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Im Vorfeld dieses Albums war ich ja eher zwiespältig gespannt, denn einerseits war ich irgendwo traurig, dass MEGAHERZ und Sänger Alexx Wesselsky nach ihrem meines Erachtens ersten wirklich aufregenden und beeindruckenden Album "Herzwerk II" getrennte Wege gingen - aber wenn es am schönsten ist, soll man ja bekanntlich gehen. Seltsam war zudem, dass mir Alexx im Interview noch erklärt hat, dass Megaherz deswegen besser auf den Punkt kommen und heavier sind, weil Noel Pix, ihr Keyboarder und Programmierer, nicht mehr an Bord sei. Und just mit diesem Noel Pix nimmt er jetzt eine Platte auf, beide sind aber so schlau, das ganze nicht einmal eine Band, sondern ein Projekt zu nennen (lest euch ruhig mal die Selbstbeschreibung unter "Band" auf www.eis-brecher.de durch). Dazu kam noch die Vorab-Single "Fanatica", die mich alles andere als fasziniert hat, dröge vor sich hinblubbernder Elektrotanzpop mit wenig aufregendem Gesang ("wir tanzen den Rhythmus, wo ich mitmuss"). Wie soll es also werden, das neue Werk, das Leben nach MEGAHERZ? Elektrolastig, klar. Damit verbunden auch eine ordentliche Produktion, in der die Samples und Spielereien vielschichtig und einfallsreich sind, die Gitarren hingegen zu leise, um richtig Druck zu machen. Damit wir uns nicht falsch verstehen, mit so einem Bastard aus KMFDM, NINE INCH NAILS (zu "Pretty Hate Machine" Zeiten) und MEGAHERZ kann ich eigentlich gut etwas anfangen, doch EISBRECHER ist größtenteils zu unspektakulär, um auf ganzer Linie zu überzeugen. Für mich klingt das alles doch sehr nach einer Zweckgemeinschaft: Noel Pix hat für seine ansprechenden musikalischen Klanggebilde voller Perfektion und Selbstverliebtheit einen menschlichen bis animalischen Faktor gebraucht, am besten noch jemanden, der schon einen Namen hat und sein Werk mit ihm promotet. Alexx hat ein neues Vehikel für seine Texte gebraucht, eine neue Bühne, auf der er sich ausleben kann, wobei ihm sein Ego wichtiger ist als der Rest, hauptsache es passt irgendwie. Tut es auch, aber eben nur irgendwie. Das Titelstück, das an OOMPH! erinnernde "Frage" oder meinetwegen "Sakrileg" sind durchaus gute Songs, kein Zweifel, doch Magie und Seele sind etwas anderes und lassen auf sich warten. Musikalische Perfektion und bewährte Trademarks verhindern, dass "Eisbrecher" eine schlechte Platte ist, doch richtig rocken über die ganze Länge kann diese Scheibe nicht, und ich bezweifle, dass das überhaupt der Plan eines Noel Pix war, denn dazu scheint er mir musikalisch auch zu wenig Rocker zu sein. Stapellauf geglückt, der Kurs ist aber noch zu schlingernd - Kapitän und Steuermann sollten vielleicht etwas mehr zusammenarbeiten statt nur ihre eigenen Vorlieben auszuleben.
(mono)
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