Interview

24.01.2006 Queensryche
 
The Return of… Operation Mindcrime! - GEOFF TATE ist der Sänger von QUEENSRYCHE. Geoff Tate IST Queensryche. Nach dem endgültigen Wegfall von Chris DeGarmo, seinem kongenialen aber scheinbar nicht gerade einfachen ‚Partner in Crime’ vergangener Tage, liegt die musikalische Verantwortung inzwischen alleinig in den Händen des Mannes, der mit einer der großartigsten Stimmen der Szene noch immer jeden qualitätsbewussten Metalhead in eine Hühner-Kombi zu stecken vermag. Konsequenterweise ist es dann auch Geoff, der die zweiwöchige Promo-Tour durch Europa absolviert. Anlässlich der in Kürze bevorstehenden Veröffentlichung von "Operation Mindcrime 2" trafen wir Mr. Queensryche in Köln…
Geoff, bekommt Ihr diesmal nicht viel mehr Feedback auf eine Veröffentlichung, nun, da Ihr den Release einer Platte mit dem gütesiegel-lastigen Titel "Operation Mindcrime 2" angekündigt habt?
"Eigentlich nicht. Wir hatten auch für den Studio-Vorgänger "Tribe" wirklich viel Promotion. Wieso meinst Du?"
Nun, ich könnte mir denken, nachdem Gott und die Welt nach einem zweiten "Rain In Blood", "Master Of Pupperts" oder "Painkiller" schreit, sind plötzlich eine Menge Leute voller nasser Höschen, wo doch die Fortsetzung Eures zweifelsfrei besten Albums kurz bevor steht?
"Haha, ja, das mag sein" freut sich Geoff Tat kurz, kehrt dann aber schnell auf den Boden der Tatsachen zurück: "Es ist dennoch irgendwie frustrierend, dass die Leute sich so intensiv mit Gewesenem beschäftigen. Andererseits aber nachvollziehbar, schließlich ist Musik der Soundtrack zu Deinem Leben, und jeder verbindet etwas ganz Besonderes mit einem jeweiligen Album. So hat sicher auch jeder bestimmte Erinnerungen an "O.M.".

Warum man so etwas dann noch einmal aufgreift, ist für den Songwriter glasklar: "Die Platte ist eine Ansammlung einzelner Songs - mit einer nicht abgeschlossenen Geschichte. Alleine das genügt schon als Anlass."
Und die Fans haben Euch aus verständlichen Gründen stets nach einer Fortsetzung gefragt, einverstanden. Warum aber scheint gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen?
"Das ist einfach beantwortet" holt der sehr ruhig und kontrolliert wirkende Sänger aus. "Die heutige Situation in den USA ist mit der Zeit, in der "O.M." entstand, sehr vergleichbar: Ähnlich wie 1988 haben wir auch heute eine sehr ‚christlich’-konservative Regierung mit großen Popularitätsproblemen, und die Wirtschaft ist im Eimer, die Arbeitslosigkeit dafür sehr hoch. Das Land befindet sich schlicht in einer Krise.
Über die thematische Gestaltung von "O.M. 2" gab es zudem keine großen Diskussionen, denn Geoff Tate "hatte die Fortsetzung der Geschichte immer im Kopf gehabt".

Wie es sich dagegen mit dem musikalischen Erscheinungsbild der neuen Scheibe verhält, macht der Kaffe-Junkie unmissverständlich klar: "Die letzten beiden Alben haben musikalisch absolut nichts mit "O.M. 2" zu tun!" betont der Ami auf mein verdutztes Nachfragen hin auch ein zweites Mal, ohne mit der Wimper zu zucken. Wie kommt’s?
"Nach Chris’ Ausstieg haben Kelly, der dessen Platz in der Band einnahm, und ich "Q2K" geschrieben. Die anschließende Scheibe "Tribe" habe ich dann im Wesentlichen alleine geschrieben, da Chris erst nach der Fertigstellung wieder für kurze Zeit zur Band stieß. Er hatte das Touren satt und zudem Drogenprobleme, und es fühlte sich weder für die restliche Band, noch für ihn gut an, als er wieder zu uns zurück kam. Somit blieb das nur ein sehr kurzer zweiter Anlauf..."
Bei "O.M. 2" schließlich haben der zwischenzeitlich eingestiegene Mike Stone, Geoff sowie Produzent Jason Slater die Lieder geschrieben. "Außerdem haben wir die Gitarren wieder auf 84-40 zurück gestimmt, d.h. mit einem sehr klassischen Sound gearbeitet, ohne Droptuning und dergleichen. Wir wollten wieder klassische Gitarrensoli und wiederkehrende Themen aus dem "O.M."-Spektrum. Es sollte deutliche Parallelen zu "O.M." geben, nur eben im modifizierten Gewand."

