Schleppend beginnt sie, die neue ILLDISPOSED. Groovt hier, stampft da - und oft wars das auch schon. Mitunter lässt das den Riffs richtig Platz zum Atmen, etwa in "Seeking Truth - Telling Lies", das vom Aufbau auch einer x-beliebigen Demoband entsprungen sein könnte, Riff 1 4x, dann Gesang, dann Tempowechsel zu Riff 2, usw. Mit dem Unterschied, dass das bei ILLDISPOSED nicht bemüht klingt, sondern überraschend aufgeräumt, nachvollziehbar und eingängig. Soundspielereien werden gerne eingesetzt, natürlich erst mal bei Bo Summers Gesang, aber auch bei diversen Gimmicks wie etwa dem abartigen spacigen Bassklang im Quasi-Titelstück (das sich vor uralten PARADISE LOST zu verbeugen scheint, vielleicht daher der Titel). Aber nichtsdestoweniger, selbst wenn mal kurz Gas gegeben wird, ILLDISPOSED fahren fast toujour mit angezogener Handbremse, was sie oft nach SENTENCED in den Neunzigern klingen lässt und gerne eine Spannung aufbaut, die aber leider etwas unbefriedigend wieder abflacht, statt sich zu entladen. Soll heißen, die Dänen klangen schon mal abwechslungsreicher. Sie haben zwar nach wie vor eine "Leck-Mich"-Attitüde und machen, was sie eben gerade für gut finden, doch die Songs auf "To Those" sind teilweise austauschbar, leben sehr von einem schleppenden Grundriff und melodischen Spielereien und eben dem guten Gesamtsound und den netten Ideen zwischendurch, die etwas auflockern. Es gibt kein punkiges Stück, geknüppelt wird quasi gar nicht. Damit klingt die Platte zwar vielleicht sehr homogen, aber langweilt auch ein wenig. Wehmütig denke ich an "Shine Crazy", dem Opener des grandiosen Burn Me Wicked, oder die Aggression von 1-800 Vindication, ganz zu schweigen von den unzähligen AT THE GATES Verbeugungen im Bandkatalog. Selbst "Just Come And Get Me", das leidlich flott anfängt verliert seinen Schwung zwischendrin ordentlich. "If All The World" könnte vom Text und Feeling her glatt feinster Emo-Rock vom Schlage BILLY TALENT sein, wenn die Gitarren und der Gesang weniger verzerrt wären.
Fazit: Jeder Song für sich ist stark, aber die Höhepunkte fehlen und das ewige Midtempo wirkt mitunter zahnlos. Da kann auch die Coverversion von "Johnny Come Home" (Original von den Fine Young Cannibals aus den Achtzigern), die man quasi nicht wiedererkennt, nichts daran ändern.
1995 hätten ILLDISPOSED damit den Death Metal Grammy gewinnen können, den man extra dafür erfunden hätte. 2009 erscheint mir das Gebräu etwas abgestanden - so gerne ich etwas anderes schreiben würde. (mono)
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