Interview

01.09.2002 Dark Tranquility
 
Mit DARK TRANQUILITY meldet sich in diesen Tagen eines der Aushängeschilder des Melodic Death Metal zurück. Und wie sie das tun - das neue Album "Damage Done" brettert härter durch die Prärie, als man es ohnehin erwarten durfte. Im Zuge der anstehenden Promo-Arbeit unterhalten wir uns ein bisschen mit Sänger Mikael, der zu Hause, im fernen Schweden, nach einer kleinen Schwimm-Einheit ganz entspannt vor dem Telefon sitzt - und über´s Wetter flucht...
Man, it´s damn hot up here..., da tut ´ne Runde Schwimmen manchmal richtig gut!

Hm, auch bei uns in Deutschland haben derzeit eine Menge Leute mit dem Wetter zu kämpfen - und gehen schwimmen. Allerdings eher unfreiwillig...

Ja, ich habe gehört, was bei Euch los ist - schreckliche Sache, das mit diesen Überschwemmungen. Hoffentlich bessert sich die Lage schnell!

In der Tat. Mikael, es ist halb zehn abends, und Du bist putzmunter - wohl nicht gerade ein Frühaufsteher, was?

Oh nein, ich bin ein absoluter Nachtschwärmer und verschlafe dafür den ganzen Tag. Aber nicht nur ich - auch die anderen Bandmitglieder sind immer bis mindestens vier, fünf Uhr morgens auf den Beinen.

Ein derartiger Lebensrhythmus zwingt zur Frage nach dem Lebensunterhalt...

Nun ja, sicher geht keiner von uns einem "geregelten" Job nach im Sinne von 25 Jahre lang jeden Tag von 9 bis 18 Uhr im Büro sitzen. Die Band hat erfreulicher weise für alle von uns Priorität. Dementsprechend organisieren wir unser "restliches" Leben um die Pläne herum, die das Vorankommen der Band betrifft. Und somit leben wir alle mit Teilzeitjobs ganz gut. Zumal wir DARK TRANQUILLITY ja nun auch nicht nur als bloßes Hobby betrachten, sondern die Sache schon ziemlich ernsthaft angehen. Niemand von uns hat je gezögert, wenn es um die Frage ging "Job/Familie oder Band" - bis auf eine Ausnahme. Vor ein paar Jahren musste unser damaliger Gitarrist Frederik dann allerdings auch seine Koffer packen. Wir können nur weiter arbeiten, wenn sich jeder zu genau 100 Prozent der Band widmet.

Starke Worte - starke Musik. Euer neues Album ist wieder einen Tacken härter ausgefallen. Zufall oder Kalkül?

Unsere letzten beiden Scheiben waren eher emotional, und wir hatten das Gefühl, dass es an der Zeit wäre, wieder etwas härteres zu machen, etwas mit mehr Intensität und Aggression. Schließlich war es auch das, was wichtig für uns war, als wir damals mit DARK TRANQUILLITY anfingen. Naja, und als die ersten zwei, drei Songs für "Damage Done" im Kasten waren, da wussten wir so in etwa, in welche Richtung das gesamte Album diesmal gehen würde: Auf die Birne, haha..!

Gab es diesmal irgend welche Neuerungen in der Herangehensweise - z.B. bei der Produktion, bei den Vorbereitungen oder sonst wo?

Hm, wir waren diesmal etwa ein Jahr im Proberaum, bevor es endgültig ins Studio ging. Auf diese Weise waren wir uns sicher, alles im Vorfeld bereits weitest möglich ausgearbeitet zu haben. Somit bestand kein Bedarf mehr, im Studio schließlich noch mal das Experimentieren anzufangen. Wir waren wirklich gut vorbereitet. Das Studio selbst war das gleiche wie zuletzt auch - nur hatten wir diesmal drei Wochen lang echt unsere Ruhe, um zu arbeiten.

Und da das, wie eingangs bereits erwähnt, eher nachts gewesen sein muss, konntet Ihr Euch ja auch prima konzentrieren... Wie kommt es eigentlich, dass mit "Projector" eine Scheibe von Euch auf dem Markt ist, die mit ihrem, ich nenne es einfach mal "Hard Gothic", deutlich aus Eurem eigentlichen musikalischen Rahmen fällt?

Vor besagtem "Projector"-Album hatten wir mit "The Mind´s I" eine Scheibe rausgebracht, die echt hart war. Zu dieser Zeit fing dann irgendwie jeder an, über dieses Götheborg-Ding zu reden - später wurde dann ja eine richtige Sparte danach benannt. Wir hatten jedenfalls damals das dringende Bedürfnis, im Anschluss an "The Mind´s I" nicht noch so eine Platte aufzunehmen; wir wollten uns und dem Rest der Welt beweisen, dass wir auch was anderes drauf hatten. Also experimentierten wir mit Tonnen neuen Materials und heraus kam "Projector". Sinn der Scheibe war einfach, sich nicht völlig in dieser In Flames-, At The Gates- Schiene festzufahren.
Zurück in die Gegenwart. Auf Eurem neuen Album singst Du kaum noch cleane Vocals - wie kommt´s?

