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04.07.2004 Daniele Liverani
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Ja, das ist eine Menge, das stimmt. Hält mich auch ziemlich auf Trab zur Zeit, der ganze Promotion-Kram. Aber ich spreche gerne über meine Musik...
Na dann, los. Wie waren die bisherigen Reaktionen auf den zweiten Teil Deiner "Genius"-Saga? Ich bin generell ziemlich zufrieden damit, wie man "Genius II" aufgenommen hat. Dabei waren die Reaktionen nicht nur seitens der Metal- und Prog-Presse gut, sondern auch von Leuten, die in der Kino- oder Theater-Welt zu Hause sind. Generell überwog trotz vereinzelter negativer Äußerungen also das Positive. Damit bin ich zufrieden, denn für einen Newcomer wie mich ist das sehr respektabel. Die meisten anderen Musiker, die sich derzeit an Rockopern versuchen, sind schon bekannter als ich und haben daher ein ganz anderes Standing. Vergleiche mit Genrekönig A. Lucassen und dessen Überprojekt Ayreon oder Tobi Sammet’s nicht minder ambitionierten Avantasia-Scheiben drängen sich dennoch auf, da Du meist (zufällig) zeitgleich veröffentlichst. Aber zurück zu Dir - wie bewertest Du die musikalischen Unterschiede der beiden einzelnen "Genius"-Teile zueinander? Da ich die Texte und die Musik aller drei Teile in einem Rutsch verfasst habe, tendiere ich eigentlich dazu, das gesamte "Genius"-Projekt als eine einzige Oper zu betrachten, ohne große Unterschiede unter den einzelnen Platten. Die zweite Episode ist dabei tendenziell eher actiongeladen, und die Entwicklungen haben eine gewisse Dramatik angenommen. Deshalb sind die einzelnen Songs wohl unterm Strich etwas powervoller, schneller und "geladener", als beim ersten Teil. Insgesamt ist es Dir erneut gelungen, eine interessante Ansammlung speziell von Gastsängern um Dich herum zu versammeln. Erzähl’ uns doch mal etwas über die einzelnen Interpreten. Zunächst wäre da Symphony X-Sänger Russell Allen. Dass er für mich gesungen hat, ist wie ein Traum, der wahr wurde. Aufgrund von Terminschwierigkeiten mussten wir uns zwar sehr beeilen, aber die Aufnahmen waren ein sehr spezieller Moment für mich! Edu Falaschi wurde von mir angesprochen, da ich seine hochmelodische Stimme benötigte, und er hat eine sehr schöne und warme Interpretation abgeliefert. Zu Jeff Martin von Racer X kann ich nur sagen, dass ich schon in den Achtzigern ein großer Fan der Band war - und zu dem Song "Valley" passte einfach diese unglaubliche, diese rockige Stimme von Jeff. An sich hatte ich Jeff noch gebeten, seinen Bandkollegen Paul Gilbert zu kontakten, um dessen Gitarre ebenfalls auf dem Track zu haben. Das wäre für mich der Hammer gewesen. Doch Jeff überzeugte mich, dass ich es bei meinen Spuren lassen sollte - also leider kein Paul Gibert diesmal, hehe… Die markante Stimme von Labyrinth, Rob Tyrant (Roberto Tiranti), ist ein Freund von mir, den ich persönlich schon seit vielen Jahren kenne. Außerdem hat er zuletzt bei dem Musical "Die Zehn Gebote" den Ramses gegeben, was ihn sozusagen prädestinierte für ein Projekt wie "Genius"… Tja, wer noch - genau: Eric Martin. Was soll ich sagen, ich habe zu Mr. Big-Scheiben angefangen, Gitarre zu lernen, und jetzt singt der Kerl auf meinem Album - unglaublich! Johnny Gioeli, u.a. der Sänger von Axel Rudi Pell, hat eine wirklich sehr starke Stimme. Er wurde mir von meiner Plattenfirma vorgeschlagen, und nachdem ich eigentlich Jorn Lande (u.a. Masterplan - d.Verf.) die Rolle von King Oddyger einsingen lassen wollte, konnte mich Johnny schnell von sich überzeugen. Liv Kristine’s (Anm. des Verf.: ex-Theatre Of Tragedy, Leaves’ Eyes) Stimme schien mir in ihrer süßen und emotionalen Art absolute passend zu sein für die Rolle der Klepsydra. Ursprünglich hatte ich dafür ja Cristina Scabbia von Lacuna Coil im Hinterkopf, aber ich bin sehr zufrieden mit dem jetzigen Resultat. Einen Tag nach den Gesangsaufnahmen hat sie übrigens ihr Baby bekommen. Eine einzigartige Situation, das kann ich Dir sagen… Hast Du eigentlich all die Künstler von Dir aus kontaktieren müssen, oder haben sich einzelne Interpreten auch von sich aus bei Dir gemeldet? Nein, ich habe alle von mir aus kontaktiert. Schließlich existierten bereits alle Texte und Gesangsspuren, so dass ich klare Vorstellungen von der jeweiligen Stimme hatte, die ich für den entsprechenden Charakter haben wollte. Mir erscheint der zweite Teil der Saga musikalisch nicht mehr ganz so facettenreich, wie der erste. Siehst Du das ähnlich? Die große Stärke des Debüts war schließlich die interessante Mischung aus Prog-, Hardrock- bis hin zu Power Metal-Elementen. Nun, ich denke es gibt auch beim zweiten Teil unterschiedliche Stile zu beobachten. "Valley" und "Beware" sind sehr straighte Rocksongs. "He Won’t Escape" oder "Fight Again" dagegen klingen sehr Power Metal-orientiert. Oder "Far Away From Here” bzw. "All My Fault”, sind beide ziemlich proggy, findest Du nicht? Aber wie schon erwähnt, Du hast wahrscheinlich in so fern Recht, als dass die Gesamtausrichtung diesmal etwas straighter ausgefallen ist, etwas aggressiver. Und wann dürfen wir mit dem abschließenden dritten Teil rechnen? Schätzungsweise Anfang 2006. Die Musik und die Texte sind zwar schon für alle drei Teile verfasst, aber ich stelle ja jedes Mal eine neue Crew an Sängern und Sängerinnen zusammen. Gibt es noch etwas, was Du speziell den deutschsprachigen Lesern mitteilen möchtest? Ich möchte allen Fans danken, die mir die Möglichkeit zu "Genius" gegeben haben. Ich verspreche, weiterhin mein Bestes zu geben, um gute Musik mit emotionalem Tiefgang zu bieten. Das war und ist mein Ziel in all meinen Musikprojekten; und in Kürze erscheint ein neues KHYMERA-Album, also: Stay tuned!
Machen wir, Daniele. Machen wir. (heavy)
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