Review

Cradle Of Filth - Godspeed On The Devil's Thunder (Tipp!)
 
Metal
 
Label
Vertrieb
Zeit
Tracks
Roadrunner Records
Warner
71:21 min
13


 

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Unholy Shit! Nach "Thornography", wo COF gezeigt haben, dass man gleichzeitig experimentell und uninspiriert sein kann, hatte ich die Band so langsam abgehakt. Die Intensität ihrer ersten Alben und die Zeitlosigkeit von "Cruelty And The Beast" und "Midian" würden sie eh nie wieder einholen, stattdessen gibt es zig Livealben und Sondereditionen und ihr Einkommen sichert sich die Band ohnehin vor allem über ihre T-Shirt-Verkäufe. Doch unverhofft kommt oft und, um es bei dem langen Review (als Wiedergutmachung an unsere Leser, weil das Inti aus Termingründen geplatzt ist) vorwegzunehmen, GOTDT ist ein Hammeralbum, das die letzten Veröffentlichungen locker in die Tonne tritt. Als hätten sich COF hingesetzt und sich ihren ganzen Backkatalog mal gewissenhaft angehört und dabei selbst mal gemerkt, was die Band eigentlich ausmacht, warum viele sie so verehren, und als hätten sie dann versucht, ihre besten Momente neu zu erfinden, wenn nicht zu toppen - das ist GOTDT. Vielschichtig, ausufernd, symphonisch, verspielt, aber auch räudig, bissig, pfeilschnell und mit diabolischer Spielfreude gesegnet. Nebenbei sei erwähnt, dass das Konzept der Platte sich um Gilles de Rais dreht, ein Serienmörder im Frankreich des 15. Jahrhunderts. Danke, Dani und Konsorten, ihr habt mir eine wahre Freude gemacht. "Thornography" habe ich mir nicht einmal mehr gekauft, bei diesem Album nun muss die Deluxe-Version her, das ist ohnehin klar!