Naja, es passte einfach nicht so richtig, das ist auch schon alles. Obwohl wir das erst so etwa nach der Hälfte der Aufnahmen registrierten, wurde uns da bewusst, dass das auch eine große Herausforderung für uns, und für mich im Besonderen, war. Ich bin der Meinung, es hat auch so gut funktioniert.

Wie siehst Du eigentlich die Tatsache, dass mit den bereits oben erwähnten In Flames einer Eurer Haupt-"Konkurrenten" sein neues Album ganz kurz nach Euch in die Regale stellt?

Auch bei "Projector" kamen In Flames innerhalb von zwei Wochen nach uns mit ihrem neuen Teil rüber. An sich finde ich es nicht gut, die Leute da draußen hätten sicher lieber eine etwas entzerrtere Veröffentlichung gesehen. Letztlich ist es aber doch nur Zufall; In Flames haben wohl die gleiche Routine und einen ähnlichen Rhythmus beim Songwriting und Touren wie wir.

Mit "Ex Nihilo" befindet sich nun endlich Euer erster rein instrumentaler Track auf einem Album. Warum kam es nicht schon vorher mal zu einem Instrumental?

Siehst Du, der Song war einfach klasse, er gefiel uns allen wirklich gut. Aber wir wussten einfach nicht, was zum Teufel wir damit anstellen sollten. Die Lyrics passten nicht so richtig, egal wie wir es auch probierten. Also ließen wir den Gesang einfach weg und dachten "…fuck it, it´s a great ending for the album."!

Im Hintergrund läuft gerade Candlemass´ "Nightfall" bei Dir - die Jungs haben diese Festival-Saison schwer abgeräumt. Was für Erinnerungen hast Du heute noch an Euren grandiosen Wacken-Auftritt letztes Jahr?

Oh Mann, es war einfach unglaublich. Das war definitiv eines der Highlights 2001. Aber nicht nur die Show war irre, diese Menschenmassen, all das - Wahnsinn. Und dann stehst Du da oben und entdeckst in den ersten Reihen andauernd Leute, die Du aus Paris kennst, oder aus Rom oder sonst wo - das war schon verrückt! Dazu kam, dass letztes Jahr ich glaube etwa zwölf Bands aus Schweden in Wacken gespielt hatten - we had one hell of a god time, man!

Dementsprechend, ähm, angeregt ging es hinter den Bühnen dann ja teilweise auch zu... Zurück zu "Damage Done" - was sieht man eigentlich auf dem Cover. Und auf wessen Mist ist das ganze Artwork überhaupt gewachsen?

Das hat alles unser Gitarrist Niklas verbockt, deshalb kann ich´s auch nicht so ganz erklären, haha..! Er hatte tausende Ideen für die Platte; wir waren uns nur einig, dass wir etwas Dunkles, etwas Rotes haben wollten. Letztlich bin ich es, den Du auf dem Cover siehst - abgelichtet zwischen zwei Takes bei uns im Studio. Und die Nachbearbeitung soll visualisieren, wie wir uns derzeit mit der Platte im Rücken fühlen - it´s bloodpumping!

Ja, das ist es wohl... Nachdem Ihr nun also weitere elf Songs in Euren Gesamtkatalog aufnehmen könnt, lass uns doch mal einen Blick auf Eure Discographie werfen. Es fällt auf, dass Ihr ziemlich seltsame Klamotten veröffentlicht habt in Eurer bisherigen Band-History...

Ja, das stimmt absolut. Zuerst gab´s unser Demo, das wurde dann auf einer EP wiederveröffentlicht. Danach kam noch eine EP und anschließend ein Cassetten-Album! Naja, aber immerhin gibt es von uns auch zwei 10"-Boxen - die sind mit Abstand das Coolste, was unser französischer Partner Osmose damals für uns getan hat! Du hast somit das Beste von zwei Welten: Das große Cover, und innen eine CD mit dem entsprechend guten Klangbild. Davon gibt´s glaube ich jeweils auch nur 6000 Stück.

Also Sammler, aufgemerkt. Abschließend noch die Frage nach der nahen Zukunft für DARK TRANQUILLITY.

Wir werden demnächst mit zwei, drei weiteren Bands durch Europa touren, da ist aber noch nicht viel spruchreif, außer dass unsere Setlist wohl deutlich länger ausfallen wird, als zuletzt. Fest steht dagegen, dass wir Anfang November in die Staaten aufbrechen werden - dort ist unser Album gestern auf den Markt gekommen. Zusammen mit Sentenced, In Flames und Lacuna Coil werden wir dort mal schauen, was passiert...

Ein Billing, gegen das ich auch hier auf Deutschlands Bühnen absolut nichts einzuwenden hätte..! (cora)
 
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