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Musikmesse Frankfurt

Alljährlich mutiert Hessens Bankenmetropole zum Mekka für die musikmachende Zunft. Musiker, Produzenten, Toningenieure, Eventveranstalter, Instrumentenbauer und Hersteller von Tintenpatronennachfüllpacks pilgern vom 13.03 - 17.03 nach Frankfurt, unter ihnen ein kleiner MetalInside-Schreiberling, der sich die Chance nicht entgehen lassen wollte, an einem Fachbesuchertag dem moshpitartigen Gedränge an den Publikumstagen zu entfliehen - auch wenn die Karte heftige 23 Euro kostet:

Es ist schon paar Jährchen her, seit ich das letzte Mal auf der Musikmesse war und so war ich gespannt was mich erwarten würde, zumal ich erstmals als ‚Fachbesucher' aufkreuzen konnte. Schon kurz nach der Eröffnung um 10.00 Uhr ist reger Betrieb in den Messehallen, allerdings bleibt es dabei, der große Massenansturm bleibt aus und man kommt recht gemütlich durch die einzelnen Hallen.

Mein erstes Ziel ist die Halle 4, das ‚Guitar House'. Wobei ich gleich sagen muß, daß ich hier den geringsten Teil meiner Zeit verbracht habe. Im Prinzip ist hier alles beim alten. An den Wänden der Stände hängen Horden von Gitarren vor denen man mit ehrfürchtigem Schweigen (Gibson, Fender) bis mittelmäßigem Entsetzen (Billigfirma XY) steht. Insbesondere eine asiatische Firma kennt da wohl überhaupt keine Hemmungen und vertreibt ihre Klampfen in grellen Neonfarben. Von Quietschgrün bis zu Knallrosa ist alles vertreten. Nee, nee, es gibt DINGE, die sind einfach nicht schön.

Und manche DINGE ändern sich einfach nie. Mister Jim Marshall persönlich sitzt wieder die gesamte Messe an seinem Stand und signiert unermüdlich ein Plakat nach dem anderen.

Endlich hat sich eine Firma den armen Schwarzmetallern und Gothicks erbarmt und den Jungs die passenden Flightcases und Gig-Bags gefertigt. ‚Coffin Case' heißt die Firma, die - nomen est omen - ihre Köfferchen im Sargdesign unters Volk bringen will. Und nicht nur Gitarristen könne ihren Schatz nun standesgemäß zur Ruhe betten auch die Schlagwerker bekommen für ihre Eßstäbchen das passende Case.

Ganz anderer Art ist eine recht seltsam anmutende Gitarre, deren Bünde wie das Erstlingswerk eines Gitarrenbauerlehrlings anmuten. Verschoben und mit teilweise so engen Abständen, daß man schon fast ne Pinzette zum spielen braucht. Gitarre mit Naturtönen nennt sich der Spaß dann. Naja, wer's braucht, klingt auf jeden Fall nicht so schlimm.

Am Stand von Digitech gibt dann einer der Clinicians sein Können zum Besten und brettert ne amtliche Version des Hummelflugs hin (de Majo? Wer ist der Kerl?). Nebenbei demonstriert er das GNX2 mit dem man z.B. den Sound eines cleanen Fenders mit dem eines Rectifiers im Endstadium per Pedal mixen kann. Effekte gibt's natürlich auch und wenn ich's noch richtig weiß, kann man mit de Teil auchaufnehmen (oder war das doch das GNX3?)

So, das war's dann auch schon mit Guitar House. Weiter geht's in Hall 5 + 6, in denen alles rund um Recording und Keyboards untergebracht ist. Nebenbei staune ich immer wieder über die Essenspreise. Einmal Schnippos (Schnitzel, Pommes und Salat) für 12 Euro, ein popliger HotDog 2,50 Euro...

OK, Halle 5, massenweise schöne Spielzeuge für große Kinder. Ich muß zugeben, daß ich nicht mehr ganz auf dem Laufenden war, was den Stand der Recording-Technik angeht aber daß sie sich derart gewandelt hat, hätte ich nicht gedacht. Kleine 4-Spur Digitalrecorder gibt es inzwischen im (fast) Hosentaschenformat, z.B. das Pocketstudio 5 von Tascam. Wobei die Frage ist, wie weit man mit 32 MB kommt. Nunja, MIDI-fähig ist das Teil auch und Mp3's kann man damit wohl auch machen.

Etwas mehr Möglichkeiten bieten dann Geräte wie das BR-532 von Boss.Auch hier wird auf Chipkarten (32MB + 128 MB) gespeichert. Man hat vier digitale Aufnahmekanäle, diverse Effekte, ein eingebautes Mikrophon, etc. Wem die Spuren nicht reichen kann zum BR-1180 (wahlweise mit oder ohne CD-RW) greifen, das 8 Spuren bietet, neben einigem andere ‚SchnickSchnack'.

Die genannten Geräte sind nur exemplarisch, im Prinzip hat jede namhafte Firma mehr oder weniger die gleiche Produktpalette. Alles läuft digital und reicht vom schon genannten 4-Spurtaschenrekorder bis zum semiprofessionellen 24-Spur Studio.

