Review

Gotthard - Lipservice
 
Hard Rock
 
Label
Vertrieb
Zeit
Tracks
Nuclear Blast
Nuclear Blast
53:05 min
14


 

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Sie haben es also doch getan - entgegen der angeblich nur von wenigen (Fans) geäußerten Kritik auf die letzten immer seichter und zu kantenlosen Hausfrauenrock mutierten Alben, haben sich die Schweizer Hardrocker von GOTTHARD dies doch etwas stärker zu Herzen genommen und endlich wieder eine komplett überzeugende CD hingelegt. Es ist mir dabei ehrlich gesagt ziemlich egal, ob diese "Neuausrichtung" am etwas härteren Nuclear Blast Label lag oder ob die Jungs, wie sie es gerne selbst darstellen möchten, einfach nur wieder Bock gehabt haben, mal wieder richtig los zu rocken. "Lipservice" (der Titel ist zwar eher na ja) ist schlicht und einfach ein gut bis sehr gutes Melodic Hardrockalbum geworden. Wie schon auf der letzten ganz ordentlichen Scheibe "Human Zoo", nach dem absoluten Tiefpunkt "Homerun" zuvor, mehrfach aber nur angedeutet wurde, geht es jetzt wieder volle Pulle mit viel mehr Schmackes und einer ordentlichen Portion Rock’n’Roll zu. Die neuen Songs gehen eindeutig wieder mehr auf die Ausrichtung der ersten drei hervorragenden Platten von Gotthard und sind wir mal ehrlich, dafür wurde es auch langsam Zeit. Fette Gitarrenriffs in Serie, ein Dampfhammerschlagzeug, eine wie immer fantastische Rockröhre von Steve Lee, packende Hooks und ein energetisches Songwriting (wieder ohne Produzent & Entdecker Chris von Rohr) beweisen, daß dieses Quintett auch selbst gute Musik schreiben kann. Nachdem Gitarrist Mandy Meyer mittlerweile zu KROKUS abwanderte, wurde in Freddy Scherer (ex-CHINA) ein mehr als gleichwertiger Ersatz gefunden. Insgesamt 14 Tracks mit knapp 53 Minuten Laufzeit bietet Lipservice, davon sind zwar wieder 4 Balladen enthalten, die aber weniger kitschig oder schwülstig als in früheren Jahren ausfallen, außerdem wurden sie besser verteilt, so daß der betont rockige Charakter der Scheibe erhalten bleibt. Mit "Everything I Want" und seinen üppigen Chören fühlt man sich an seelige DEF LEPPARD oder BRYAN ADAMS Bestzeiten erinnert, als diese noch nicht solche abgehalftertes Material wie zuletzt abgeliefert haben. Auch "Nothing Left At All" ist eine mächtige Powerballade geworden. Bereits der klasse schnelle Opener "All We Are" (nein kein DORO Cover) zeigt wohin die Reise auf dem achten Album der Eidgenossen hier geht - treibende Songs die sofort ins Ohr gehen und ohne diesen oft zu glatten AOR Appeal der Vorgänger Werke. Überzeugende Melodic-Stampfer wie "Dream On" oder die Hymne "I Wonder" sind genauso klasse gemacht wie die erste Single "Lift ‚U’ Up" mit einem eher ungewöhnlichen Drumsound. Ein weiterer Höhepunkt für mich ganz klar das mitreisende "Anytime Anywhere", ja wenn BON JOVI heute noch solche Songs schreiben könnten. Gotthard haben mit "Lipservice" wieder ganz klar auf den alten Kurs zurückgefunden und ein solides Rockalbum abgeliefert - so kann es bitteschön zukünftig auch weitergehen. Damit hat man sich derzeit (wenn auch nur ganz knapp) wieder vor der erstklassigen Konkurrenz aus dem eigenen Land SHAKRA eingeordnet.
(maio)
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