Was den akustischen Auftritt der neuen Scheibe betrifft, wurde eine ganze Menge herumexperimentiert: "Vor allem wollte ich einen vielschichtigeren Klang als bei "O.M.", das über die gesamte Länge z.B. nur einen einzigen Snaresound und lediglich zwei verschiedene Gitarrenklänge aufweist, erzielen. Wir waren u.a. deshalb auch in San Franzisko in einem nahezu antiken Soundstore, eine sehr hilfreiche Erfahrung. Letztendlich wurden zu den Aufnahmen dann interessanterweise Gerätschaften verwendet, die wir bereits bei "O. M." eingesetzt haben."

Entgegen den Ankündigungen auf der eigenen Homepage, wurden die orchestralen Elemente doch nicht im alten Europa aufgenommen…"Der Trip nach Prag wurde leider nicht realisiert." erklärt der Queensryche-Vorstand enttäuscht und nippt an seinem Kaffe. "Zwar hätten wir dort Weltklasse-Leute zu einem sehr guten Preis bekommen können, doch unser Arrangeur wollte Kalifornien auf keinen Fall verlassen, so dass wir schließlich in den Staaten aufgenommen haben.

Kurzer Themenwechsel: Wie steht Geoff Tate, stimmlich zweifellos auf Schlaghöhe mit Größen wie Rob Halford oder Bruce Dickinson, zu deren zwischenzeitlichen Äußerungen, der Metal sei tot?
"Rob und Bruce wurden sicher missverstanden, als sie diese Aussagen mach…"
Einspruch! Viel deutlicher kann man sich nicht ausdrücken.
"Okay, lass es mich so ausdrücken: "Heavy Metal" ist doch nichts anderes, als eine Schublade, eine Box. But as a musician, you’ve got to think outside the box! So Vieles bewegt sich, und Du musst über kurz oder lang als Musiker mit einem gewissen Anspruch einfach mal etwas Neues probieren, Dich von anderen Künstlern inspirieren lassen, andere Ideen zulassen!" Der Frontmann führt hierzu sein stilistisch doch streckenweise deutlich anders als Queensryche-Material gelagertes Soloalbum an: "Nimm nur mal dieses eine Beispiel: Frequenztechnisch betrachtet überlagern sich die menschliche Stimme und die E-Gitarre förmlich. Daher wirkt eine Stimme ganz anders, wenn man den Gitarrensound reduziert oder ihn ganz weg lässt. Ein tolles Erlebnis für einen Sänger!"

Einen Sänger, den man entgegen manch anderer projektfreudiger Vorzeigestimme im Metal-Sektor auf kaum einem Output außer denen seiner Hauptband zu hören bekommt (vom eben erwähnten Soloalbum mal abgesehen). Genau genommen… - auf keinem einzigen.
"Stimmt. Das ist irgendwie nicht so mein Ding, obwohl es da natürlich immer wieder Anfragen gibt. Ich denke, ich bin einfach sehr genau, vielleicht sogar pingelig, was die Leute betrifft, mit denen ich zusammen arbeiten möchte. Ich muss diese Menschen sehr mögen und sie auch fachlich respektieren. Nur so kann ich mir meine positive Grundeinstellung bewahren und jeglichen Ärger von mir und meiner Familie fern halten."

In diesem Sinne: Keep up the good work, dude!

(heavy)

 
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Geoff Tate (Queensryche) mit Oliver Hellbach (Redaktion)
 
 
 
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