sentimentaler Mitpfeifer sein? Und wen stört es denn, wenn ein paar schräge Finnen dem Song einen Polkarhythmus verpassen und ihn live als Gute-Laune-Stück präsentieren? Doch scheinbar ist es wirklich nicht ganz so einfach. "Wir hatten beim Scorpions-Management angefragt, ob wir den Song veröffentlichen dürfen und sie hatten uns untersagt, dass wir ihn auf die Platte setzen dürfen und ebensowenig dürften wir ihn je live spielen, so faxte man uns. Wir dachten nur ein herzliches ´Fuck you´ und nahmen uns vor, ihn von nun an auf jedem Konzert zu spielen, gerade extra - denn wen stört das schon? Aber bei einem Auftritt in Karlsruhe war doch tatsächlich ein Anwalt oder Vertreter von Universal Records im Publikum, und als wir wieder heim nach Finnland kamen, wartete da schon ein Fax auf uns, das uns mit gerichtlichen Schritten drohte, also müssen wir langsam vorsichtig werden. Doch wir mögen den Song, also werden wir ihn nicht für immer aus dem Programm werfen." Ausser die neuen, eigenen Stücke kommen so gut an, dass die Cover nicht mehr gefragt sind. Doch nicht nur das Komponieren eigener Songs ist neu bei Eläkeläiset. Das Quartett ist mittlerweile zum Quintett angewachsen. Der langjährige Aushilfsmusiker Petteri, der z.B. auf der letzten Deutschlandtour den erkrankten Oni Varis ersetzte (und der übrigens exzellent deutsch spricht, während ich mit Kristian gerade englisch radebreche), gehört nun offiziell zur Band und übernimmt Gitarre und zweites Keyboard. Das wirft in mir dir Frage auf, ob es dann bei diesem Chaotenhaufen nicht noch schwieriger wird, dass alle dasselbe spielen. Kristian flachst zurück: "Nein, haha, es erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass vielleicht irgendeiner überhaupt etwas korrekt spielt, immens! Das war der Grund, dass wir ihn jetzt immer dabei haben und nun fünf Bandmitglieder sind. Ausserdem sind wir jetzt nochmal um Eins lauter!" Na bravo, Spinal Tap auf finnisch - wieso wundert mich das eigentlich nicht? Doch in dem Film wanderten die Fans ab, als man den Stil geändert hat und progressiver wurde. Hoffentlich passiert das nicht auch bei Eläkeläiset! Doch auch hier gibt es Entwarnung. "Wir haben noch keine wirklich negativen Reaktionen erhalten. Für uns ist das eh kein großer Unterschied, die Coversongs spielen wir teilweise seit 10 Jahren, sie sind uns so bekannt, dass sie uns vorkommen wie eigene Songs und die neuen Stücke sind eben tatsächlich eigene Songs, das wird sich alles einfach vermischen. Wir haben heute abend auch fünf neue Stücke gespielt und sie kamen doch blendend an, oder?" Das allerdings, keine Frage! Allerdings dürfte sich am Songschreibeprozess bei der Band etwas geändert haben. Bislang haben sie nie (!) geprobt, sondern nur ausgemacht, welche Stücke sie covern wollen, das Endresultat war eh jedem von vorneherein klar - Polkarhythmus, finnischer Text, und ab dafür - und man hat es auf der nächsten Tour gespielt, ganz einfach. Doch eigene Songs muss man ja zusammen erarbeiten, oder einer erarbeitet sie und bringt sie den anderen bei, oder... "Nein, wir haben auch dieses Mal nicht geprobt!", behauptet Kristian todernst. Okay, wie gesagt, ich wusste, dass die Band normalerweise nicht probt, aber... "Nicht ´normalerweise´ nicht, sondern überhaupt nicht! Wir tun das nicht, ehrlich. Wenn wir die neuen Songs im Studio aufnehmen, da ist es ja leicht, man spielt hintereinander, es sollte halt zu dem passen, was der andere vorher gespielt hat. Und wenn man es nicht gleich schafft, ist das nicht schlimm, man kann es im Zweifelsfall ja noch ein zweites Mal probieren, im Notfall sogar dreimal. Live ist es schwieriger, vor dem Konzert sagt einer, der neue Song geht so und so und dann gehen wir auf die Bühne und dann wird das schon irgendwie klappen. Oder beim nächsten Konzert, oder beim übernächsten. Als wir diese Tour bgonnen haben, hatten wir uns sechs Monate nicht gesehen, nicht miteinander gespielt und selbstverständlich nicht geprobt. Am ersten Gig gehen wir auf die Bühne, freuen uns, wieder miteinander zu spielen und ab gehts. Zugegeben, der erste Gig ist meistens auch nicht sehr gut.... aber momentan spielen wir wie die Engel - das war heute ja schon der fünfte Gig dieser Tour." Perfektionisten vor dem Herrn sind sie also sicherlich nicht, aber das erwartet ja auch keiner von ihnen. Bleibt mir nur, euch zu raten, die ersten Gigs der Tour lieber vorsichtig zu genießen. Ebenso abenteuerlich dürfte auch das zehnjährige Bühnenjubiläum der Herren Rentner ausfallen. "In Finnland gibt es ein Festival, Provency Rock ), da hatten wir unseren allerersten Auftritt. Heuer spielen wir dort wieder, exakt am selben Datum, den 13. Juni, nur 10 Jahre später eben. Und weil sie das 25-jährige Jubiläum haben, werden wir 25 Stunden spielen." Oder doch nur zehn, denn ihr habt ja erst zehnjähriges" "Oder, 25+10=35, also 35 Songs? "Naja... wir werden zumindest irgendwas spielen, das ist gewiß, mal sehen was wird, haha! Wir werden es jedenfalls versuchen, 25 Stunden zu spielen, das ist der Plan." Und somit würden Eläkeläiset auch noch als ausdauerndste Humppa-Band ins Guinness-Buch der Rekorde eingehen, nehme ich an. "Das wäre die Krönung, ja, aber es gab schon Humppa-Marathons in Finnland, in Lappenrandä (?), irgendwann in den 60ern oder 70ern. da wurde tagelang durchgetanzt, ich bin mir aber nicht sicher, wie lange die einzelnen Bands gespielt haben."
Bedenkt man, was Eläkeläiset auf der Bühne dann auch noch wegkippen an Bier, Wodka und sonstigem Alkoholika, dann dürfte es gegen Ende der 25 Stunden wirklich unerträglich werden. Zum Einstimmen empfehle ich für alle neugierigen, die die Band noch nicht so gut kennen, sich einmal das 15-minütige "Hummpa like a clown" (der Bonustrack des Debüts Hummpakäräjät) in voller Länge zu geben - das dürfte einen kleinen Einblick in das mögliche Ausmaß des Wahnsinns geben. Für alle anderen gilt weiterhin die Devise "Humppa tai kuole" - "Humppa oder Sterben". (mono)
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