Zu den Songs im Einzelnen: Man beginnt mit einem symphonischen Intro, stilvoll wie eh und je, dazu ein Hörspiel-artiger Sprecher, der die Überleitung zwischen allen Stücken bilden darf und Gruselatmosphäre verbreitet. Wer könnte das besser als COF? Der eigentliche Opener hat mich mit seinem Wortwitz im Titel schon gleich mal verzückt, Meat Loaf aufgepasst, das Ding heisst "Shat Out Of Hell", aus der Hölle geschissen, und kommt aus der Hüfte geschossen mit Blastbeats und viel Abwechslung, bleibt aber immer mitreissend, ein Trip von der vorherigen Geister- direkt in die Achterbahn. "The Death Of Love" ist mit Gothic-Metal-Elementen versetzt, aber als wüssten COF, dass das heute niemanden mehr vom Hocker reißt, lockern sie das Stück samt seinem Frauengeträller und Pop-Chorus mit atmosphärischen Teilen auf, so dass man am Schluss nicht mehr weiß, ob das eben jetzt Gothic Metal war oder der Tod desselben und ein Abgesang darauf. Echt jetzt, nach diesem Song ist alles gesagt, was es zum Thema Gothic Metal je zu sagen gab. "The 13th Cesar" ließ mich die Geschichtsbücher wälzen, es ist aber keiner der beiden zu erwartenden durchgeknallten Kaiser Nero oder Caligula, sondern Trajan, unter dem das römische Reich seine größte Ausdehnung hatte. Mehr kann ich dazu nicht vermuten, die - mit Sicherheit wieder exquisiten - Texte lagen der Promo nicht bei. Ähnlich Breitwandkino wie der große Trajan fährt der Song, Chöre hier, Streicher da, Gebretter mitunter, Maiden-Gitarren gerne, Tempowechsel regiert und das Stück rockt. "Tiffauges" ist das orchestrale Atemholen zwischen der Pflicht (wir hatten ja schon den Hit, den Opener und das abwechslungsreichen Metal-Stück) und der Kür, die folgt. Anschnallen und los geht's. "Tragic Kingdom" geht gleich voll auf die 12, mann hört die Jungs richtiggehend im Proberaum sagen, "hey, lass uns mal wieder 'nen richtig geil schnellen Song machen, mit ordentlichen Blasts und dann Abbremsen mit fetten Riffs und dann weiterholzen. Ja, und das tun sie dann auch. Fett und mitreissend. Das hinterhältige und fiese "Sweetest Maleficia" macht seinem Namen alle Ehre und war lange Zeit mein Favorit auf dem Album. Die unnachahmlichen langezogenen Schreie sind umwerfend und unnachahmlich. Dieses Nichts von einem dahingerotzten Chorus, das gnadenlose Durchprügeln... Süßeste Missetat, fürwahr. "Of Sulphur And Honey" ist als Single und Video auserkoren worden - eine verständliche Wahl, denn durch die Carmina-Burana-artigen Chöre wird der Song bei aller Komplexität sehr eingängig. Hier noch Blastbeat, da noch ein geisterhaftes Keyboard, Killerriffs, fast vergeblich gegen den massiven Lärm ankämpfende Streicher - aber kein Chorus im eigentlichen Sinn, nur Chöre. Das macht COF einfach keiner nach! (Auf Youtube gibts ein kurzes Making Of zum Video) Das 9-minütige "Midnight..." kann ja nur ausufernd sein, bei der Spielzeit. Atmosphärisch und stimmungsvoll, Augen zu und genießen, einfach mal eintauchen in die Melodien. Mann muss ja nicht dauernd Bangen - und der Song ist abwechslend zu langsam und zu schnell dazu. Feines Wechselbad! Kinderstimme zur Einleitung mit Gruselreimen kommt gut, das ebenfalls fast neunminütige "Darkness Incarnate" ist nach zig Durchläufen für mich das stärkste Stück, tritt Arsch von Anfang an, macht erst einmal keine Gefangenen, wechselt Tempi am laufenden Band, lässt aber mal den sonst omnipräsenten Bombast über weite Strecken nur im Hintergrund gegen die Riffs ankämpfen und kontrastiert ihn dann mit einem einfachen Basszupfen und Trommeln, das ganz alleine stehen darf und mindestens genauso viel reißt wie die Streicherarmee. Das gebremste "Ten Leagues Beneath Contempt" hat diese zweistimmigen Gitarrenläufe bis zum Abwinken, die immer grenzwertig Metal-Klischee sind. Nicht überragend, aber auf "Thornography" hätte man sich noch die Finger nach dieser Qualität und vor allem diesem Sound des Albums geleckt. Dennoch der vielleicht mittelmäßigste Song der Scheibe. Der Titelsong, überraschend spät auf dem Album, tritt das Gaspedal noch einmal ordentlich bis zum Anschlag, Martin ¦karoupka darf an an seinen Drums zeigen, was er drauf hat (das tut er ohnehin allerorten, Daumen hoch!). Irrwitzige Riffs und Vollgas immer wieder. Zum Abschluss ein stimmungsvolles Ausklingen mit dem instrumentalen "Corpseflower", das einen in die Realität zurück holt, bis der Finger zittern die Repeat-Taste drückt.

Vielleicht sagt am meisten folgende Tatsache aus: Ich hab mir am Erscheinungstag die neue METALLICA gekauft, und sie seitdem gerade mal 4-5 mal gehört, weil mir die COF so unendlich viel mehr taugt (ja, und die neue THE HAUNTED). Ein Meisterwerk, dass Dani Filth und Konsorten hier abliefern - ganz egal ob das jetzt Death/Black/Dark/Gothic/Cradle-Metal ist, es ist vor allem Metal, Metal und nochmal arschtretend Metal! (mono)

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