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Wer bei Remedy zunächst an die beliebten Remedial exercises im Englischunterricht gedacht hat, bei denen man immer die Fehler der Schulaufgaben korrigieren mußte, der hat wahrscheinlich gerade da nicht aufgepaßt. Heilsam ist die Platte trotzdem. Daniel Gildenlöw schreitet hier nämlich die düstere Straße seiner Erinnerung ab und versucht sich von traumatischen Erlebnissen zu befreien, indem er sie auf seine arglosen Hörer ablädt. Das Ergebnis haut einen wirklich um. Obwohl es sich, oberflächlich betrachtet, „nur“ um die klassische verlorene Liebe handelt, reißt einen das Werk mit in die dunklen Abgründe, die Gildenlöw das letzte Jahr durchschritten haben muß. Thematisch teilt sich das Konzeptalbum in drei Abschnitte, bei denen es um die Erfahrung der Zerbrechlichkeit der Liebe, den schmalen Grad zwischen Hysterie und Apathie und schließlich – etwas versöhnlicher – um die Frage der sozialen Verpflichtung geht. Was sich hier zunächst noch recht trocken lesen mag, wird musikalisch so genial umgesetzt, daß man sich der Gewalt der Songs nicht zu entziehen vermag. Gildenlöw baut kaum auszuhaltende Spannung auf durch sich reibende (Dis)Harmonien, durch stakkatoartig versetzte Anordnung des Instrumenteneinsatzes wie bei „Rope Ends“. Reibung entsteht auch durch die Kombination von Falsett und tiefem Baßgesang – man sollte nicht glauben, daß das noch zu einer hörbaren Melodie führen kann, aber: es kann. Bei dieser Platte hat man jeweils genau an den richtigen Stellen den Gitarrenverzerrer aus- und auch wieder eingestöpselt. So können sich düstere Erzählpassagen mit solchen abwechseln, die nicht nur die Nervensaiten der Gitarre zu zerreißen drohen. Gildenlöw bedient das Klischee des Progressive Metal perfekt, indem er sich an kein Klischee hält. Er baut so ziemlich alles ein, was eigentlich überhaupt nicht in den Metal zu passen scheint. Und man muß auch noch genau hinhören um das auch zu bemerken. So setzt er in „Ending Theme“ HipHop-Sprechpassagen ein, bei „Chain Sling“ bedient er sich orientalisch anmutender Songstrukturen und erzielt durch den dadurch entstehenden Kontrast eine brachiale Wirkung, die jeder erahnen kann, der in den letzten 10 Jahren mal im Kino war und eine der „Test the West“ Werbungen gesehen hat. Bei allen technischen Spielereien verstehen es Pain of Salvation dennoch, nicht nur ein Konzeptalbum zu schreiben, das sich in mehreren thematischen Variationen immer wieder in einem roten Faden auf sich selbst zurückzubeziehen versteht, sondern auch wirkliche Songs. Diese bleiben zwar erst nach mehreren Durchläufen im Ohr haften, aber dann lassen seinen nicht mehr los. Das mehrfache Abschreiten der Remedy Lane ist aber sowieso nötig, wenn man alle Details am Wegesrand aufpicken und ganz in die eigentümliche, nostalgische Atmosphäre eintauchen will. (arw)
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