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Ein neues PARADISE LOST Album ist immer mit einer großen Erwartungshaltung verbunden, gerade weil man gespannt ist, wie sich die Briten nach ihrer Komplettwandlung zur Jahrtausendwende entwickeln würden, geriert doch so ziemlich jede Platte zwischen "One Second" und "Smybol Of Life" ins Kreuzfeuer der Kritik. Klar, wer Gothic Metal hören will, wird bei "Host" oder "Believe In Nothing nicht wirklich fündig geworden sein. "Mit "Symbol Of Life", das auch poppige, tanzbare Töne anschlug, kam das Feeling wieder etwas zurück, "Paradise Lost" war wieder eine richtige Metal Platte, und der neue Output? Ja, der atmet mit jeder Note den Glanz, den die Band für viele 1995 nach dem Superalbum "Draconian Times" verloren zu haben schien. Die Single "The Enemy" gab einen kurzen Einblick in das, was "In Requiem" ausmachen, das endgültige Resultat hat mich dann aber doch sehr, sehr überrascht. Das Coveratwork, bei PARADISE LOST immer Ausdruck einer gewissen Grundstimmung und Atmosphäre gibt die Richtung vor: Nick Holms und seine Jungs sind in ihrer Vergangenheit teilweise weit zurück gegangen, haben das beste aus den letzten Jahren weiter entwickelt und können mit "In Requiem" ein Album vorweisen, was die Bezeichnung Gothic METAL mit Fug und Recht verdient hat. Lang, lang ist es her, dass diese Band derartige Gitarrensoli aufgefahren hat, lang, lang ist‘s her, dass eine PL Scheibe eine dermaßen Grundstimmung offenbarte und lang, lang ist es her, dass die Songs derart gut gelungen sind.
Mit "Never For The Damned" blicken PARADISE LOST weit zurück, die Breaks sind heftig, die Gitarren schneiden geradezudurch unheilschwangere Nebelwände und Nick Holmes versucht sich auch wieder auf Gesangspfaden, die er seit 1993 nicht mehr betreten hat. Das Ergebnis ist der verdammt noch mal beste Track, den diese Truppe in den letzten 12 Jahren aufgenommen. "Ash & Debris" ist etwas ruhiger wird aber enorm von den Herren Aedy und Mackintosh dominiert, wie es lange nicht mehr der Fall gewesen ist. Dazu das überaus kraftvolle und energische Drumming von Jeff Singer. Ein einfacher aber wirkungsvoller Track, der auf "Draconian Times" hätte stehen können. Die Single "The Enemy" überrascht ja schon vor einigen Wochen mit einer Grundhärte die man so nicht erwartet hat und mit Chören, die gut ins Gesamtgeschehen passen. Doomig und druckvoll schallt "Praise Lamented Shade" aus den Boxen, auch hier wird der Spagat deutlich den PARADISE LOST anno 2007 vollführen. Zitae asu der Vergangenheit mit der Moderne vereint, das passt. Mit dem Titeltrack geht es in eine Richtung, die viele nicht im Traum erwartet hätten: "Reqiuem", ein sehr atmosphärischer Track geht in der ersten Hälfte gar bis zu "Shades Of God" zurück. Nick packt so gut es geht seine alte Stimme wieder aus, und instrumental muss man hier eh nix mehr erwähnen, das ist mehr als top. Der Clou bei dem Song ist die zweite Hälfte, die von einem supermelodischen Refrain dominiert wird, den Nick Holmes dann wieder mit cleanen Vocals intoniert, quasi hat man hier "Mortals Watch The Day" mit "Say Just Words" gekreuzt. Grandios! "Unreachable" ist eine recht langsame, super melodische Nummer, der aber leider das gewisse Etwas fehlt. Es folgen "Prelude To Descent" und "Fallen Children", zwei Songs an die man sich gewöhnen muss, die aber nach einer gewissen Zeit vollkommen zünden. Der kurze fast Blastbeat in "Prelude To Descent" ist mal eine richtige Überraschung. Ein völliger Ohrwurm und vollkommen passend für die melodische Phase der letzen Jahre (nur mit mehr Feuer!) ist "Beneath The Skies", ebenfalls von der Vorab-Single bekannt. "Sedative God", ein von der Machart her typischer PL Track ist gut aber leider nicht mehr, die letzte Nummer "Your Own Reality" ist mit seinen orchestralen Arrangements ebenso gut wie melodisch und ungewöhnlich.
"In Requiem" ist ein Klassealbum, mit dem PARADISE LOST an die musikalische Brillanz und emotionale Tiefe der Vergangenheit heranreichen. Der Zugang von Jeff Singer hat der Band hörbar gut getan, Nick Holmes ist eh über jeden Zweifel erhaben. Was der Mann mit der Stimme rüberbringen kann, ist phänomenal. Den prägnantesten Job haben aber Basser Edmonson und das kongeniale Duo Mackintosh / Aedy vollbracht. Back to he future quasi, zu einer musikalischen Kompetenz und zu einem Harmonieverständnis, wie man es seit über einer Dekade von PARADISE LOST nicht mehr vernommen hat. Das beste Album seit "Draconian Times".
(lk)
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