Da wäre z.B. das VS-2480, ebenfalls von Roland oder das DM-24 von Tascam. OK, die Dinger kosten die Kleinigkeit von etwas 4.500,- Euro und ja, ich weiß wieviel CD's oder Bier man davon kaufen kann aber hey, für das Geld bekommt man ne Qualität und Komfort von der man vor ein paar Jährchen nicht mal zu träumen gewagt hat. (Da fällt mir gerade ein, daß ich den analogen 4-Spur Rekorder in meinem Regal noch ins Museum bringen muß... tja, vor etwa 8 Jahren war das fast noch Stand der Technik).

Neben diesen Komplettlösungen gibt es auch einige Geräte, die einem das fummlige Bedienen des Fensteroverkills diverser Sequenzerprogramme abnehmen sollen. Anstatt im Fenster 12 die Regler für den 2. Kanal mit der Maus runterzuziehen, kann man das nun auch mit der entsprechenden Hardware machen. Die Software wird meistens mitgeliefert (z.B. US-224 von Tascam).

A propos Sequenzer, Cubase hat ne neue Version rausgebracht, Cubase SX. Nur so zur Info.

Weiterhin gibt's natürlich noch HD-Recording Karten und ADAT-Wandler und Zeug und DINGE und Things and Stuff...

Fast hätt' ich's vergessen. Die Pandoras Box von Korg geht in die 4.Generation. Vor einigen Jährchen hab ich die erste Generation erstanden. 20 Sounds, eine Handvoll Effekte, ein Metronom, das war's. Das Ganze für etwa 300,- DM. Die next-next-next Generation hat 40 Sounds, diverse Effekte, diverse Ampsimulatoren, ne Drummachine, Aufnahmefunktion und kann wie ne Flöte klingen... ach ja und kostet 150,- Euro. Noch ein Teil für's Museum.

Fast interessanter als die ganzen Geräte, die man ausprobieren darf, sind die vielen Vorführungen. Bei Roland bekomme ich die ganze beschissenen Wahrheit des Musikbusiness derart deutlich um die Ohren gehauen, daß es fast schon wieder komisch ist. Elastisches Audio heißt das Zauberwort. Samples können ohne Veränderung der Geschwindigkeit in ihrer Tonhöhe geändert werden. Und man merkt nicht mal, daß der Sänger was anderes gesungen hat. Der Vorträger (Vortragende?) demonstriert anhand eines am Morgen - vor dem Zähneputzen - eingesungenen Refrains eines dieser grausigen Chartmachwerken, wie Hits gemacht werden. Aus dem Sample werden sämtlich Toninformationen herausgerechnet, so daß die Stimme roboterhaft klingt. Nun noch das entsprechende Playback und die richtigen Noten auf dem Keyboard und schon klingt es 1A wie das Original. Komplett anderer Sänger, gleiches Resultat. Wer jetzt noch Gesangsstunden nimmt, ist echt bescheuert. Aber Metaller haben ja eh den Zug verpaßt und Techno gehört die Zukunft...

OK, bevor ich vollends anfange über die Musikindustrie abzulästern, komme ich lieber zu einem Instrument der ganz anderen Art. Sieht aus wie ein Stück Holz mit ner Antenne und Griff zum Wegwerfen. Das ursprünglich nach seinem Erfinder Theremin benannte Instrument wird nun von BigBriar unter der Bezeichnung Etherwave herausgebracht. Je nach Handabstand verändert sich die Tonhöhe. Mit etwas Übung bekommt man dann Stücke wie die StarTrek Melodie hin. Faszinierend.

Diejenigen unter Euch, die schon immer die Idee hatten Musik professionell zu machen, denen es aber leider nicht vergönnt war die Aufnahmeprüfung an einer staatlichen Hochschule zu schaffen (oder die darauf keinen Bock haben), können ihr Glück nun bei der privaten Jazz&Rock Schule in Freiburg versuchen. Die offizielle Partnerschule des berühmten "Berklee College Of Music" bietet eine, so man den Broschüren Glauben schenken darf, praxisnahe Ausbildung mit einer Dauer von drei bis fünf Jahren an. Macht alles in allem einen recht guten Eidnruck. Achja, hatte ich die 375,- Euro Studiengebühren pro Monat schon erwähnt?

Zum Abschluß mache ich das einzige, was meine Füße mir noch erlauben: hinsetzen. Und einer Studiosession beiwohnen. Mitten in der Messehalle ist ein kleines Tonstudio eingerichtet, in dem im Laufe der Messe ein Song aufgenommen wird. Dabei kommentieren Produzent und Tontechniker warum sie was wann wie genau jetzt machen. Eine wirklich hochinteressante Sache, die die Messe perfekt beendet.

Nach 8 Stunden rumlaufen, angucken und zuhören ist man doch in einer ziemlich ‚ichbrauchjetztganzdringendeingroßekühlesBier'-Laune. Bleibt die Frage wie kommt Scheiße aufs Dach und ob sich der Besuch und vor allem der doch nicht ganz billige Eintritt gelohnt hat. Interessant war's allemal, zumal ich schon lange nicht mehr auf der Messe war und angenehm leer waren die Hallen auch, so daß man doch recht zügig da hinkam, wo man hin wollte. Und auch an den Ständen mußte man nicht erst ne Nummer ziehen um mal an ein Gerät zu kommen. Ob das allerdings die 23 Euro rechtfertigt? Nun, was soll's, ich hoff', euch hat der kleine Bericht gefallen.

So long and thanx for all the fish! (goofy)

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