Fangen wir mal mit den guten Nachrichten an: In der ersten Woche ist „Heuchler“ gleich einmal auf Platz 31 der deutschen Charts eingestiegen und ist dabei alles andere als radiofreundlich oder massenkomptibel. Hut ab! Dass die Band so viel Standfestigkeit beweist, trotz mehrerer Umbesetzungen in den letzten Jahren (drei Sänger auf den letzten drei Alben), sich dabei nicht verbiegt und ihren Fans stets das bietet, was diese von MEGAHERZ erwarten, verdient ebenfalls Respekt. Was „Heuchler“ angeht, so möchte ich herausheben, dass ich die blitzsaubere Produktion wirklich grandios finde, mit viel Liebe zum Detail, vielschichtig, das ist wirklich allererste Sahne. Geiler Sound!
Leider aber sagt das noch nicht viel über die Songs und das Album aus. Neu-Sänger Lex, der mitunter an alte WEISSGLUT erinnert, ist sicherlich facettenreicher als seine Vorgänger, kann flüstern und schreien, Pathos und Härte nach Belieben transportieren, aber wirklich toll werden die flachen Songs weder durch das Herzblut des Sängers noch des Produzenten. Ich zitiere mal aus den Texten... Song 1: „Du bist ein Heuchler“, Song 2: „Ich bin ein Jäger (...) du bist so schön“, Song 3: „Ich bin nicht das was du denkst“, Song 4: „Du bist ein Mann von Welt“, Song 5: „Gott ist nicht das, wofür du ihn hältst“, Song 6: „Du bist meine Droge, du bist mein Grab“, Song 7: „Du bist mir herrlich fremd“, Song 8: „Ich war nie leise“, Song 9: „Du warst so schön, ich will dich wiedersehn“. Die ewige Ich-Du-Dialektik ist leider symptomatisch für das Auf-der-Stelle-Treten von MEGAHERZ, immerhin hieß ja schon das erste Album „Wer bist du?“ (1997). Na, dem Fan ist es sicherlich egal, dass die Vorzeigenummern „Heuchler“ oder „Mann von Welt“ das selbe Ideenmuster sind wie alte Hits à la „Miststück“, also Anprangern und Fingerzeigen mit Grooveriffs darunter, mitgrölbar bis inklusive 2,5 Promille - aber das funktioniert halt auch nach 10 Jahren noch. „Fauler Zauber“ ist da mit seiner Religionskritik schon richtig gewagt, das düsterromantische „L'Aventure“ bricht auch aus dem Schema aus, der Rest ist Spielen auf Sicherheit. Ich lege mir jetzt mal wieder wehmütig „Herzwerk II“ auf, da war die Band noch richtig auf der Überholspür. Mit „Heuchler“ zementieren die bayerischen Neudeutschhärtner von MEGAHERZ ihren Status des ewigen Zweiten hinter OOMPH! und RAMMSTEIN. Was MEGAHERZ machen, ist musikalisch und vor allem soundtechnisch völlig in Ordnung, aber ich habe den Eindruck, sie sind zu vorsichtig für einen großen Wurf, aus Angst alte Fans zu verlieren. Das verwundert umso mehr, als die Band eigentlich sehr innovative Ideen hat und z.B. im Second Life Promoveranstaltungen abhält. Also, reisst's eich z'sam, Buam, traut's eich! Am Können im Detail scheitert es doch nicht, dann muss es das Wollen sein, an dem es mangelt! Oder erwarte ich etwa zu viel?
(mono)
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