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David De Feis scheint eine Schwäche für starke Frauen zu haben; jedenfalls wäre dies eine mögliche Erklärung dafür, dass seine dritte Rockoper "Lilith" nach "Klytaimnestra" und "Hel Oder Die Rebellen" eine weitere mythologische Frauenfigur in den Mittelpunkt stellt. Natürlich könnte ich hier noch ewiglich weiter auf die umstrittene religiöse Rolle dieser von Gelehrten über Jahrhunderte intensiv diskutierten Persönlichkeit eingehen, aber das würde definitiv zu weit führen. Nur ganz grob: die erste Frau, den Gott erschuf, war nicht Eva, sondern Lilith. Jedoch fühlte sich die Gute von ihrem Gegenstück Adam als pures Lustobjekt unterdrückt und entsagte seiner Herrschaft. Daraufhin bat Adam um ein neues "Exemplar" und bekam prompt Eva zur Seite gestellt, die, aus einer Rippe entstanden, auf seine Bedürfnisse zugeschnitten war und ihn als ihren geliebten und dominierenden Mann bedingungslos akzeptierte. Lilith jedoch war von nun an mit ihrer Außenseiterrolle als "Unfall der Schöpfung" nicht zufrieden und begann damit, nicht nur ihrem Ex, sondern auch ihrem Schöpfer, also Gott, zu entsagen... Stop! Wer mehr über die (theologisch äußerst komplexe) Handlung inklusive einer ebenso verrückten wie genialen Schlußwendung wissen möchte, wird nicht umhinkommen, sich das Stück selbst einzuverleiben. Kommen wir nun zur musikalischen Untermalung des Stückes, die ja so etwas wie dessen Herzstück darstellt. Schließlich handelt es sich bei "Lilith" um eine Rockoper! Und hier ist "Mastermind" De Feis erneut ein Glücksgriff gelungen, auch wenn, und somit kommen wir zum ersten und einzigen Kritikpunkt, die Musikstücke seinen letzten Kreationen sehr ähneln. Zudem wurde als Untermalung zwischen den Songs immer die selbe Melodie benutzt, was doch dafür spricht, daß diese Art von De Feis'scher Songwritingkunst nun doch nach einigen jahren ihren kreativen Zenit erreicht. Aber nichtsdestotrotz sind die Songs, die unter Mithilfe von Edward Pursino und Josh Block (also der aktuellen VIRGIN STEELE-Besetzung ohne Drummer Frank Gilchriest) entstanden sind, kompositorisch über jeden Zweifel erhaben. Besonders ist zu erwähnen, dass mit Josephine Weyers (Lilith) und Patrick Stamme (Adam) u. A. zwei ausgebildete Opernsänger nicht nur die Rollen spielten, sondern die Stücke auch noch brillant intonieren konnten, wobei besonders erstgenannte sogar bei einer Death Metal-Band anheuern könnte, da sie unmenschlich tief und diabolisch singen kann. Nach nur einmaligem Hören hier den einen oder anden Reißer hervorzuheben, finde ich ziemlich sinnlos; so etwas kann man machen, wenn das (geplante) Album zu diesem Stück vorliegt und man die Songs intensiver auf sich wirken lassen kann. Zudem wurden während der Aufführung lediglich Rohfassungen der Songs präsentiert. Die Umsetzungen solcher hervorragenden Stücke wie "Adorned With The Rising Cobra", der fantastischen Gänsehauthymne "Immortal I Stand (The Birth Of Adam)", "In A Dream Of Fire", "Black Light On Black", "Nepenthe (I Live Tomorrow)", "Angel Of Death", "The Hidden God", "The Ineffable Name", "Childslayer" oder dem abschließenden, überlangen "Visions Of Eden" wurden jedenfalls sensationell gemeistert und begeisterten durchweg das tolle Publikum, das trotz 57 Grad Celsius und 129% Luftfeuchtigkeit im Saal sämtliche Songs begeistert abfeierte. Die zwischen den Stücken gesprochenen Parts waren hingegen nicht für jedermann geeignet, da sie sehr langsam und getragen, ja, sogar fast schon lahm, vorgetragen wurden und eine klassische Theaterkulisse nicht vorhanden war. Da gingen dann auch die Meinungen der Anwesenden (die sich aus einer gesunden Mischung aus Anzug,- und Kuttenträgern rekrutierten) auseinander, was man während der 20minütigen Pause des 2 ½ Stunden langen Stückes heraushören konnte, während sich im Hinblick auf die Musik fast alle einig waren: David De Feis (der vorher auf dem Platz vor dem Theater zu den Klängen von "Kingdom Of The Fearless" erschienen war) hat mit seiner Mannschaft ganze Arbeit geleistet! "Lilith" ist also empfehlenswert für alle diejenigen, die ihre Leidenschaft für Heavy Metal mit einem anspruchsvollen Kulturschock der besonderen Art verbinden möchten. (do) |