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Da meldet sich also schon wieder eines der größten Prog-Projekte zurück, nach SMPT letztes Jahr und der Livescheibe nun der zweite Longplayer der Combo aus den vier Proggöttern. Da muß man es eigentlich gar nicht vorwegnehmen, daß es wieder mal ein musiktechnisches Meisterwerk geworden ist. Zunächst liegt aber die Betonung leider auf technisch. Ich bewunder die Jungs ja wirklich für ihre vielen Einfälle, die Vermischung sämtlicher Musikstile – na gut, nicht ganz, aber ein Anfang der musikalischen Aufarbeitung des letzten Jahrhunderts ist mit Elementen aus Pop, Soul, Jazz, Neoklassik und Hardrock definitv gemacht. Die Songs sind auch – bis auf den einen „kurzen“ mit nur 5einhalb Minuten Spielzeit – durchweg äußerst komplex arrangiert und man entdeckt immer wieder Passagen, die an den Vorgänger erinnern oder auf andere Stellen auf der Scheibe verweisen. So zieht sich das Anfangsthema in verschiedenen Variationen durch die ganze Platte. So weit so gut. Was jedoch zumindest dem ersten Song „Duel With The Devil“ – auch nach bisher fünf kompletten Durchläufen – fehlt, ist ein wenig Authentizität. Was nützt die ganze Technik, wenn das Leben außen vor bleibt. Das wirkt dann doch ein wenig zu sehr am Reißbrett konstruiert, oder vielleicht am Taschenrechner – wie viele 7/8 Takte haben wir jetzt schon eingebaut, wird das Thema jetzt auch schon genau 13 6/7 mal wiederholt? Das ging vielleicht bei Beethoven noch gut, aber die Jungs haben ihm gegenüber den immensen Vorteil, daß sie ja hören, was sie da spielen. Und selbst ein großer Autohersteller hat ja inzwischen gemerkt, daß Technik nicht alles ist. Weniger wäre hier sicher mehr gewesen, und wir glauben den Herren Portnoy, Trewavas, Stolt und Morse auch ohne minutenlange Soli, daß sie etwas auf der Musikbox haben. Aber gönnen wir ihnen die 26:43 Minuten Eigenhuldigung und schauen wir uns die nächsten Songs an. Schon der zweite, Suite Charlotte Pike, versprüht deutlich mehr Charme, und die Männerwelt sollte sich mal bitte den ersten Teil „If She Runs“ zu Gehöre führen. Hier merkt man plötzlich die bisher vermißte Spielfreude, die ja eigentlich das Projekt ausmacht und zu seiner Gründung geführt hat. Sogar ein wenig Ironie kann man entdecken. Man könnte sogar fast sagen, sie werden hier mainstreamig, wenn man bedenkt, daß „Retro“ momentan wieder absolut im Kommen ist, und der Song klingt definitiv ziemlich retro. Aber keine Angst, im Radio wird er trotzdem nicht laufen. Hier kommt auch der zum Teil vierstimmige Gesang viel besser zur Geltung, weil eben mehr Wert auf ein schönes Lied als auf die reinen technischen Details gelegt wurde. Als wollten sie mir recht geben, fällt der titelgebende Song wie eine echte Ballade aus und wer eine Ader dafür hat, dem kann sie richtig ans Herz gehen. Trotzdem wird die dünne Schwelle zum Kitsch nie überschritten. Im letzten Song, „Stranger In Your Soul“, finden sie dann aber doch wieder zu sich selbst zurück und proggen, was das Zeug hält. Diesmal schaffen sie aber, was ihnen beim ersten Lied nicht gelungen ist, nämlich eine Verbindung aus Komplexität, Virtuosität und echter Musik. Der Hörbarkeitsfaktor liegt hier deutlich höher und man kann sich eigentlich nur wünschen, daß die Jungs mit ihrer nächsten Platte bald wieder da weitermachen, wo sie diesmal aufgehört haben. (arw)
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